Kreis Südwestpfalz In Käshofen auf die Bahn warten
„Ich sag’ dazu nichts.“ „Da musst Du den X fragen.“ „Das gehört nicht in die Zeitung.“ Aussagen wie diese bekam man am Wochenende auf dem Käshofer Dorffest zu hören, wenn man sich nach dem neuen Häuschen erkundigte, das den Dorfplatz seit rund drei Wochen ziert. Beim Dorffest war der Weinstand darin untergebracht, doch gedacht war es ursprünglich für einen anderen Zweck. „Das ist die überdachte Wartestelle für die S-Bahn, das hat Käshofen Zweibrücken und Homburg voraus!“, sagte vergangene Woche der Käshofer Beigeordnete Egon Gilbert, als er auf das auf einer Seite offene und mit Tonziegeln gedeckte Haus angesprochen wurde. Galgenhumor. Die Idee zum rund drei mal sechs Meter großen Haus hatte Gemeinderatsmitglied Klaus Köhler, auch bekannt als „de Stromer Sepp“, und nach dessen Aussage „noch zwei, drei weitere Leute“. Sinn der Häuschen sollte es sein, beim Dorffest „die Mussigg“ trocken unterzubringen und bei anderen Festen wie dem Weihnachtsmarkt das Häuschen als Bude nutzen zu können. Sagt Köhler. Die Musik spielte zumindest am Dorffest-Wochenende lieber wie die Jahre zuvor in der großen und hohen Maschinenhalle. Denn dem Vernehmen nach ist das Holzhäuschen neben dem Gemeinschaftshaus schlicht zu klein ausgefallen, um „die Mussigg“ dort unterbringen zu können. Und mit geschätzten drei Metern Höhe auch deutlich zu niedrig, weil dann keine Bühne reingeht. Jetzt will es keiner gewesen sein: Wer die Hütte gebaut hat, ist nicht zu erfahren beim Dorffest. Aber dass die Ortsgemeinde Käshofen sie mit 9500 Euro bezahlen muss, weil sie sie in Auftrag gegeben hat, soviel steht fest. Von „Zinnober im Dorf“ berichtet Bürgermeister Klaus Martin Weber. Von gereizter Stimmung und zwei Gruppen, die sich die Schuld an dem Bauwerk zuschieben, andere Käshofer. Und von Gemeinderatsmitgliedern, die zuerst dafür waren und jetzt nicht mehr. Und auch dafür, dass der Beigeordnete Egon Gilbert beim Dorffest am Samstagabend fehlte (was in den vergangenen Jahren nie der Fall war), muss das Käshofer S-Bahn-Wartehäuschen herhalten. „Was meinst Du, warum der heute nicht da ist? Das ist eine Folge des Häuschen-Streits“, kolportierte ein Käshofer. „Quatsch, der Egon ist krank“, stellte der Bürgermeister klar. Man könnte meinen, was für Webers Vorgänger Karl Hoffmann die Windräder waren, ist für ihn das Häuschen am Dorfplatz: schwieriger Stoff zum Versöhnen aufgebrachter Käshofer Gemüter.