Contwig
Im Secondhand-Laden der Kirche soll jedes Kleidungsstück einen Euro kosten
Ich bin Vorsitzende im Pfarreirat, Vorsitzende im Gemeindeausschuss St. Laurentius Contwig und auch Vorsitzende des Caritas-Ausschusses St. Pirminius.
Was macht der Caritas-Ausschuss?
Wir kümmern uns um soziale Projekte wie Seniorennachmittage, besuchen in normalen Zeiten Menschen in Krankenhäusern und Alten- und Pflegeheimen. Wir sind also für die soziale Komponente zuständig. Im September 2020 haben wir bei unserer Ausschuss-Sitzung die Idee geboren, eine Kleiderstube einzurichten. Wir haben gemerkt, dass das notwendig ist. Viele Menschen sind durch die Pandemie in Kurzarbeit, das Einkommen ist nicht mehr so hoch und so weiter. Mit der Kleiderstube wollen wir gute, noch erhaltene und tragbare Kleidung für jedermann anbieten. Also nicht nur für Sozialhilfe-Empfänger und Flüchtlinge, sondern jeder kann herkommen und sich für einen kleinen Preis bedienen.
Die Contwiger Kleiderstube ist also ein kirchlicher Secondhand-Laden?
Genauso ist es. Wir arbeiten mit der Caritas in Pirmasens zusammen. Was jetzt noch fehlt, sind Flyer und ein pfiffiger Name für unsere Kleiderstube. In den kommenden Wochen soll der Caritas-Ausschuss auch noch mal zusammenkommen. Wenn die Inzidenzwerte runtergehen, kann man das wieder tun. Dann koordinieren wir die Details, beispielsweise wann genau wir eröffnen. Durch die Pandemie konnten wir im vergangenen Jahr nicht anfangen mit der Kleiderstube. Was aber auch sein Gutes hat. Denn im Februar dieses Jahres bekamen wir einen Aufruf der Landesarbeitsgemeinschaft Pfälzerwald plus, die bei der Kreisverwaltung in Pirmasens sitzt. Die fördern ehrenamtliche Bürgerprojekte. Da haben wir uns beworben und eine Kostenaufstellung eingereicht. Wir brauchen beispielsweise Kleiderständer und ein paar Möbel. Nach Ostern kam der Bewilligungsbescheid über 1500 Euro.
Was fehlt noch?
Kleiderwagen haben wir bereits bestellt, also rollbare Kleiderständer. Es fehlen noch Kleiderbügel, ein Spiegel, Bügeleisen und Bügelbrett, Kisten zum Einpacken von Sommer- und Wintersachen.
Wo genau findet das statt?
Das ist hier im Pfarrsaal des Schwesternhauses an der katholischen Kirche in Contwig. Wir haben einen Raum, wo wir die Sachen aufbewahren können. Die Kleiderständer sind auf Rollen, die können wir hin- und herschieben. Ich denke, wir bieten ein- oder zweimal im Monat Zeiten zur Abholung an. Je nachdem, wie es sich entwickelt.
Sie suchen auch noch ehrenamtliche Helfer?
Ja, es haben sich schon einige gemeldet. Bislang hauptsächlich Leute aus der Kirchengemeinde, aber auch beispielsweise eine Frau aus Contwig, die vorher in Zweibrücken bei der Kleiderstube der Diakonie geholfen hat, wo zur Zeit nichts stattfindet. Die will auch helfen. Ich denke, es kommen noch mehr Helfer dazu. Am 14. Mai haben wir zwischen 15 und 18 Uhr geöffnet, da können die Leute ihre alten Kleider bringen. Dann sortieren wir schon mal. Die ersten Kleiderspenden sind sogar schon da. Ich gehe davon aus, dass wir Anfang oder Mitte Juni eröffnen können.
Das bedeutet, regelmäßige, feste Öffnungszeiten?
Ja, wir probieren es wahrscheinlich am Anfang mal mit einem Freitagnachmittag und einem Samstagmorgen. Damit de Berufstätigen samstags kommen können. Vielleicht im Wechsel, eine Woche freitagsnachmittags, die Woche darauf dann samstagsvormittags vielleicht.
Wie sieht es mit der Hygiene aus? Werden die Kleider noch mal gewaschen?
Die Sachen, die wir jetzt schon haben, sind frisch gewaschen. Ganz alte Klamotten, die in den Kleidercontainer gehören, werden wir auch dorthin bringen. Die Kleiderspender sollten die Kleider vor der Anlieferung waschen. Früher hatten wir eine Waschmaschine im Haus von den Schwestern. Aber das ist nicht mehr der Fall. Sollte eine Wäsche nötig sein, machen wir das eben zuhause, also privat. Die meisten Spender rufen aber eh vorher an und fragen danach.
Gab es schon Nachfragen von Interessenten für Kleider?
Am Sonntag hat ein Mann in der Kirche gesagt, dass er das Projekt sehr gut findet und Interesse hat. Übrigens ist auch der Kindergarten mit im Boot. Gerade bei Kinderkleidung geht die Anschaffung ja schnell ins Geld. Wir wollten pro Kleidungsstück einen Euro nehmen, bei Kinderkleidung sogar voraussichtlich nur 50 Cent. Ganz umsonst wollen wir die Kleidung nicht abgeben. Zumal der Erlös wieder in soziale Projekte fließen wird.
Wie viele Mitstreiter haben Sie schon?
Zur Zeit sind wir zu fünft. Aber da kommen noch welche hinzu, es steht jetzt erst im Kirchenblatt und in der Zeitung.
Bis zur ersten Kleiderannahme am Freitag ist noch viel zu tun?
Die Kleiderständer kommen voraussichtlich am Mittwoch. Die müssen wir zusammenbauen. Und dann einkaufen gehen, damit wir Kleiderbügel haben und so weiter.
Der Pfarrsaal ist weiterhin nutzbar?
Ja, wir schieben die Kleiderständer einfach rüber in den anderen Raum. Und wenn es wieder losgeht, benutzt ja auch der Musikzug der VT Contwig den Saal. Die proben donnerstags. Und die Senioren sind dienstags dann hier.
Die ehemaligen Schwesternwohnungen über dem Pfarrsaal stehen leer?
Nein, die sind vermietet an die Kreisvolkshochschule.
Info
Der Caritasausschuss der Pfarrei möchte die Kleiderstube im ehemaligen Schwesternhaus in Contwig im Juni eröffnen und gut erhaltene, gebrauchte und noch tragbare Kleidung, auch Kinderbekleidung, gegen eine geringe Gebühr anbieten. Das Angebot richtet sich an alle. Wer Kleider spenden möchte, kann sie am Freitag, 14. Mai, von 15 bis 18 Uhr im Pfarrsaal in Contwig abgeben. Auch ehrenamtliche Helfer sind willkommen. Sie können sich im Pfarrbüro Contwig, Telefon 06332/ 5716, melden.