MASSWEILER / HERSCHBERG / WINTERBACH
Im Schatten ist’s noch kalt – Der Frühling nimmt jetzt erst Fahrt auf
„Die Blüten der Obstbäume kommen nur langsam zum Vorschein. Es fehlt ihnen zudem noch die Frische und Strahlkraft, weil es insgesamt zu kalt ist. Die Sonne blinzelt immer nur kurzzeitig vom Himmel, sodass selbst die Bienen kaum fliegen wollen“, sagte Vorstandsmitglied Michael Höh vom Kreisverband der Obst- und Gartenbauvereine aus Herschberg vergangene Woche vor dem schönen Frühlingswochenende.
Dass noch Wachstumswetter fehlte, erkenne man auch an den Wiesen und Getreidefeldern deutlich. Es sei zwar alles grün, aber das Wachstum ist deutlich abgebremst. Ohne Wärme um mindestens 15 Grad und wegen des bereits schon wieder spürbaren Regenmangels zündet die Natur nicht, wie sie es eigentlich könnte in dieser Jahreszeit, so der Obstbauer und Gartenfachmann. Die bisher anhaltende Nordostluft sei zu trocken und kalt gewesen, sodass die Felder und Wiesen oberflächig schon wieder weitgehend ausgetrocknet sind. Im April seien bisher nur etwa fünf Liter Regen gefallen, was jetzt schon wieder den natürlichen Wachstumsablauf beeinträchtigt, so Höh. Er befürchtet, dass er auch in diesem Jahr schon wieder zu früh die Obstbäume bewässern muss.
Trotz zahlreicher empfindlicher Reifnächte mit bis zu vier Minusgraden haben die Obstbäume in höheren Lagen keine auffälligen Frostschäden, so Höh. Bei den schon vor den Osterfeiertagen gut zur Blüte gekommenen Kirschen gibt es einige kritische Verfärbungen. Gegenwärtig kämen die Mirabellen, Zwetschgen, späten Kirschbäume und vor allem auch die nun erblühten Birnbäume ganz gut durch die kühlen Tage. Nur der Bienenflug für die Bestäubung leide darunter. Zwar seien die Hummeln auch unter zehn Grad schon sehr aktiv gewesen, aber sie schafften es nicht allein. Unterstützung gebe es zum Glück noch durch die Selbstbestäubung durch den Wind. Trotzdem sei der Bienenflug besonders wichtig und unverzichtbar.
Kaltluft stört Bienenflug und Apfelblüte
Die Obstbäume am Niederhauser Berg bekommen hinter dem Bergrücken erst gegen Mittag die Sonne, sodass ihre Blüten sich nur langsam öffnen. Um die geöffneten Blüten fliegen dann jedoch zahlreich die Bienen, da es in Winterbach noch drei Hobbyimker gibt mit ausreichend Bienenvölkern, die sie teilweise zu den Obstanlagen bringen, was den Erfolg der Bestäubung deutlich erhöht. Die Bienen hätten dadurch nur kurze Flugwege sowohl zu den Blüten und wieder zurück ins Bienenhaus, erläutern Willi Schwarz und Jürgen Wolf.
Trotzdem kann man auch hier genau feststellen, dass an den Fluglöchern der Bienenkästen der Flugbetrieb noch verhalten ist, da es an der belebenden Wärme für die sonst so fleißigen Bienen fehlt. Durch die kühlen Temperaturen und fehlende Feuchtigkeit gibt es auch noch keine Krankheiten oder Schädlinge, die besondere vorbeugende Maßnahmen zum Schutz der Obstbäume erfordern.
Auffallend ist für Höh und den Vorsitzenden Clemens Huber vom Obst- und Gartenbauverein Maßweiler, dass die Apfelbäume erst langsam ihre Blühknospen zeigen. Beide rechnen mit einer um zwei Wochen späteren Blüte bei den Äpfeln als in den vergangenen drei Jahren. Das sei kein Beinbruch, denn dann verschiebt sich die Ernte wieder deutlich in den September, was eigentlich normaler sei. Höh ist sich bereits sicher, dass die Apfelernte in diesem Herbst deutlich unter dem Ernteertrag von 2020 liegen wird.
In der Obstanlage des Vereins hat Clemens einen Pfirsichbaum näher unter die Lupe genommen, da dieser schon verblüht ist. Es seien deutliche Auswirkungen der Frostnächte zu erkennen, sodass es keine Früchte am Baum geben wird, glaubt er. Für diese in unserer Region nicht typische Obstsorte hänge bei uns immer alles vom passenden Wetter und dem Zeitpunkt der Blüte ab, so Clemens. Bei seinen eigenen Kirschen hat er auch einen Baum, wo die Blüten vom Frost geschädigt sind. Der zweite Kirschbaum geht jetzt erst in die Vollblüte, da hofft er auf mehr Glück, damit er im Sommer Kirschen ernten kann. Die kalte Luftströmung aus dem Wallhalbtal mache sich in Maßweiler immer nachteilig bemerkbar, wenn sie über die Tierauffangstation und die Au hochklettert in die Obstgrundstücke beim Dorf.
Feldbestellung ohne Verzögerung
Die Bauern können ihre Felder für eine noch notwendige Aussaat gut vorbereiten. Überall kann man mit den Maschinen ohne Probleme hinfahren, da die Feldflur schon stark abgetrocknet ist. Es macht auch keine Probleme, den Mist und die Gülle auszubringen, wo die Felder schon bald mit Futtermais eingesät werden sollen. Auch das Grünland lässt sich noch ordentlich abstriegeln, damit sich das Futter später gut mähen lässt. Das Spritzen beim Getreide und Raps ist durch kaum sichtbare Fahrspuren möglich.
Die Gärten haben noch die notwendige Bodenfeuchtigkeit, damit der Samen schnell keimen kann. Die Fachleute der Gartenbauvereine empfehlen jedoch die Beete mit Fleece oder Tüchern abzudecken. Dies schützt vor dem Austrocknen des Bodens und vor der nächtlichen Kälte bis in den Vormittag. Unter den schützenden Abdeckungen kommen Radieschen, Spinat, Karotten, Petersilie, Salat, Rettich, Erbsen, Bohnen und Zwiebeln leichter und schneller zum Vorschein.