Kreis Südwestpfalz „Ich verrate mein Alter lieber nicht“

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Sie tauchen gelegentlich in Fernsehserien als Nebenfiguren auf, und in der Regel ist jeder froh, wenn er nichts mit ihnen zu tun hat: Bewährungshelfer. Teresa Gehring hat sich nach einem Praktikum bewusst für den Job entschieden und es bislang nicht bereut. Die junge Frau hilft Menschen dabei, über ihr Verhalten nachzudenken und es bestenfalls zu ändern – oder zumindest die vom Gericht vorgegebenen Verpflichtungen einzuhalten.

„Schon in meinem Praktikum bei der Bewährungshilfe, ich habe Soziale Arbeit in Köln studiert, wusste ich, dass ich hierher will“, erinnert sich Gehring zurück. Als waschechte Kaiserslauterin sei es ja naheliegend gewesen, dass sie ihr mehrmonatiges Praktikum in Lautern absolvierte. Das hat ihr offensichtlich viel Spaß gemacht, denn seit vergangenem Jahr ist sie Bewährungshelferin und für rund 90 Probanden zuständig. „Die Menschen, die wir betreuen, nennen wir Probanden, auch wenn man das sonst eher von Wissenschaftlern kennt“, sagt Gehring schmunzelnd. Dass sie die Jüngste im Team ist, sei unproblematisch: „Mein Alter, dass ich allerdings mit Blick auf meine Probanden lieber nicht verrate, spielt kaum eine Rolle. Bei den Kollegen überhaupt nicht, bei den Probanden nur selten.“ Bislang habe sie alle Anspielungen auf Alter und Erfahrung mit Humor auflösen können. Zuständig ist die junge Frau unter anderem für Menschen aus Kaiserslautern und dem Donnersbergkreis, ihre acht Kollegen betreuen von der Glockenstraße aus auch Menschen in den Landkreisen Kaiserslautern und Kusel. „Natürlich sind unter den 90 Fällen nicht nur zeitintensive Probanden, bei vielen reicht ein Gespräch alle paar Wochen“, berichtet Gehring. Andere kosten mehr Zeit: „Gerade in der Anfangsphase sind die Intervalle deutlich kürzer, da geht es ja auch ums Kennenlernen.“ Der Bewährungshelferin ist es wichtig, den Menschen offen zu begegnen und ihnen gegenüber kein Misstrauen an den Tag zu legen: „Natürlich kenne ich die Akte und das Urteil, und ich weiß, wieso der- oder diejenige vor mir sitzt. Aber ich versuche, den Menschen hinter der Straftat kennenzulernen.“ Das gelingt Gehring am besten bei Hausbesuchen im familiären Umfeld der Probanden: „Da sehe ich, wie er lebt und mit seiner Familie umgeht. So bekomme ich ein Gesamtbild.“ „Wir versuchen, unsere Probanden zu einer Verhaltensänderung zu motivieren“, erklärt Gehring ihren Arbeitsalltag. „In Gesprächen wird beispielsweise die Straftat aufgearbeitet – was ist passiert, und was ist zu tun, damit es nicht noch einmal passiert?“ Die Erfolgsaussichten? Ganz unterschiedlich, je nachdem, wie der Proband mitarbeite. Einigen reiche schon Unterstützung, um einen neuen Job zu finden, andere dagegen müssten zu einem Entzug motiviert werden. Gehring: „Wenn die Person das nicht will, ist es manchmal ein Kampf gegen Windmühlen.“ Eine Tatsache mache Gehring jedem Probanden von Anfang an klar: „Ich bin zwar da, um zu helfen, aber nicht auf freiwilliger Basis. Mein Gegenüber muss wissen, dass er dazu verpflichtet ist, mitzuarbeiten und sich an die Regeln halten.“ Die Regeln, das können beispielsweise vom Gericht angeordnete Urinkontrollen oder Sozialstunden sein, die Gehring überwacht und dem Gericht mitteilt. Spielt der Proband nicht mit, muss er mit Konsequenzen rechnen – bis zur Aufhebung der Bewährung. Auch wenn man es eigentlich recht schnell lerne, nach Feierabend abzuschalten, gebe es doch immer wieder Schicksale, die einen noch nach Dienstschluss beschäftigten: Etwa das eines jungen Mannes, der seit Jahren starker Alkoholiker ist und es nicht schafft, von der Sucht wegzukommen. Gehring: „Der geht immer mehr zugrunde. Wir hoffen jetzt, dass er den zugesagten Therapieplatz bekommt und es durchzieht.“ (bgi)

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