Kreis Südwestpfalz „Ich hab’ absolut Lust, was zu verändern“

Er ist 26 Jahre jung, kommt frisch von der Uni und steckt voller Ideen: Max Bottin, SPD-Politeinsteiger aus Obermohr, fordert bei der Bürgermeisterwahl am 18. Januar CDU-Urgestein Klaus Layes heraus und will der langen Tradition der Personalunion in der VG Ramstein-Miesenbach ein Ende setzen.
Tapp, tapp, tapp, tapp. Gemächlich joggt Max Bottin auf seiner bevorzugten Route am Berg in Obermohr. „Ich finde die Strecke abwechslungsreich. Die Aussicht hier ist wunderschön, normalerweise“, sagt der 26-Jährige. Heute allerdings hängen die Wolken tief und der Wind bläst dem jungen Mann ins Gesicht. Macht nichts. „Beim Joggen kann ich wunderbar abschalten, meine Gedanken loslassen“, umreißt der Obermohrer seine Motivation, auch bei schlechtem Wetter zu laufen. Die Lust am Laufen und das Interesse an Politik verbindet ihn mit Bürgermeister Klaus Layes. Und dass er wie der Christdemokrat im Sternzeichen des Widder geboren ist. Damit hat es sich aber wohl schon mit den Gemeinsamkeiten. Kein Wunder: Zwischen dem Amtsinhaber und dem Herausforderer liegen mehr als 30 Jahre Altersunterschied, eine ganze Generation. Max Bottin kommt frisch von der Uni: Gerade erst hat er sein fünfjähriges Studium der Holzwirtschaft in Hamburg abgeschlossen und wartet auf das Ergebnis seiner Master-Arbeit zum Thema „Sauerstoffbarrieren für Kartonagen“, ein Projekt in Kooperation mit der BASF. „Dabei geht es darum, dass man durch einen bestimmten Farbanstrich die Folie in Kartons weglassen kann“, bringt Bottin die komplizierte Materie ruckzuck allgemeinverständlich auf den Punkt. „Wir sind quasi Ingenieure für Holz“, erläutert er, was sich hinter dem seltenen Studiengang verbirgt. „Papierchemie ist mein Studienschwerpunkt. Beruflich würde ich gerne was im Verpackungsbereich machen“, berichtet er und schiebt verschmitzt grinsend nach: „Wenn es mit dem Bürgermeisteramt nicht klappen sollte.“ 26 Jahre jung und politisch bislang ohne jedes Amt: Fühlt er sich nicht noch zu unerfahren, um an der Spitze der Verbandsgemeinde zu stehen? „Ich traue mir zu, die Verwaltung zu leiten. Dinge, die ich noch nicht weiß, kann ich mir aneignen“, sagt er selbstbewusst. Einige Vorkenntnisse bringe er vom Studium ohnehin mit: Betriebswirtschaft und Kenntnisse in der Abwasseraufbereitung, die bei den Werken hilfreich sein könnten. „Neues zu lernen, bin ich außerdem von der Uni her gewohnt. Ich sehe das als Herausforderung. Und als Bürgermeister wird schließlich keiner geboren!“ Dass er politisch bislang nicht in Erscheinung getreten ist, empfindet Bottin ebenfalls nicht als Nachteil. „Im Gegenteil. Ich bin politisch völlig unbelastet und kann die Sachen wertfrei betrachten.“ Hochmotiviert sei er, eine Spaßkandidatur liege ihm fern. „Ich hab absolut Lust, was zu verändern.“ In der Politik müsse es wieder Visionen geben, um das Bestmögliche herauszuholen. „Bürgermeister Layes hat nach 16 Jahren im Amt nicht mehr so viele Ideen“, findet Bottin. Ein wichtiges Thema für ihn ist der demografische Wandel, „der ja auch uns Junge betrifft“: Angesichts des drohenden Fachkräftemangels könne man es sich nicht leisten, jemanden zurückzulassen. „Wir brauchen die bestmögliche Ausbildung und individuelle Förderung.“ Essenziell ist für ihn, der Jugend an den Schulen der VG die modernste digitale Ausstattung zu bieten. „Wir müssen die Hardware zur Verfügung stellen, aber auch schauen, dass die Lehrer diese richtig anwenden können.“ Das Internet gehöre wie Wasser, Gas und Strom zur Grundversorgung. Für eine Gebietsreform sieht er in der VG Ramstein-Miesenbach keinen akuten Handlungsbedarf. Synergieeffekte könnten auch innerhalb des eigenen Bereichs genutzt werden. „Da gibt es bestimmt noch Potenziale, die man freilegen kann“, ist er überzeugt. Das gilt seiner Ansicht nach auch für regenerative Energien. Wegen des Flugplatzes könnten in der VG keine Windräder errichtet werden. Doch Solarenergie und der verstärkte Einsatz von Blockheizkraftwerken könnten in der Verbandsgemeinde eine interessante Alternativen sein. Mit seiner Kandidatur wolle Max Bottin eine politische Alternative bieten, um die Leute an die Urne zu holen, so Bottin. Jetzt habe der Bürger eine echte Wahl: „Will er nach 16 Jahren weiterhin Klaus Layes oder will er jemand Neues mit frischen Ideen.“