Kreis Südwestpfalz „Ich bin ein richtiger Suppenkasper“

Wenn sich die Familie am Herd versammelt, die Kinder sich an der Salatsauce oder beim Panieren der Schnitzel versuchen und der Tag besprochen wird, dann ist Jürgen Gundacker in seinem Element. Entspannung, Familienleben, Kommunikation – das ist es, was der Familienvater beim Kochen schätzt. Begeistern kann er sich dabei für alles, doch seit nach einem kleinen Spinat-Malheur neu tapeziert werden musste, steht das Gemüse für ihn auf der schwarzen Liste.
„Es ist einfach ein Stück Gemütlichkeit, wenn die ganze Familie kocht und wir anschließend zusammen essen. Wenn man solche Momente hat, muss man sie genießen“, erzählt Gundacker. Diese Zeit ist ihm sehr kostbar, denn oftmals bestimme der Terminkalender, wann die Familie Gundacker gemeinsam am Herd steht. Gundacker ist Bürgermeister der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land, seine Frau Silke Pfarrerin in Contwig. „Wann wir wo was machen, müssen wir abstimmen. Aber auf dem Tisch stehen muss immer etwas. Dann wird eben mal gegessen, was gerade da ist“, sagt Gundacker lachend. Besondere Vorlieben bei den Speisen hat der 44-Jährige nicht, doch bei Suppen in allen Variationen wird Gundacker schwach. „Ich bin ein richtiger Suppenkasper, mag beim Essen aber eigentlich alles. Vom Wutzekopp bis zum Fisch. Nur Froschschenkel müssen nicht sein.“ Was der Familienvater auf den Herd zaubert, hat er sich meist irgendwo abgeschaut oder durch Selbstversuche beigebracht, ein Kochbuch benutze er eher selten. „Ich habe schon bei meinen Eltern zu Hause gerne mit verschiedenen Geschmäckern experimentiert, teste verschiedene Gewürze und probiere viel Neues aus, zum Beispiel Flambieren“, berichtet Gundacker. Besonders schätzt er naturnahe Produkte und legt sehr viel Wert auf den Genuss beim Essen. „Wichtig sind die Nuancen. Die Gewürze dürfen den Geschmack der einzelnen Lebensmittel nicht übertünchen.“ Da er eine Vorliebe für scharfes Essen hat, muss sich Gundacker oft bremsen, „Aber ein Curry muss brennen. Jetzt mit zwei Kindern muss ich da vorsichtiger sein. Und darf auch keinen Rotwein mehr ans Essen schütten“, sagt Gundacker lachend. Beschwert habe sich der Nachwuchs über sein Essen noch nie. Im Gegenteil, „die Kinder sagen immer: Papa, du bist der beste Koch. Du kochst besser als die Mama.“ Und was sagt die Mama dazu? „Die sagt, das stimmt“, schwört Gundacker und grinst breit. Aber auch der Vater kann sich nicht über die Essgewohnheiten von Sohn (neun Jahre) und Tochter (zwölf Jahre) beschweren. „Die Kinder trauen sich an alles und essen auch Leberwurst und Blutwurst. Da kommen sie ganz nach mir.“ Deftiges und Hausmannskost steht nämlich ganz oben in der Gunst des Contwiger Hobbykochs. Oder anders: „Alles, das beim Kochen streng riecht.“ Saure Bohnen und Speck beispielsweise, eine von Gundackers Lieblingsspeisen. Die kocht er auch nicht zu Hause, sondern isst sie bei seiner Mutter. Rückblickend habe sich sein Geschmack schon etwas verändert. „Als Kind mochte ich keinen Lauchkuchen. Ich konnte den nicht riechen. Heute kann ich mich daran doll und dämlich essen.“ Spinat hingegen mochte er noch nie. Der ist bis heute tabu. „Als Kind wurde ich mal damit gefüttert. Die Backen wurden immer dicker und dicker, und danach musste neu tapeziert werden, hat meine Oma erzählt.“ Beim Kochen schätzt Gundacker nicht nur die Familienzeit, sondern auch den gesellschaftlichen Aspekt. Vor zehn Jahren rief er in Contwig die Jedermänner ins Leben, einen Männerkreis, bei dem jeder Mann mitmachen kann. Daher der Name. Kochen steht bei den Jedermännern hoch im Kurs, „weil viele Hobbyköche dabei sind“. Die anfängliche Frühstücksrunde habe sich bis 2010 auf knapp 80 Leute und zwei Spanferkel gesteigert und dauere mittlerweile bis in den Nachmittag. Einmal im Jahr richten die Jedermänner einen Kochnachmittag aus, der immer unter einem bestimmten Motto oder Land steht. „Dazu laden wir Jemanden ein, der aus dem entsprechenden Land kommt oder etwas dazu erzählen kann“, berichtet Gundacker leidenschaftlich vom gemeinsamen Kochen im Gemeindehaus. „Wir waren schon 20 Mann auf engstem Raum, bewaffnet Messern und Schneidebrettern und haben mehrgängige Menüs zubereitet.“ Die werden abends den Frauen serviert, die dann ausnahmsweise dabei sein dürfen. „Und die Stimmung steigt bis zum Hauptgang immer weiter“, erzählt Gundacker begeistert, seine Augen blitzen, und in diesem Moment sitzt der Hobbykoch nicht in seiner Amtsstube, sondern steht irgendwo am Herd. Mit der Familie, mit Freunden, mit Töpen, mit Pfannen.