Kreis Südwestpfalz Hilfe für Jungs, die viel Schweres erlebt haben
Vor 20 Jahren begann im Jugenddorf Sickingen in Waldfischbach-Burgalben ein neuer Abschnitt: Das ehemalige Realschulinternat startete mit einem völlig neuen Konzept als intensivpädagogische Jugendhilfeeinrichtung. Übermorgen, Samstag, feiert das Jugenddorf ein Fest zu seinem 20-jährigen Bestehen in dieser neuen Form.
Sieben Häuser, allesamt in bunten Farben, in der Mitte ein großes Freizeit- und Spielgelände: So präsentiert sich das Jugenddorf Sickingen heute. Insgesamt 24 Jungen im Alter zwischen 5 und 15 Jahren leben in der Einrichtung, berichtet deren Leiterin, Ingrid Prieg Johnson. Sie kommen aus ganz Rheinland-Pfalz, zum Teil auch aus benachbarten Bundesländern und aus Luxemburg. Fast alle besuchen die auf dem Gelände der Einrichtung befindliche Herman-Nohl-Schule. In der Förderschule mit Förderschwerpunkt sozial-emotionale Entwicklung werden außerdem zehn weitere Jungen unterrichtet, die weiterhin in ihren Familien leben und im Jugenddorf tagsüber in einer Tagesgruppe betreut werden. „Wir sind eine intensivpädagogische Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung“, erläutert Prieg Johnson. „Die Jungen, die bei uns leben, haben in der Regel schon viel Schweres erlebt, das bei ihnen seine Spuren hinterlassen hat. Manche unserer Kinder mussten bereits in einer psychiatrischen Klinik behandelt werden.“ Entsprechend intensiv sei die pädagogische Förderung, welche die Jungen dabei unterstützen soll, sich ihrer Stärken bewusst zu werden und eine positive Lebenseinstellung zu entwickeln. „Die enge Verzahnung von Schule und Jugendhilfe ist eine weitere Stärke der Einrichtung“, betont Prieg Johnson. Ebenso unterstütze ein gruppenübergreifendes Beratungsteam aus Heilpädagogen und Psychologen die Arbeit. Vielen älteren Bürgern von Waldfischbach-Burgalben ist das Jugenddorf Sickingen noch aus seiner Zeit als Realschulinternat ein Begriff. Ursprünglich war die Einrichtung in der Nachkriegszeit als Wohnheim für Flüchtlingsmädchen ohne Angehörige errichtet worden, die in einer großen örtlichen Schuhfabrik arbeiteten oder eine Ausbildung machten. Im Jahr 1958 übernahm die Herrnhuter Brüdergemeinde die Einrichtung und betrieb diese von da an als Verein „Realschul-Internat Jugenddorf Sickingen“. Im Jahr 1971 ging die Trägerschaft an die Evangelische Heimstiftung Pfalz über, die diese bis heute innehat. Als das Realschulinternat 1996 den Betrieb einstellte, weil die Nachfrage stark zurückgegangen war, erfolgte eine komplette Neuausrichtung der Einrichtung. Nach einer zweijährigen Projektphase startete das Jugenddorf 1998 als eigenständige intensivpädagogische Jugendhilfeeinrichtung mit integrierter Förderschule. Im Jahr 2000 gab es bereits zwei Wohngruppen und eine Tagesgruppe, 2003 kam eine weitere Wohngruppe dazu, die vor allem für jüngere Kinder konzipiert war. Eine vierte Wohngruppe, speziell für hochgradig traumatisierte Kinder und Jugendliche, wurde im Jahr 2012 eröffnet.