Kreis Südwestpfalz Herschberger Schützen zielen auf Edelweiß
Den Sportschützenverein (SSV) Herschberg wird es bald nicht mehr geben. Am 30. September wird sich der 90 Mitglieder zählende Verein nach 30 Jahren auflösen, teilte Medienwart Gunnar Poersch mit. Der SSV wird mit dem Schützenverein Edelweiß Waldfischbach fusionieren.
Dass es zu der Vereinsauflösung kommt, hat allerdings Gründe, die eng mit dem Kaninchenzuchtverein (KZV) Herschberg und dessen Hasenheim verknüpft sind. Genauer gesagt, mit den Kosten. Die Schützen waren in den vergangenen 20 Jahren Mieter im Hasenheim, trugen dort ihre Wettkämpfe mit Luftdruckwaffen aus und nutzten die Räume für Festlichkeiten. In den ersten 17 Jahren zahlten die Schützen für die fast 1000 Quadratmeter Fläche im Hasenheim eine monatliche Miete von 90 Euro. „Da war sogar Wasser und Strom mit drin“, sagte der KZV-Vorsitzende Matthias Huber. Vor drei Jahren war die Miete auf 170 Euro angehoben worden. Das Durchschnittsalter der 39 Mitglieder des KZV beträgt annähernd 70 Jahre, weshalb Vereinsaktivitäten selten waren. „Ich bin mit 54 fast der Jüngste“, sagt Matthias Huber. Daher denkt der KZV auch über eine Abwicklung des Vereins nach. Als dann der Vorschlag von Seiten der Schützen kam, die in Ortslage gelegene Halle „In der Lach“ zu kaufen, holten die Kaninchenzüchter ein Gutachten ein. 64 000 Euro sollte die Halle wert sein. Dietmar Huber, der Vorsitzende der Schützen, sieht den ermittelten Wert indes als „vollkommen unrealistisch“ an, zumal „ Dach und Elektrizität kaputt“ seien. Das tatsächliche Angebot der Kaninchenzüchter an die Schützen lag indes bei 40 000 Euro. Doch auch das wollten die Schützen nicht zahlen. Deren Gegenangebot lag bei 25 000 Euro. Das war dem KZV zu wenig. „Wir wollten uns mit dem KZV an einen Tisch setzen und über die Sache reden, doch es gab Kommunikationsprobleme“, erzählt Dietmar Huber. Statt Gesprächen habe es nur Forderungen vonseiten der Kaninchenzüchter gegeben. „Wir waren bereit, 25 000 Euro zu zahlen. 12 000 sofort in bar, den Rest in monatlichen Raten binnen vier Jahren“, so der SSV-Vorsitzende. Als der KZV dieses Angebot ausschlug und sich zudem dahingehend äußerte, einen weiteren Kaufinteressenten zu haben, nahmen die Schützen Verhandlungen zur Fusion mit dem Schützenverein Edelweiß in Waldfischbach auf. „Denn wir wollten nicht auf einmal auf der Straße stehen“, so SSV-Chef Dietmar Huber, der nicht mit dem KZV-Vorsitzenden Matthias Huber verwandt oder verschwägert ist. Als die Fusionsgespräche mit Edelweiß Waldfischbach erfolgversprechend verliefen, kündigte der Schützenverein den Mietvertrag des Hasenheims zum 31. August. Daraufhin erfolgte ein neues Angebot der Kaninchenzüchter. „Nicht unter 30 000“ sollten nun für den Eigentumsübergang des Hasenheims inklusive Inventar, darunter eine komplette neue Garnitur Tische und Stühle, gezahlt werden. „Wir wollten einlenken“, sagt der KZV-Vorsitzende. Die Schützen lehnten jedoch auch das neue Angebot „einstimmig ab“, so Dietmar Huber. Es sei „zu spät gekommen“. Am 13. Juli sollen die Mitglieder des Sportschützenvereins in einer Hauptversammlung die Fusion mit Waldfischbach bestätigen. „Bisher hat noch kein Mitglied Bedenken gegen die Neuorientierung geäußert oder ist gar ausgetreten“, sieht sich Huber auf richtigem Kurs. Immerhin sind 35 Mitglieder aktive Schützen. Um die Vereinstradition der Herschberger Schützen nicht völlig untergehen zu lassen, hat sich nun ein „Traditions- und Förderverein Herschberger Schützen“ gegründet, teilt SSV-Medienwart Poersch mit.