Hermersbergerhof
Helikopter verteilt Kalk: Kampf gegen saure Böden [mit Video]
Auf den Meter genau setzt Pilot Christian Haller den großen Korb auf den Waldboden auf. Sein gelber Helikopter schwebt 19 Meter über dem Boden – so lang ist das Seil, das das Fluggerät mit dem Ausschüttkorb verbindet.
Am Boden ist schon alles vorbereitet. Der Kalk liegt bereit, ein Radlader belädt den Korb, sobald er in Reichweite ist. Das Manöver dauert nur wenige Sekunden, dann ist der Helikopter wieder unterwegs, ausgerüstet mit einer Tonne Kalk. Der Radladerfahrer lädt direkt die nächste Schaufel voll und stellt sich bereit. Laden, fliegen, kalken, laden, fliegen, kalken – so geht das im Minutentakt.
Beim Fliegen ist Genauigkeit gefragt
Der Auffüllplatz auf einer kleinen Lichtung sei reiner Luxus, erzählt Pilot Steffen Becher. Häufig sehe das ganz anders aus. Dann liege der Kalk auf schmalen Waldwegen, sinke der Helikopter dort nach unten, stehen rechts und links Bäume. Da komme es auf absolute Genauigkeit an, erklärt Becher.
Gemeinsam mit zwei Kollegen der Firma Helix aus Baden-Württemberg ist er an diesem Tag im Revier Hermersbergerhof rund um den Luitpoldturm unterwegs. Pro Hektar werden drei Tonnen Kalk ausgebracht, erklärt Revierleiter Helmut Adam, der am Boden dafür sorgt, dass alles reibungslos funktioniert.
Was das Kalken bewirken soll
Der Kalk – genauer kohlensaurer Magnesiumkalk – stammt aus dem Schwarzwald und soll dem Boden des Pfälzerwaldes helfen. Der charakteristische Buntsandstein der Region sei von Natur aus sehr sauer, sagt Adam. Das sei für die Pflanzen problematisch, vor allem, wenn immer weitere saure Einträge hinzukommen, etwa durch die Industrie und Autoabgase, die durch Regen ausgewaschen werden. Der Kalk mit seinen drei Prozent Magnesium soll helfen, das abzupuffern, damit sich die Bodenqualität nicht noch weiter verschlechtere, erklärt Adam.
In Rheinland-Pfalz werde seit den 1980er Jahren regelmäßig gekalkt, zwei Drittel der 8400 Quadratkilometer Waldfläche des Landes gelten als versauerungsempfindliche Standorte, so Adam. Wie häufig in einem Revier gekalkt werde, hänge vom Zustand der Böden ab, dieser werde regelmäßig kontrolliert. Das Intervall könne zwischen zehn und 50 Jahre betragen, im Revier Hermersbergerhof sei es die dritte Kalkung. „Es ist eine relativ nährstoffarme Gegend“, fasst Adam zusammen. Das habe mehrere Gründe. Zum einen sei der Boden von Grund auf sauer, zum anderen seien die Nährstoffe dem Wald in früheren Zeiten stärker entzogen worden. Ein Beispiel sei die Streunutzung gewesen, bei der das lose Material der Waldböden, Blätter und Nadeln aus dem Wald geholt worden und als Streu genutzt worden sei.
Aufgetankt wird vor Ort
Während Adam die historische Waldnutzung erklärt, ist der Kalkvorrat alle und der Helikopter landet zum Auftanken. Das sei etwa alle eineinviertel Stunden notwendig, erklärt Steffen Becher. Ein eigenes Tankfahrzeug versorgt die Maschine mit dem Namen Airbus Helicopter H125 Écureuil, französisch für Eichhörnchen.
Im Forstamt Hinterweidenthal werden in diesem Jahr drei Reviere gekalkt, neben dem Hermersbergerhof noch die Mühlenberger Ebene sowie das Revier Hinterweidenthal. Insgesamt sollen 7500 Tonnen Material ausgebracht werden. Damit sie das bis Ende März schaffen, werde vermutlich noch ein zweiter Helikopter bei der Arbeit unterstützen, sagt Becher. Um sich die Dimensionen vorzustellen, die ein Helikopter pro Tag bewältigt, nennt er Zahlen: Etwa 300 Tonnen Kalk werden pro Tag ausgebracht, das umfasse eine Fläche von 100 Hektar: „Das sind 600 Fußballplätze am Tag.“
GPS zeigt, wo der Heli schon war
Dank GPS ist es möglich, genau nachzuvollziehen, wo der Hubschrauber seine Ladung abwirft: Sobald der Kalk verteilt werde, werde die Strecke aufgenommen, so dass sich am Ende genau überprüfen lässt, dass alle Flächen abgedeckt wurden. „Früher mussten wir uns da von Baum zu Baum hangeln“, sagt Becher. Pro Flug werde in etwa eine Breite von 15 Metern abgedeckt.
Pro Tag lieferten 15 bis 20 Lkw den Kalk an, der vor Ort auf verschiedene Plätze im Einsatzgebiet verteilt wird. Alle 500 Tonnen entnimmt Revierleiter Adam eine Probe, die von der Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalt in Speyer analysiert wird. Für den Pfälzerwald sei die Bodenschutzkalkung sehr wichtig, betont Adam. Dass die Maßnahme, die rheinland-pfalz-weit ergriffen wird, wirkt, haben Untersuchungen der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz ergeben.
In der Kernzone wird nicht gekalkt
Der einzige Bereich im Forstrevier Hermersbergerhof, der nicht gekalkt wird, ist die Kernzone des Biosphärenreservats, schildert Adam. Diese Zone, in der jede forstwirtschaftliche Nutzung eingestellt worden sei, bleibe frei von menschlichen Einflüssen.
Bevor es für Pilot Steffen Becher für die nächste Flugstunde in den Helikopter geht, hat er noch ein Anliegen an die Bevölkerung: Absperrungen sollten unbedingt eingehalten werden. Während der Zeiten, in denen gekalkt wird, sollten sich keine Menschen im Wald aufhalten. „Es kann Lebensgefahr bestehen“, betont der Pilot. Der Kalk an sich sei für Menschen ungefährlich, doch wenn Kalkklumpen aus großer Höhe nach unten fallen, könne es sehr schnell sehr gefährlich werden.
