Kreis Südwestpfalz Heiße Tänze im Rhein-Neckar-Raum

Vom heutigen Montag an wird die Ottweiler Baugesellschaft (OBG) bei der Errichtung der weltweit größten Passivhaus-Wohnsiedlung mitwirken. Auf einem ehemaligen US-Militärgelände in der Nähe des einstigen Güterbahnhofs in Heidelberg erstellt die Tochterfirma OBG Hochbau ein Gebäude mit mehr als 100 Wohnungen und acht Gewerbeeinheiten. Für das Unternehmen aus dem Kreis Neunkirchen bedeutet das Projekt einen Auftrag im Volumen von 18 Millionen Euro.
„Mit Bauaufträgen allein auf saarländischem Boden könnten wir nicht existieren“, bekennt Walter Eberhardt, der Geschäftsführer der OBG Hochbau. „70 Prozent unseres Umsatzes im Hochbau erzielen wir in anderen Bundesländern– vor allem in Rheinland-Pfalz und Hessen.“ „Auf dem Bausektor ist der Rhein-Neckar-Raum im Moment ein äußerst heiß umkämpfter Bereich“, berichtet Eberhardt: „Im Vergleich dazu ist der Großraum zwischen Saarbrücken, Kaiserslautern und Zweibrücken ziemlich überschaubar. Wenn man hier beim Blick aus dem Zug mal ab und zu einen Baukran sehen kann, so sind das dort in der Region um Ludwigshafen und Mannheim gleich 25 Kräne. Und seit in Kaiserslautern die Arbeiten an der neuen ECE-Einkaufsmall beendet sind, ist’s auch in der Westpfalz wieder ruhiger geworden.“ Wichtiger Auftraggeber für das saarländische Unternehmen waren zuletzt die US-Streitkräfte: Die Airbase Ramstein hatte der OBG-Gruppe in den vergangenen sieben Jahren rund 110 Millionen Euro Umsatz beschert, als es dort einige ältere Wohnblocks abzureißen und durch eine nagelneue Siedlung aus Einfamilienhäusern zu ersetzen galt. „Dort hatten auch andere Firmen wie Peter Gross und Züblin zu tun“, erläutert der Geschäftsführer: „Aber von den 800 neuen US-Einfamilienhäusern auf der Base haben wir immerhin 400 errichtet.“ Jetzt also Heidelberg. Mit der weltgrößten Passivhaus-Siedlung entsteht dort „ein neues Stadtviertel“, berichtet Christian Seiwert, der Geschäftsführer der Qbus-Holding: Dieser Zweigbetrieb der Ottweiler Konzernmutter hat im Bereich Passivbauweise Erfahrungen mit zwei entsprechend konzipierten Bürohochhäusern am Saarbrücker Eurobahnhof gesammelt. „Auch in Heidelberg gewinnen wir die Heizenergie über Röhren aus dem Erdreich“, erläutert Seiwert. In den Sommermonaten ermögliche moderne Technik die Kühlleistung im Haus zum Nulltarif. Bauherr des Heidelberger Großprojekts ist die Firma Sokabau, die der Zusatz-Versorgungskasse (ZVK) angehört. Diese wiederum, so Walter Eberhardt, sei eine Versorgungskasse für Beschäftigte im Baugewerbe. Hätten solche Kassen und Versicherungen ihre Renditen früher vorwiegend aus Verzinsungen und Aktiengeschäften erzielt, locke heute der Wohnungsbau oft mit den höheren Einnahmemöglichkeiten. „Im November 2016 wollen wir die von uns erstellten Wohnungen in der neuen Heidelberger Bahnstadt schlüsselfertig übergeben“, blickt Walter Eberhardt voraus. Vor ihrem Zuschlag für dieses Unterfangen waren die Saarländer in jüngerer Zeit mit noch drei weiteren umfangreichen Projekten im Rhein-Neckar-Raum betraut. „2010 bauten wir in Mannheim das neue Bassermann-Museum für Musik und Kunst“, sagt Eberhardt: „Für 4,6 Millionen Euro auf sechs Geschossen.“ Ebenfalls in Mannheim ist das Unternehmen zurzeit dabei, einen schlüsselfertigen Neubau für die Eduard-Spranger-Schule zu verwirklichen. Baubeginn für dieses 6,7-Millionen-Projekt war im März. In Ludwigshafen, gegenüber der Rhein-Galerie, hat OBG zuletzt für 2,4 Millionen Euro die denkmalgeschützte Werfthalle aus den 1960er Jahren saniert und ausgebaut.