Kreis Südwestpfalz Großhändler für Sex-DVDs investiert im Südkreis
«» „Nein, Pornos drehen wir hier nicht.“ Geschäftsführer Andreas Kirchen konnte einen Nachbarn beruhigen. Zwar vertreibt die Firma VPS Film-Entertainment DVDs „nur für Erwachsene“, wie es so schön heißt, aber sie dreht sie nicht. Seit kurzem ist sie in Herschweiler-Pettersheim ansässig, auf dem Gelände des früheren Damenwäsche-Produzenten Chalou.
Die Firma VPS – Abkürzung von Videoprogrammservice – gibt es bereits seit 41 Jahren, wie Kirchen erläutert, der sie vor fünf Jahren übernommen hat. Bis Dezember war sie in Konken bei Kusel ansässig. Weil die Räume zu klein waren, habe man nebenan neu bauen wollen – „Pläne und Grundstück hatten wir schon“ –, als man gehört habe, dass die Halle in der Bockhofstraße in Herschweiler-Pettersheim zum Verkauf stand. Nach eigenen Angaben ist VPS einer der größten DVD-Händler im Erotik-Sektor europaweit und hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von 3,9 Millionen Euro gemacht. Außer Filmen werden auch Sex-Spielzeuge und Nahrungsergänzungsmittel angeboten – „alles, was offiziell erlaubt ist“, so Kirchen. Auch das größte Kontaktmagazin, das es heute noch gedruckt gibt, habe man im Angebot: Happy Weekend. Beliefert würden keine Privatleute, sondern ausschließlich Händler. Der Markt umfasse neben Europa auch Südafrika, Amerika, Australien und China. Zu den Kunden gehörten einschlägige Namen wie Orion und Beate Uhse. In der 4000 Quadratmeter großen Halle in Herschweiler-Pettersheim lagern rund 1,3 Millionen DVDs, zirka 7000 Titel und etwa 500 000 Magazine, ein eigener Raum ist den Sex-Spielzeugen vorbehalten. Elf Arbeitskräfte zählt die Firma VPS – ebensoviele waren es am vorherigen Standort in Konken. „Wir suchen händeringend qualifizierte Mitarbeiter“, erläutert kaufmännische Leiterin Susann Elig. Ein Grund könne sein, dass sich viele nicht vorstellen könnten, was man bei VPS mache, dabei handele es sich um reinen Vertrieb. Die Firma habe zuerst mit reinen Spielfilmen gehandelt, schildert der Geschäftsführer die Unternehmensgeschichte, ehe man in den 90er-Jahren mit Pornofilmen angefangen habe, weil kleinere Produzenten auf sie zugekommen seien. Heute sei man der einzige Vertrieb, der flächendeckend arbeitet. Dazu tragen auch drei Außendienstmitarbeiter in Deutschland sowie einer in den Niederlanden bei. Größter Konkurrent für die Firma ist das Internet – denn dort bedienen sich Junge kostengünstig oder sogar kostenlos. Ihre Endverbraucher seien im Alter ab 40 Jahren aufwärts, schätzt Kirchen. Im Betrieb in Herschweiler-Pettersheim achtet man streng auf Jugendschutz. Nicht nur, dass an der Eingangstür ein Schild „Kein Eintritt unter 18 Jahren“ hängt, man habe bewusst auch keine Auszubildenden, betont Susann Elig. Seit ein paar Tagen steht nun auch eine überdimensionale Filmrolle, die früher am Standort Konken aufgestellt war, vor dem Firmengelände in Herschweiler-Pettersheim und weist auf das Kerngeschäft hin.