Kreis Südwestpfalz Glosse: Gottverlassene Orte, Teil elf

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„Der Bahnhof Pirmasens-Nord wird 2014 erneuert. Fünf Millionen Euro lassen sich Land und Deutsche Bahn die Modernisierung kosten.“ So stand es am 16. Oktober 2012 in der RHEINPFALZ. Getan hat sich seitdem nichts. Weshalb wir an dieser Stelle auch einfach noch mal eine sechs Jahre alte Glosse veröffentlichen, die damals schon neben dem Artikel stand und die nichts von ihrer Aktualität verloren hat. Oder etwa doch? Ja, tatsächlich: Es hat sich etwas getan seit Oktober 2012. Deshalb haben wir den Text auf den neuesten Stand gebracht: Wir haben das Wort MP3-Player durch Smartphone ersetzt. Bitte schön: Wer je auf dem Bahnhof Pirmasens-Nord Zeit überbrücken musste, bis ein Anschlusszug kommt, weiß, dass Sekunden sich zäher hinziehen können als die Schmiere auf den Spiralen, mit denen man Fliegen fängt. Optisch so einladend wie ein hellbraun gekacheltes Bahnhofsklo aus den 70ern, in dem Drogensüchtige herumliegen, muss eigens für diesen Ort das Wort trostlos erfunden worden sein. Das Ambiente zeichnet sich durch Leere aus, eine Leere, die kein Smartphone und kein Harry Potter der Welt vertreiben können. Wer dort unfreiwillig zwischengeparkt ist, wünscht sich schon beim Aussteigen, drogenabhängig oder wenigstens betrunken zu sein. Zu trinken gibt’s aber nichts, Bahnhofskneipe Fehlanzeige, Kiosk auch, und vom Aufstellen eines Cola und Kaffee ausspuckenden Automaten hat man auch abgesehen. Hätte wahrscheinlich das Minimalistische der Anlage zerstört. Oder soll verhindern, dass man dauernd aufs hellbraun gekachelte Bahnhofsklo muss. So eins gibt es hier aber gar nicht, und in die Unterführung zu pinkeln ist auch nicht für jeden eine Lösung. Was bleibt: stoisch auf den nächsten Zug warten und an was Anderes denken. An den „Kölner Stadt-Anzeiger“ zum Beispiel, der gerade die Fotostrecke „Gottverlassene Orte mit düsterer Geschichte“ zeigt. Auf zehn Bildern gibt’s etwa die Stadt Prypiat zu sehen, die 1970 für die Arbeiter des Kernkraftwerks Tschernobyl gebaut und nach dem Supergau zur Geisterstadt wurde. Oder die Humberstone-Salpeterwerke in Chile, die 1961 geschlossen wurden. Ich hätte da noch einen Vorschlag für ein elftes Bild.

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