Merzalben / Pirmasens
Gerli mit Gütesiegel „Pro Fachkraft“ ausgezeichnet
„Ich gehe jeden morgen sehr, sehr gerne in die Firma“, sagt Simone Grossmann, Personalchefin der Schuh-Import und Export Gerli GmbH. Dass das nicht nur ihr so geht, sondern auch den 55 Mitarbeitenden am Standort Merzalben, hat die Firma nun schriftlich. Gerli, das für die Marken Dockers und Camel Active steht, hat als erstes Unternehmen im Landkreis Südwestpfalz das Gütesiegel „Pro Fachkraft“ erhalten, mit dem attraktive und fachkräftefreundliche Unternehmen ausgezeichnet werden.
Die Idee zum Gütesiegel geht auf das Jahr 2014 zurück, erklärt Mark Schlick, Wirtschaftsförderer der Stadt Pirmasens. Damals habe sich bereits abgezeichnet, dass der Fachkräftemangel zunehmend zum Problem werden würde. Um hier frühzeitig gegenzusteuern, sei die Idee entstanden, in Zusammenarbeit mit dem Verein Zukunftsregion Westpfalz eine regionale Arbeitgebermarke aufzubauen.
Klares Bekenntnis zum Standort
Die Gerli GmbH ist nun das erste Unternehmen aus dem Landkreis, das das Gütesiegel erhält, schildert Miriam Heinrich, Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Südwestpfalz mbH. Die Kräfte der Südwestpfalz zu bündeln und gemeinsam etwas zu bewegen, sei wichtig, betont die erste Kreisbeigeordnete des Landkreises Südwestpfalz, Martina Wagner. „Nur so können wir etwas gewinnen“.
Durch das Gütesiegel habe Gerli ein klares Bekenntnis zur Region abgegeben und die habe vieles zu bieten, erklärt der Pirmasenser Oberbürgermeister Markus Zwick bei der Urkundenverleihung: eine hohe Lebensqualität, geringe Lebenshaltungskosten, erfolgreiche Unternehmen und ausreichend Wohnraum. Es gehöre schon einiges an Mut dazu, das Gütesiegel in Angriff zu nehmen, betont Zwick. Ein Teil der Verwaltung habe dies bereits getan und dadurch wertvolle Einblicke in die eigene Arbeit gewonnen.
Um das Gütesiegel zu erhalten, muss ein dreistufiger Prozess durchlaufen werden. Etwas über zehn Firmen seien bereits ausgezeichnet worden, andere haben den Prozess zwar begonnen, aber nicht erfolgreich abgeschlossen, resümiert Schlick. Andere Regionen seien auf das Gütesiegel aufmerksam geworden und überlegten, es einzuführen.
Anonymisierte Befragung
Die praktische Umsetzung des Prüfprozesses übernimmt die Firma Anschütz Personalmanagement. Als erstes werde die Unternehmensleitung befragt. Danach erfolge die anonymisierte Befragung der Belegschaft, erklärt Horst Anschütz. Diese könne unter anderem ihre Wahrnehmung des Betriebsklimas schildern sowie eine Einschätzung dazu abgeben, was gut oder was schlecht laufe. „Dabei gibt es dann doch teilweise Unterschiede in der Auffassung“, erzählt Schlick. Genau das gebe den Unternehmen jedoch die Möglichkeit, die eigenen Arbeitsprozesse von außen zu betrachten und Rückschlüsse daraus zu ziehen.
Genau darauf zielt auch das letzte Element ab: An einer Hochschule oder Berufsbildenden Schule erhielten die Unternehmer die Möglichkeit, sich und ihre Firma bei einem Kurzvortrag vorzustellen. Die Schülerinnen und Schüler werden darum gebeten, ihre Einschätzung zu schildern. Im Fall von Gerli fand der Termin an der Deutschen Schuhfachschule (DSF) in Pirmasens statt. Der Fachkräftemangel werde auch an der DSF sichtbar, die Ausbildungszahlen nähmen in den vergangenen Jahren ab, schildert Stephan Seidenschnur von der DSF. Gleichzeitig kämen vermehrt Unternehmen in die Schule. Es werde für Firmen immer wichtiger, gezielt auf sich aufmerksam zu machen.
„Es gehört tatsächlich ein bisschen Mut dazu, aber es ist gut gelaufen“, erzählt Gerli-Geschäftsführer Ralf Grossmann. Die Einschätzungen von Geschäftsführung und Belegschaft seien zu 90 Prozent deckungsgleich gewesen. „Und an den zehn Prozent können wir gern arbeiten, um es besser zu machen“, sagt Grossmann. Monique Andersson, die ihren Mann, Gerli-Geschäftsführer Sven Andersson, vertritt, ergänzt: „Die Auszeichnung motiviert uns und ist ein Ansporn, dass es immer erfolgreich weitergeht“.
