Südwestpfalz / Südpfalz
Pfälzerinnen dürfen jetzt auch in Elsässer Krankenhaus entbinden
Für eine Frau in Bundenthal oder Rumbach wäre es eine echte Alternative zu der langen Fahrt nach Pirmasens, wenn ganz regulär die Geburtshilfe des Weißenburger Krankenhauses genutzt werden könnte für Vorbereitung, Geburt und Nachsorge. Nach Pirmasens dauert die Fahrt, wenn es gut läuft, 31 Minuten. Das Hôpital in Weissenburg, direkt am Ortseingang, ist nur 16 Minuten entfernt. Von Schweigen-Rechtenbach sind es fünf Minuten zum Hôpital, während Bad Bergzabern elf Minuten entfernt liegt. Im Ernstfall können das entscheidende Minuten sein. Für die regelmäßigen Termine zur Geburtsvorbereitung und Nachsorge ist die kürzere Entfernung auch von Vorteil.
Bisher durfte eine deutsche Frau aber nur im Notfall in Weißenburg entbinden. Das passierte rund 30-mal im Jahr, erzählt Patrice Harster, Geschäftsführer des Eurodistrict Pamina in Neulauterburg. Dort wird seit längerem an einer weitergehenden Vereinbarung gearbeitet, die das jeden Tag möglich machen würde. Das ist das Ergebnis eines Projektes zur grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung im Pamina-Raum, an dem 22 deutsche und französische Partner mit Krankenhäusern und Krankenkassen beteiligt waren. „Seit November warten wir auf grünes Licht aus Nancy“, so Harster. Dort sitzt die Agence regionale de Santé (ARS), eine Art französisches Gesundheitsamt, das für die gesamte Großregion Grand-Est von der Champagne bis zum oberen Elsass zuständig ist.
Französische Häuser könnten profitieren
Für Harster gibt es keine Probleme bei der Öffnung des Weißenburger Krankenhauses für Patientinnen aus dem Dahner Tal oder der Südpfalz. Der Eurodistrict hatte schon für Januar auf den Start des Projektes gehofft. Es sei schließlich keine Konkurrenz für die französische Seite, da französischen Krankenhäusern wie beispielsweise in Hagenau nichts weggenommen werde. Im Gegenteil, das französische Gesundheitssystem profitiere durch eine bessere Auslastung des Weißenburger Hauses.
In der Mehrzahl waren es bisher Notfälle aus der Südpfalz, schildert Steffen Ackermann, Chefarzt der Gynäkologie des Weißenburger Krankenhauses. Weitere Fälle kamen aus dem Dahner Tal oder dem Landkreis Germersheim. Ackermann ist Deutscher, arbeitet seit 26 Jahren in Weißenburg und habe noch nie Probleme mit deutschen Patientinnen erlebt. Er kennt auch ähnliche Projekte in Belgien mit der Eifel, die einwandfrei funktionierten. „Dort haben wir uns das abgeguckt“, so Ackermann.
Keine Sprachbarriere zu bewältigen
Sprachlich sei es auch kein Problem. Wer in Weißenburg anruft, wird zuerst gefragt, ob er einen Gesprächspartner in deutscher oder französischer Sprache haben will. Die Hälfte des Personals spreche sehr gut deutsch. Das betreffe auch das Pflegepersonal der 16 Betten großen Gynäkologie und Geburtshilfe im Weißenburger Krankenhaus. Das Haus hat insgesamt 106 Betten. Dazu kommen 486 Betten eines angeschlossenen Altersheims. Aktuell werde im Schnitt einmal pro Tag ein Kind in Weißenburg geboren. Ein Wert, der gesteigert werden könne.
Kinder können später Staatsbürgerschaft wählen
Ein ganz anderes Problem könnte die Staatsbürgerschaft der Neugeborenen sein. Normalerweise wird jeder automatisch Franzose, der auf französischem Staatsgebiet das Licht der Welt erblickt. Für die Entbindungen deutscher Frauen in Weißenburg gebe es aber die Regel, dass sich der Betreffende an seinem 18. Geburtstag selbst entscheiden könne, ob er die zunächst vergebene deutsche Staatsbürgerschaft gegen die französische tauschen will, erläutert Harster.
Laut Ackermann zeichnet sich nun ein Ende des Wartens auf eine Entscheidung ab. Die ARS habe zur Unterzeichnung des noch nötigen Abkommens am 12. Mai in Straßburg eingeladen. Von der ARS in Nancy war auf Anfrage keine Stellungnahme zu erhalten.