DAHNER FELSENLAND
Gastronomen sehen mögliche Außen-Öffnung skeptisch
Wenn eine Öffnung der Außengastronomie möglich würde, blieben vermutlich einige Terrassen trotzdem geschlossen. „Es ist einfach nicht planbar und viel zu kostenintensiv“, sagt etwa Steven Brogdon, Eigentümer vom Landhaus Mischler in Schönau. Er und seine Frau Saskia hatten Anfang 2020 das Traditionshaus übernommen, dann kam der erste Lockdown. Mittlerweile gibt es auch hier am Wochenende Essen zum Abholen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass beispielsweise eine vierköpfige Familie erst mal 20 Euro für Tests ausgibt, nur um dann auf der Terrasse zu sitzen“, sagt Brogdon. Wenn man als Restaurant selber testen würde, müsse man dafür zwei Leute abstellen. „Und wo sollen die Leute dann stehen, die warten müssen, auf dem Bürgersteig?“ fragt er. Außen sei man auch immer auf das Wetter angewiesen. Was tun bei einem plötzlichen Wetterumschwung? Wenn es dann am Mittwoche heiße, die Zahlen sind niedrig und sie dürften ab Freitag öffnen, und am Samstag stiegen sie wieder über 100 und der Laden müsse zu bleiben? „Wir arbeiten mit verderblichen Waren, soll man dann einfach alles wegwerfen? Das würde uns wirklich in den Ruin treiben“, stellt er fest.
Testen wäre zu viel Aufwand
Auch bei Klaus-Dieter Liesenfeld vom „Landgrafen“ in Ludwigswinkel bleibt die Außengastronomie erst einmal geschlossen. „Wir müssten ja zwei Leute für Schnelltests und Dokumentation abstellen, das ist nicht machbar“, so der Wirt. „Dann steche ich ein Fass Bier an und die Leute kommen nicht, warum auch immer, und dann lass ich es in den Ausguss laufen“ , fährt er fort. Man halte sich mit Außer-Haus-Essen über Wasser – „das wird auch wirklich gut angenommen“, meint der Restaurant-Chef. Am meisten leid tut es ihm für die Aushilfen, die er nicht beschäftigen kann. „Denn die Leute brauchen ja auch ihr Geld, die Festangestellten sind in Kurzarbeit.“
Bei der Walthariklause ist Öffnung denkbar
Auch bei Dieter Fleck und Monika Andrä im Hotel Blick zum Maimont in Ludwigswinkel ist klar, dass es so schnell noch nicht wieder losgehen wird. „Wir haben nur neun Tische im Außenbereich, das lohnt sich sowieso nicht“, sagt Andrä.
In der Walthariklause in Petersbächel, die von der Familie ebenfalls betrieben wird, sehe es dagegen anders aus, meint sie. Hier seien die Öffnungszeiten sowieso nicht sehr ausgedehnt, so dass eine Öffnung der Außengastronomie zusätzlich zum Außer-Haus-Angebot denkbar wäre. „Die Klause können wir mit zwei Leuten betreiben, das geht hier in Ludwigswinkel im Hotel nicht“, sagt sie. Bei der Frage nach den Corona-Hilfen muss sie lachen: „Im November und Dezember lief es schleppend; das heißt, es kam erst in diesem Jahr an. Und für Januar bis März hab’ ich noch gar kein Geld gesehen.“
Tagespässe als Lösung
Auch in Dahn sind seit einigen Monaten zwei Newcomer am Start. Anne Frary-Behres und ihr Mann Christopher haben das Haus des Gastes gepachtet. Freitag bis Montag bieten sie Essen zum Abholen. „Aber man muss sich schon immer was Neues einfallen lassen. Ich hab’ das Gefühl, die Leute werden es langsam müde“, stellt sie fest. Beide sind dankbar, dass ihnen die Stadt bei der Miete entgegenkommt und Frary-Behres hat auch ihren Job als Köchin in der Kindertagesstätte behalten. Die Terrasse zu öffnen hält sie für problematisch, weil der Zugang zu offen ist und sich oft auch mal Spaziergänger aus dem Park dort ausruhen.
„Wenn wir mal eine ganze Menge Geimpfter haben und man so ein Modell mit Tagespässen haben könnte, mit dem die Leute dann nicht nur essen, sondern beispielsweise auch ins Kino können, dann kann ich mir eine Öffnung schon eher vorstellen“, meint sie und ergänzt lachend: „Essen auf einem Teller anrichten, das wär’ schon mal wieder ganz schön“. Allerdings glaubt sie, dass es ohne harten Lockdown wohl nicht gehen werde – „sonst dümpeln wir über den ganzen Sommer so dahin“.