Geiselberg / Steinalben
Fichtenholz binnen weniger Tage viermal so teuer
„Die Holzpreise waren ja fast völlig im Keller“, bilanzierte Förster Christoph Wagner in Geiselberg und Steinalben die Lage auf dem Holzmarkt, wie sie sich vor rund einem Jahr dargestellt hatte. Aber dann setzte die erhoffte Entwicklung der Preise nach oben ein. In manchen Holzsortimenten sogar rasant. Denn die Waldlager waren leer gefegt.
Die große Nachfrage habe sich zum Beispiel bei den Submissionen für wertvolle Eichen gezeigt. Die Durchschnittserlöse gingen deutlich nach oben, und es waren wieder deutlich mehr Bieter dabei als im Jahr zuvor, skizzierte Wagner. Auch auf dem Nadelholzmarkt, wo das sogenannte Käferholz – das durch den Borkenkäfer geschädigte Holz – in den Jahren zuvor den Markt geflutet hatte, war 2021 im Prinzip alles aufgearbeitet. Unter anderem weil es in den USA und China eine enorme Nachfrage gab. Das hatte zur Folge, dass sich für einzelne Baumarten wie der Fichte die Preise binnen weniger Tage fast vervierfachten. Von 30 Euro für den Festmeter Fichte kletterte der Preis auf 120 Euro. „Die Preise haben jetzt wieder das Niveau erreicht wie vor den Käferjahren“, bilanzierte der Leiter des Forstzweckverbandes Holzland, zu dessen Aufgaben auch die Revierleitung für den Steinalber und Geiselberger Gemeindewald gehört. Bei der Kiefer normalisierte es sich nach der Nachfragespitze. Die Preise bewegten sich jetzt im Schnitt im Bereich von etwa 100 Euro pro Festmeter, bei der Kiefer sind es 50 Euro.
Ergebnis besser als erwartet
Für die beiden Kommunen waren das finanziell gesehen letztlich erfreuliche Nachrichten. In Steinalben hatte das für 2021 zur Folge, dass die Durchschnittserlöse pro Festmeter verkauftem Holz 50 statt erwarteter 38 Euro betrugen. Das plus die ausgezahlte einmalige Bundeswaldprämie sorgten dafür, dass das Ergebnis besser ausfiel als erwartet, kein dickes Minus zu verzeichnen war, sondern so etwas wie die schwarze Null. Verbunden mit dem erfreulichen Nebeneffekt, dass dafür weniger Holz eingeschlagen werden musste. Statt der in der Forsteinrichtung vorgesehenen 777 Festmeter, „waren es 597 Festmeter“, sagte Wagner. Ein entscheidender Fingerzeig. In all seinen Revieren wird Wagner in den kommenden Jahren den Holzeinschlag zurückfahren.
Noch erfreulicher waren die Preisentwicklungen für die Nachbarreviere Schmalenberg und Geiselberg. In Schmalenberg hatte Wagner zuletzt mit einem Gewinn von 25.000 Euro für 2021 gerechnet. Das habe sich jetzt noch mal deutlich positiver dargestellt, sagt er. 42.000 Euro Plus aus dem Wald kann Schmalenberg verbuchen. Gleichfalls bei reduziertem Holzeinschlag.
Dickes Plus statt Minus
In Geiselberg stellte sich 2021 eine ähnliche Situation ein. Hier schlug Wagner fast punktgenau das ein, was die Forsteinrichtung vorgibt: 1950 Festmeter. Die gute Preisentwicklung auf dem Markt machte sich auch hier bemerkbar. Die Durchschnittserlöse pro Festmeter Holz kletterten von erwarteten 46 auf 56 Euro. Auch hier kam die Bundeswaldprämie oben drauf, und in der Summe kann Geiselberg statt des ursprünglich geplanten Minus ein dickes Plus von 37.600 Euro verbuchen.
Wagner hat in seinen Revieren so etwas wie Zwischeninventur gemacht. Er hat geprüft, wie es mit der eingeschlagenen Holzmenge seit 2010 aussieht, wie die Zahlen mit Blick auf 2029 sind, wenn endgültig bilanziert wird. Dabei stellte sich heraus, dass teilweise mehr eingeschlagen wurde als geplant. Die Holzmenge, die eingeschlagen wird, zu reduzieren, „das ist bis 2029 mein Ziel“, sagte Wagner. Dann soll nach zwei Jahrzehnten – wenn es nicht wieder zu unvorhergesehenen Ereignissen wie großen Sturmschäden oder Käferjahren kommt – so viel eingeschlagen sein, wie über die 20 Jahre eingeschlagen werden sollte. Diesen Weg mitzugehen, dazu sagten die Gemeinde Geiselberg wie auch Steinalben ja.
Nichts tun ist keine Lösung
Punktgenau wird es nicht funktionieren. Weil es zum Beispiel die Reviergröße nicht hergibt. Der Steinalber Gemeindewald ist zu klein, um das Einschlagergebnis bis 2029 noch perfekt auszusteuern. „In Steinalben ist die Einsparung illusorisch“, sagt Wagner. Denn gar nichts mehr machen, ist auch keine Option im Wald. „Durch Nichtstun gibt es keine gute Qualität“, ergänzte er. Aber die Perspektive der Einschlagreduktion brauche es, denn es sei das Ziel, den nachfolgenden Generationen einen gesunden Mischwald zu hinterlassen. Auf Sicht soll der Einschlag in Steinalben in den kommenden Jahren in etwa halbiert werden. Das soll so gesteuert werden, dass der Wald keine tiefen Löcher in die Gemeindekasse reißt. Im Idealfall sogar noch Gewinn abwirft.
In Geiselberg lässt sich das etwas einfacher steuern, weil es ein größeres Revier ist. Statt der im Plan vorgesehenen 1948 Festmeter sollen dieses Jahr 1750 Festmeter eingeschlagen werden. Drei Hiebe – zwei motor-manuell, einer mit Harvester – sind vorgesehen. Ein bisschen Puffer ist eingeplant, falls es zum Beispiel zu Sturmschäden kommen sollte. Bis 2029 sollen hier die Einschlagmengen gegenüber der Forsteinrichtung jährlich um 300 bis 400 Festmeter reduziert werden.