Leimen
Feuer im Pfälzerwald: Wehren trainieren den Ernstfall
Genauer gesagt ist es eine zwei bis drei Hektar große Fläche zwischen Leimen und der Einmündung zum Hermersbergerhof im Bereich „Mühlenberger Ebene“. Das Feuer breitet sich in östlicher Richtung schnell aus. Flammen sind keine zu sehen. Glücklicherweise ist es „nur“ eine Übung.
Das Szenario weckt bei vielen der eingesetzten Rettungskräften, allesamt Ehrenamtler, Erinnerungen an den Waldbrand zwischen Rodalben und Pirmasens vom 13. Juni 2023 hervor. Damals hat der Wald in der „Bärenhalde“ gebrannt und es bestand die Gefahr, dass nicht nur Bäume Opfer der Flammen werden, sondern auch munitionsbelastetes Waldgebiet und Areal der US-Streitkräfte und der Bundeswehr auf der Husterhöhe.
„Vieles ist damals gut gelaufen, das, was es noch zu verbessern gibt, wollen wir heute üben“, sagt Landrätin Susanne Ganster. Die Einsatzleitung ist von der zunächst zuständigen Feuerwehr der Verbandsgemeinde Rodalben, in deren Dienstbezirk der Brand entfacht ist, auf den Landkreis übergesprungen. Eine mobile Einsatzleitstelle mit vielem technischem Equipment steht vor dem Feuerwehrhaus Leimen. Die Einsatzleitung hat inzwischen Stiven Schütz, übernommen. Er ist der Brand- und Katastrophenschutz-Inspekteur des Landkreises. Der Feuerwehrchef leitet den Einsatz in enger Zusammenarbeit mit Heiko Helfrich, dem Leiter der Führungsgruppe: „Wir wissen, wo welche Fahrzeuge sind“, erklärt Helfrich. Die Besatzung der verschiedensten Einheiten geben sogenannte Statusmeldungen ab, die zeigen, wann losgefahren wird, wo sich das Fahrzeug befindet und wann es die Einsatzstelle erreicht.
Die Lage ist dynamisch
Koordination ist bei solchen „Großschadensereignissen“, wie es fachmännisch heißt, von zentraler Bedeutung und genau diese Koordination ist der zentrale Aspekt der Übung. Helfrich klärt im Lagezentrum über die Entwicklung des Brandes auf. Die Lage ist also nicht statisch, sondern dynamisch. Das bedeutet, die neuesten Entwicklungen müssen bei Entscheidungen bedacht werden.
Aktuell ist die Feuerwehr der Verbandsgemeinde Rodalben dabei, die Ausbreitung des Feuers aufzuhalten, damit die munitionsbelastete Fläche östlich des Brandherdes geschützt wird. Das Wesentliche ist die Bereitstellung von genügend Löschwasser. „Es gibt halt im Pfälzerwald keine Hydranten. Das muss kompensiert werden“, informiert Schütz. In Leimen selbst, hinterm Friedhof, ist eine Löschwasser-Entnahmestelle eingerichtet. „800 Liter pro Minute können wir tanken“, erklärt der Münchweilerer Feuerwehrmann Helfrich. Mehr geht nicht.
Um effizienter zu löschen, ist der Waldbrandzug der Verbandsgemeinde Hauenstein eingetroffen und eine Drohne des THW ist im Einsatz. Einer der Drohnenführer ist Andreas Wilde vom Trupp „Unbemannter Luftfahrzeuge“. Die Drohne schwebt über der fingierten Brandstelle und liefert Liveaufnahmen direkt an die Einsatzleitstelle.
Weitere wasserführende Tanklöschfahrzeuge aus den Verbandsgemeinden Rodalben, Waldfischbach-Burgalben, Dahner Felsenland, Zweibrücken-Land, Pirmasens Land und Hauenstein mit dem Waldbrandzug des Kreises, treffen sukzessive ein. Damit es keinen Stau bei den Einsatzfahrzeugen gibt, ist Bereitstellungsort das Feuerwehrgerätehaus in Rodalben. Eine zweite Entnahmestelle wird im Bereich eines Weihers zwischen Merzalben und Leimen eingerichtet und auch der Löschwasserbehälter des Kreises ist im Einsatz. In einer Reallage stünde auch ein Polizeihubschrauber zur Brandbekämpfung zur Verfügung. Heute ist der Helikopter der Hubschrauberstaffel Winningen bei Koblenz nur fingiert verfügbar. Der Waldbrandzug Hauenstein setzt einen „Kreisregner“ ein, eine Art überdimensionierter Rasensprenger, um den vom Feuer noch nicht betroffenen Wald zu befeuchten, damit die Flammen nicht überspringen.
130 Leute im Einsatz
Real sind insgesamt 130 Feuerwehrmänner- und Frauen, THW Bedienstete und ASB Mitarbeiter im Einsatz mit 35 Fahrzeugen.
Die oberste Devise bei allen Schadenslagen lautet: „Man muss vor die Lage kommen“, soll heißen, Ziel der Brandbekämpfung ist es, dass möglichst schnell die Feuerwehr das Geschehen bestimmt und das Schadensereignis sowie die Folgen gering gehalten werden. Das Zusammenspiel der verschiedensten Einheiten läuft bei diesem Szenario reibungslos. Dennoch wird am Ende die Übung konstruktiv nachbereitet, damit die Rettungskräfte „vor die Lage kommen“.
