Wallhalben
Feier zum Dorfjubiläum erneut abgesagt
Das Dorf wartet weiter auf das weitgehende Ende der Corona-Pandemie, damit sich Menschen wieder in größerer Anzahl und zu historischen Umzügen treffen können. „Eine historische Jubiläumsfeier eines Dorfes in einem angemessenen feierlichen Rahmen mit einer Programmgestaltung über ein gesamtes Wochenende hinweg, ist im Moment noch immer undenkbar, bei den geltenden Vorschriften der Corona-Verordnung“, sagte Ortsbürgermeisterin Christine Burkhard. Sie bedauere – wie viele Bewohner der Gemeinde –, dass dieses besondere Ereignis nicht in einem gebührenden Rahmen gefeiert werden kann.
Die im Zusammenhang mit dem Gemeindejubiläum ins Leben gerufene Geschichtswerkstatt beendet hingegen ihre Corona bedingte Ruhepause. Für Freitag, 28. Mai, ist um 18 Uhr ein Treffen im Ludwig-Katz-Haus geplant, bei dem jeder Bürger willkommen ist. Die Geschichtswerkstatt befasst sich mit der Geschichte der Gemeinde und ihrer Umgebung. Wie die Ergebnisse präsentiert werden – ob in einer größeren Festschrift oder auf andere Weise –, stehe noch nicht fest.
Vor allem sind auch die Nachbargemeinden eingeladen, sich an der Entdeckung der Geschichte rund ums Mühlental zu beteiligen. Denn über das kirchliche Leben, die ehemaligen Bürgermeistereien und Einehmereien, Landwirtschaft, Mühlentradition, Kindergarten und das Schulleben seien die Dörfer rund ums Wallhalbtal schon über Jahrhunderte eng miteinander verbunden.
Auf alle Fälle will das Mühlendorf zumindest in Grundzügen – und auch mit einigen vielleicht schon zu lange verstaubten Besonderheiten seiner Dorfgeschichte –, seine Bedeutung für das wirtschaftliche und soziale Leben im Herzen der Sickinger Höhe herausstellen und einen Rückblick auf das dörfliche Leben geben.
Sehr schade findet Christine Burkhard, dass durch die ganzen Corona-Maßnahmen die Jugend nicht wie gewünscht in die Aufarbeitung der Dorfgeschichte eingebunden werden konnte. Diese sei völlig ausgebremst worden. Schließlich wollte man mit den Kindern die guten Ansätze aus dem Arbeitskreis „Dorfraum-Entwickler“ weiterführen, die 2019 durch das Landesjugend-Pfarramt der Evangelischen Kirche der Pfalz angeschoben wurden.
Im Zusammenhang mit der im gleichen Jahr durchgeführten Kirchenvisitation der evangelischen Kirche in Wallhalben wurden auch einige verstaubte Unterlagen der Kirchengeschichte wieder entdeckt, die jetzt für die Dorfgeschichte von Interesse sein dürften.
Das Flintenweib und seine Bande
Ein Beispiel der Dorfgeschichte ist die Erzählung über eine Räuberbande, die von einem boshaften Weib angeführt worden sein soll. Eine Legende oder eine wahre Begebenheit, die im Volksmund bewahrt wurde?
Eine Räuberbande soll sich nach dem 30-jährigen Krieg den Turm der evangelischen Kirche als Unterschlupf ausgesucht haben. Ein boshaftes Räuberweib soll Anführer der Bande gewesen sein. Es ist verschiedentlich schriftlich überliefert, dass ein riesiges Weib mit ihrer Horde raubend und mordend durch die Umgebung gezogen sei. Die Mitglieder der Bande seien Landsknechte und verwildertes Gesindel gewesen. Den armen Bewohnern des Landstriches bis hinauf auf die Sickinger Höhe hätten sie bei ihren Streifzügen den letzten Kreuzer aus der Truhe und das letzte Stückchen Brot aus der Lade genommen.
Die Falle der leinigischen Jäger
Das Dorf Herschberg, eine halbe Gehstunde von Wallhalben entfernt, soll Sitz einer kleinen Anzahl im leinigischen Dienst stehender Jäger gewesen sein. Ihnen sei es mit einem ausgeklügelten Plan gelungen, die Räuber mit Stumpf und Stiel auszurotten. So sei eines Tages bei der Hauptmännin im Kirchturm ein von den Jägern beauftragtes Bäuerlein erschienen und erzählte ihr: „Übermorgen in der Frühe reitet ein Jäger von Herschberg hier vorbei. Er trägt auf seinem Ross ein Säcklein voller Hartgeld, das er nach Zweibrücken bringen muss. Wenn ihr da herzhaft zugreift, könnt ihr einen guten Fang machen!“ Riesig soll die Freude bei den Spitzbuben gewesen sein, als sie diese Botschaft vernahmen. Mit Eifer wurde der bevorstehende Überfall beraten und die Aufgaben verteilt.
Ende im Kugelhagel
Ein schreckliches Unwetter hatte sich im Dämmerlicht der beginnenden Nacht eingestellt. Wild habe der Sturm die hohen Wipfel der bei der Kirche stehenden Bäume durchbraust, und der Regen goss in Strömen vom Himmel. Dies nutzten die Jäger, um unbemerkt in der Nacht sich in den Kronen der Bäume zu verteilen. Sie hatten alles genau verabredet und ihre Feuerstein-Gewehre sicher geladen.
Beim ersten Sonnenlicht des Morgens hörte man Hufgetrappel. Es war der Reiter, der mit der vermeintlichen Beute in Richtung Dorfmitte ritt. Auf den schrillen Pfiff eines Spähers stürzte die Bande mit ihrem Flintenweib aus dem Versteck. Nun krachten aus den Bäumen die wohlgezielten Schüsse der Jäger. Die Teufelsbande – einschließlich ihrer Hauptmännin – wurde tödlich getroffen. Nur wenigen Räubern gelang die Flucht. Sie wurden nie mehr gesehen. Erleichtert atmeten die Bewohner rund ums Mühlental auf, da sie endlich von dem Raubvolk und dem Räuberweib befreit waren.