Kreis Südwestpfalz Für ältere Leute mit zu großem Haus und Garten

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HERSCHBERG. Fünf Generationen lang hieß es in Herschberg auf die Frage, wo es was zu trinken, zu essen, zu erzählen gibt: „Beim Junersch“. Im Januar war Schluss im Gasthaus Juner in der Hauptstraße. Mit einem großen Fest wurde Abschied gefeiert. Was mit dem Haus passieren soll, darüber haben sich Alfred und Roswitha Kiefer sowie Sohn Christian intensiv Gedanken gemacht. Jetzt steht fest: Die frühere Gaststätte mit großem Saal wird zu Wohnungen umgebaut. Seniorengerecht und zugleich modern.

Es hatte sich abgezeichnet, dass der Gaststättenbetrieb auslaufen würde. 117 Jahre lang war das Gasthaus Juner Vertragspartner der Parkbrauerei gewesen. „Für mich hatte schon früh festgestanden, dass ich den Gaststättenbetrieb nicht übernehmen werde“, sagt Christian Kiefer. Hätte er Ja gesagt, wäre er die sechste Generation im „Junersch“ gewesen, in das der Opa durch Heirat den Inhabernamen Kiefer einbrachte. Dem Thema Feste/Gastronomie steht Kiefer aufgeschlossen gegenüber, nicht nur, weil er immer mal wieder im elterlichen Betrieb mit anpackte. Kiefer veranstaltet nach wie vor Feste, organisiert Events und Kerwen, macht Projekt-Gastronomie – „sehr gerne und mit Leidenschaft, weil ich ein gutes Team habe“, sagt er. Aber dauerhaft hinterm Tresen zu stehen, „das wäre nichts für mich gewesen“, so der 29-jährige Zerspanungsmechaniker. Es musste deshalb frühzeitig überlegt werden, was mit dem 30 Meter langen Haus, das auf drei Ebenen je 300 Quadratmeter Nutzfläche bietet (unterm Dach mit entsprechenden Schrägen), passieren soll. Die Gaststätte zu verpachten, sei mit Blick auf die Entwicklungen im Gastronomiebereich und Erfahrungen, die andere frühere Gaststätteninhaber gemacht haben, kein Thema gewesen. Die Substanz des Hauses „ist gut“, sagt Kiefer. Immer wieder wurde daran etwas gemacht, wurde an- und ausgebaut. Nun wird also wieder mal umgebaut. Wohnungen sollen entstehen, die seniorengerecht sind, aber – wenn Bedarf und Interesse besteht – nicht nur an Senioren vermietet werden. „Wir haben uns schon angeschaut, welchen Bedarf es in Herschberg gibt“, sagt Kiefer zu den Gedanken, die er sich gemeinsam mit seinen Eltern intensiv gemacht habe. „Wir haben gesehen, dass Wohnungen für Senioren fehlen, die gerne noch im Ort bleiben möchten, denen das eigene Haus, oft noch mit großem Garten, aber viel zu viel Arbeit macht, die sie nicht mehr bewältigen können.“ Dass in Herschberg, wie bundesweit auch, der Bedarf an seniorengerechten Wohnungen steigt, zeigt der Blick auf die demografische Entwicklung. Deshalb habe sich die Familie mit der Idee des betreuten Wohnens befasst. „Die Räumlichkeiten hier hätten das ohne Probleme ermöglicht“, sagt Kiefer. Verschiedene potenzielle Betreiber hätten sich das angeschaut und seien von der Idee begeistert gewesen. Es habe sich dann aber immer wieder das gleiche Problem ergeben. Betreutes Wohnen bedeutet, dass 24 Stunden lang an sieben Tagen in der Woche ein Betreuungs- und Hilfsangebot vorgehalten werden muss. „Das wäre für die Bewohner viel zu teuer geworden. Nicht die Miete, sondern das Betreuungsangebot“, skizziert Kiefer, woran diese Idee bislang immer wieder scheiterte. Architekt Marco Franz aus Hermersberg, mit dem die Familie schon lange zusammenarbeitet, schlug vor, seniorengerechte Wohnungen zu realisieren. „Wir wollen das Haus in der Hauptstraße auf keinen Fall dem Verfall preisgeben“, sagt Kiefer. Der Grundgedanke, älteren Mitbürgern adäquaten Wohnraum zu bieten, wird nun aufgegriffen. „Wobei sich das Angebot nicht nur an die älteren Bürger richtet“, betont Kiefer. Mietwohnungen in dieser Größenordnung gebe es in Herschberg insgesamt nicht viele, Bedarf sei schon da. Bei der Umgestaltung der Gaststätte in Wohnraum werde aber von vornherein darauf geachtet, dass die Wohnungen seniorengerecht werden. Die künftigen Bewohner sollen sich regelmäßig sehen und miteinander reden können sowie Ansprechpartner im Haus haben. Wobei Franz mit einem Projekt in Hermersberg, in dem altersgemischt gewohnt wird, auch gute Erfahrungen gemacht habe. „Entscheidend ist, dass wir jetzt mal anfangen. Wie es sich entwickelt, werden wir sehen“, sagt Kiefer und hält es nicht für ausgeschlossen, dass sogar das Thema betreutes Wohnen in irgendeiner Form zu einem späteren Zeitpunkt noch mal relevant werden könnte.

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