Kreis Südwestpfalz Förster sieht Großsteinhausen nicht als Vorbild

Revierförster Hermann Gries hält nichts davon, den Gemeindewald zu verpachten – wie es Großsteinhausen getan hat. Das sagte er am Dienstag im Gemeinderat Reifenberg. „Ich bin da nicht unparteiisch“, räumte er gleich zu Beginn ein, und er müsse deshalb auch aufpassen, was er sagt. Dass er aber große Probleme sieht, machte Gries dennoch deutlich – wobei er mehrfach betonte, dass er niemandem etwas unterstellen möchte.
„Da kommt schon der erste Streitpunkt“, sagte er zu der Tatsache, dass Großsteinhausen den Wald und die Jagd quasi an die gleiche Firma verpachtet hat. „Da muss man sehr aufpassen, wenn das in einer Hand ist.“ In Großsteinhausen ist der Unmut derzeit so groß, dass die Jäger der Umgebung Protestaktionen gegen den neuen Jagdpächter planen (). Sie stört unter anderem, dass der Mann in weniger als sechs Wochen bereits die Mindestabschussquote übererfüllt hat. „Die Nachbarreviere haben schon Angst, dass der Rehbestand ausgerottet wird“, sagte Gries, dessen Fortrevier Herschberg von Weselberg bis Winterbach reicht. Als zweiten Punkt nannte er die Waldwege und die Verkehrssicherheit. Die seien nach wie vor in der Hand der Gemeinde. Hier könne es Probleme geben, „wenn die Firma zu Unzeiten Unmengen Holz aus dem Wald holt“ und damit die Wege kaputt macht: „Wer bezahlt das dann?“ Außerdem habe die Firma ein viel größeres wirtschaftliches Interesse als der Forst: „Die machen dann eben nicht die Bäume raus, die rausmüssten.“ Wenn jemand den Wald auf neun oder zwölf Jahre gepachtet hat, werde er den Teufel tun und schlechtes Holz rausholen: „Die holen dann mal das gute raus.“ Außerdem würden sie eher das leicht erreichbare Holz machen, denn beim Verkauf erziele man den gleichen Preis, aber je schwieriger die Bäume zu erreichen sind, desto teurer wird es, sie zu fällen und aus dem Wald zu ziehen. Da die Pachtzeit begrenzt ist, stellte Gries auch die Nachhaltigkeit in Frage: „Was in neun Jahren ist, das ist der Firma egal.“ Oder aus Sicht des Försters: „Wie der Wald in zehn Jahren aussieht, das weiß ich nicht.“ Wie viel eingeschlagen wird, soll der Förster nach wie vor überwachen, sagte Gries. Wenn eine Firma aber die Logistik habe und schnell viel Holz abtransportieren könne, dann könne man kaum noch kontrollieren, ob die Firma nicht mehr Bäume fällt als erlaubt. Und schließlich gebe die Gemeinde alles ab, wenn sie den Wald verpachtet. Den Leuten, die ihr eigenes Brennholz machen, könne die Gemeinde aus ihrem Wald dann nichts anbieten. Im Forstwirtschaftsplan 2015 rechnet Gries mit einem Gewinn von etwas über 1000 Euro im 117 Hektar großen Gemeindewald. Deshalb hatte Hans Lauer auf Großsteinhausen verwiesen. Er sagte, wenn er die Großsteinhauser Zahlen auf Reifenberg umrechnet, könne die Gemeinde mit 10 000 Euro im Jahr rechnen. An diese Zahl kommt Reifenberg allerdings auch ran, wie Gries später einwarf: „Ich tu’ gerne tiefstapeln“, erklärte er. Wenn er die Durchschnittswerte von 2004 bis 2012 nimmt, habe Reifenberg im Forst jedes Jahr 9319 Euro Gewinn gemacht. „Ich hab’ im Plan lieber wenig, und es kommt dann besser“, hatte der Förster schon zu Beginn gesagt. Bürgermeisterin Michaela Hüther warf zudem ein, dass es nicht nur ums Geld geht: „Man darf nicht nur die Einnahmenseite sehen.“ (bfl)