Kreis Südwestpfalz Einzig die Mirabellen schwächeln

Die Obstbaumblüte 2015 ist ein völlig unerwartetes Frühlingserlebnis, berichten die Kenner des heimischen Obstanbaus. Nach der Rekordernte 2014 bei allen Obstsorten hatten sie einen Einbruch bei den Erträgen erwartet. Das weitgehend trockene und immer wieder kühle Wetter hat bisher jedoch die üblichen Schädlingsprobleme verhindert, die Aussichten sind gut.
Der Regen hat erste Anzeichen von Apfelschorf gebracht, berichtet Michael Höh vom Obst- und Gartenbauverein in Herschberg. Zur Vermeidung von Schäden durch den Schorf ist eine Behandlung der Bäume notwendig, um der Erkrankung des Obstes vorzubeugen. In der Regel muss die Behandlung wiederholt werden. Nun müsse man auch auf der Hut sein, ob sich Mehltau zeigt. Blattläuse hat der Fachmann bisher noch keine festgestellt. Trotzdem mahnt er zur Vorsicht, wenn heißes und gewittriges Wetter vorhergesagt wird. „Bleiben wir von Frost und Unwetter verschont, dann sieht es bei allen Sorten rundum gut aus, sagt der Kreisjugendwart der Obstbauvereine. Die Wildbienen, Hummeln und Honigbienen hätten ihren Bestäubungsauftrag erfüllt, berichtet Höh − obwohl die Honigbiene durch den früh blühenden Raps schnell abgelenkt wurde, da im Raps das Sammeln erfolgreicher ist. Die Mauerbienen seien jedoch fleißig unterwegs gewesen, um die starke Abwanderung der Honigbienen auszugleichen. Die Kirschen hätten herrlich geblüht, und es zeige sich bereits, dass der Fruchtbehang mehr als nur Durchschnitt ist, hat Albert Westrich aus Schmitshausen beobachtet. In Reifenberg haben Josef Vogel und Toni Hüther festgestellt, dass die Birnbäume am Weg zur Linde wieder kräftig blühen. Dies bestätigt auch Michael Höh. Es sei ebenfalls eine Überraschung, da es im letzten Jahr eine besonders gute Birnenernte gab. Auch die Zwetschgen hätten keine erkennbare Pause eingelegt. Nur bei den Mirabellen scheint ein Abschwung beim Ertrag erkennbar. Dies sei nach dem riesigen Ertrag im vergangenen Jahr, als viele Früchte auf den Bäumen verfaulten, nicht verwunderlich, meint Westrich. Es werde eine bescheidene Menge des beliebten Obstes geben. Besorgt zeigen sich Westrich und Edwin Laborenz aus Battweiler, dass der Bestand der Obstbäume vor allem in der Feldflur zurückgeht. Dies stellen auch die Obst- und Gartenbauvereine in Weselberg, Maßweiler, Harsberg und Herschberg fest. Viele ältere Bäume hätten Windschäden, was in vielen Fällen genutzt werde, um die Bäume zu beseitigen − nicht selten, weil sie den Landwirten im Weg sind. Die Landschaft verliere durch diese Ausräumung jedoch schnell ihren Erholungscharakter und den Nutzen für die Tierwelt. Diese negative Entwicklung sollte gestoppt werden, fordern die Vereine im Obstanbau, die mit ihrem Baumbestand einen wichtigen Beitrag für wertvolle Lebensräume in unserer Region leisten wollen. Für Michael Höh ist es deshalb wichtig, dass in Grundschulen und Kindergärten schon an praktischen Beispielen gezeigt wird, was ein gesunder Apfel vom eigenen Baum bedeutet, oder wie selbst hergestellter Apfelsaft schmeckt. Die Kinder sollten auch erleben, dass gut schmeckende Marmelade direkt vom Obst der Bäume stammt. Die Vereine und der Kreisjugendwart hoffen, dass dies ein Weg ist, um die Bedeutung des Obstanbaues deutlich zu machen.