Interview
Eineinhalb Tage in der Küche
Rund 70 Leute ließen sich das Angebot am Samstag nicht entgehen und holten am Sängerheim in der Hohlbach innerhalb von drei Stunden genau 110 Liter Gulaschsuppe ab. Die Halbliter-Portion inklusive Brot zu 5,50 Euro. Bereits am Donnerstag war die Vorbesteller-Liste voll und der Sängerbund ausverkauft. Die steile Zufahrt war am Samstag geräumt. Damit sich an der engen und steilen Zufahrt keine Abholer begegnen, mussten Freiwillige den Verkehr regeln.
Frau Blatt, warum Gulaschsuppe?
Wir treffen uns mit dem Vorstand des Vereins regelmäßig online und überlegen, was wir machen. Wir haben die selben Sorgen wie alle Vereine, dürfen keine Konzerte geben und das Sängerheim nicht öffnen. Jammern hilft nichts, also sind wir auf die Idee gekommen, Suppe anzubieten. Dann haben wir uns ein Wochenende ausgesucht, und los ging es.
Warum gerade Gulaschsuppe?
Darauf weiß ich jetzt gar keine Antwort. Wir haben nach etwas gesucht, was passt, wenn es knackig kalt ist. So kamen wir auf die Gulaschsuppe. Vegetarier haben’s zwar nicht leicht mit unserer Wahl, aber Gulaschsuppe hat uns am besten gefallen.
Gibt es ein besonderes Rezept?
Wir haben mehrere ausprobiert und essen seit Wochen Suppe. Wir haben uns letztlich für das Rezept entschieden, das die Mehrheit am besten findet. Unser Vorsitzender Roland Heitmann musste probieren, unser Chorleiter Wolf-Rüdiger Schreiweis ebenso, und auch meine ganze Familie.
Kommt Ihnen die Gulaschusppe schon zu den Ohren raus?
So ungefähr, aber sie schmeckt immer noch sehr gut. Und es hat einen riesigen Spaß gemacht.
Wie lange haben Sie in der Küche gestanden und gekocht?
Insgesamt eineinhalb Tage, wenn man das Schnibbeln dazurechnet. Das hat alleine einen dreiviertel Tag gedauert.
Wo stammen die Zutaten her?
Das Fleisch ist vom Metzger, das Gemüse aus dem Großmarkt und das Brot vom Bäcker im Ort.
Wieviel Suppe gibt es?
110 Liter, also 220 Portionen zu 500 Milliliter. Da war unsere Kapazitätsgrenze der Küche erreicht. Mehr ging nicht.
Der Verein hat eigene Helfer für die Verkehrsregelung abgestellt?
Ja, das war die einzige Sorge, die wir hatten. Wir haben alles durchgeplant, vom Einkauf bis zum Schnibbeln und Kochen. Dass das alles funktioniert, wussten wir. Dann haben wir gezählt, wie viele Leute vorbestellt haben und wussten von unseren Veranstaltungen, dass die meisten Leute in einem engen Zeitfenster kommen. Wir haben uns gesorgt, dass sich die Leute auf der halben Zufahrt treffen. Das wollten wir verhindern, denn wir sind ja in einer Sackgasse.
Wieviel Helfer sind heute im Einsatz?
Acht. Gekocht haben Roland Heitmann und ich, und wir hatten einen Helfer in der Küche, der die Handgriffe drumherum gemacht hat.
Würden Sie das nochmal machen?
Ja. Es war ein großer Aufwand. Aber wir hatten so viel positive und gute Worte. Es macht einfach Spaß, in dieser schwierigen Zeit zu erfahren, wie die Leute uns unterstützen. Es ging nicht nur um die Einnahmen, die natürlich auch wichtig sind für uns. Aber wir konnten auch zeigen, das es uns noch gibt. Und wir hatten mal wieder ein gemeinsames Projekt. Natürlich sind und bleiben wir ein Gesangverein und kein Kochverein. Wir haben beim Kochen auch nicht gesungen. Es hat einfach Spaß gemacht, mal wieder zusammenzuarbeiten. Unser Chorleiter Wolf-Rüdiger Schreiweis hat die Flyer und die Fotos gemacht, wir haben gekocht. Das passt alles zusammen. Und finanziell tut uns das natürlich auch gut.
Wieviele Mitglieder hat der Sängerbund?
Aktiv sind wir 50 Sänger in den beiden Chören. 35 im Chor 2000 und 15 Männer singen im Männerchor. Mitglieder haben wir rund 100.
Stichwort Hygiene. Selbst mitgebrachte Behälter füllen ging nicht?
Nein. Wir dürfen unsere Suppenkelle nicht in fremde Gefäße halten. Daher haben wir umweltfreundliche Einmal-Pappbecher besorgt. Und kochen und die Essensausgabe natürlich mit Maske und Abstand. Es ist wichtig, dass die Leute Vertrauen haben.
Woher kamen die Leute heute, um Gulaschsuppe abzuholen?
Die 220 Portionen verteilen sich auf circa 70 Leute, die sich vorab angemeldet haben. Die meisten kommen aus Contwig, aber auch aus Zweibrücken und Pirmasens. Und eins unserer Mitglieder ist sogar extra aus Frankreich hergekommen heute und hat noch Suppe für seine Nachbarn mitgenommen.
Haben die Leute den Betrag aufgerundet als Spende für den Verein?
Ja, die allermeisten haben das getan. Aber viel wichtiger ist die Motivation, die man bekommt, wenn man sieht, dass die Leute uns helfen, wenn wir was auf die Beine stellen. Das macht schon etwas mit einem. Wir haben erst überlegt, das sonntags zu machen. Das wäre eigentlich für uns leichter gewesen. Denn wir haben zu dritt einen Tag Urlaub für die Vorbereitungen am Freitag genommen. Das wäre bei Ausgabetag Sonntag weggefallen. Aber Samstag ist nun mal der klassische Suppentag. Die Menschen gehen einkaufen und nehmen dann noch die Suppe mit. Und der Samstag war eine gute Entscheidung.
Gibt es im Frühjahr Erbsensuppe beim Sängerbund?
Wir lassen das jetzt erst mal sacken, aber eine Wiederholung ist nicht ausgeschlossen.