Kreis Südwestpfalz Ein frecher Blick, da war es um die Gundackers geschehen

Bekannt wie ein bunter Hund ist Cosmo mittlerweile. Der kleine Foxterrier-Mix mit erkennbarem Schnauzer-Einschlag stammt aus dem Zweibrücker Tierheim und ist seit Mitte April fester Bestandteil der Großfamilie Gundacker in Contwig.
„Eigentlich haben wir ja alle gar keine Zeit für einen Hund“, sagten sich Silke und Jürgen Gundacker lange Zeit. Sie als protestantische Pfarrerin in Contwig ständig bei der Arbeit und unterwegs, er als Verbandsbürgermeister von Zweibrücken-Land nicht minder beschäftigt und oft nicht zu Hause. Auf der anderen Seite die beiden Kinder Jona und Alisia, die schon immer einen Hund haben wollten. Der Verstand sagte nein, das Herz jedoch ja. Seit einigen Jahren schon führen die Gundackers so es ihre Zeit erlaubt, im Zweibrücker Tierheim Hunde zum spazieren aus. Nicht oft, und auch nicht regelmäßig, aber stetig. „So drei- oder viermal im Jahr machen wir das. Meist ganz spontan und zufallsgesteuert“, sagt Jürgen Gundacker. Im Frühjahr war die Familie mal wieder dort, um einen Hund auszuführen, als sie in einem Zwinger Cosmo entdeckten. Der Welpe schaute sie frech an, da war es um die Gundackers geschehen. „Es war Liebe auf den ersten Blick“ sind sich die Eheleute mit ihren beiden Kindern einig. Der musste es sein, und sonst keiner. Um Cosmos Herkunft ranken sich Legenden. Laut Silke Gundacker hat sie gehört, dass die Mutter von Cosmo namens Grisa aus einem riesigen Zwinger in Frankreich stammt, der aufgelöst wurde. Die Tiere wurden auf Tierheime in ganz Europa verteilt, und Cosmos Mutter kam trächtig ins Tierheim nach Ernstweiler. Dort warf sie vier Junge, darunter Cosmo. Alle wurden seitdem vermittelt an Familien, inklusive dem Muttertier. Cosmo ist bei den Gundackers gelandet, zwei seiner Geschwister in Bubenhausen und in Wattweiler. Wobei die beiden Geschwister es sicher beschaulicher haben als Cosmo. Der ist nämlich schon ein Star in Contwig und Umgebung. Besonders die Kinder im protestantischen Kindergarten direkt gegenüber von Kirche und Pfarrhaus sind ganz vernarrt in den kleinen wuseligen Hund. „Der Cosmo ist nicht ohne, der hat Feuer im Arsch und auch schon mal seine spitzen Zähnen gezeigt“, weiß eine der Erzieherinnen im Kindergarten über den Mischling zu berichten. Auch die Senioren im nahe gelegenen Haus Sarepta freuen sich auf den kleinen Wirbelwind. Dorthin nimmt ihn Silke Gundacker zum Altenbesuch mit. Und natürlich wurde Silke Gundacker als Pfarrerin schon gefragt, ob Cosmo denn getauft sei. „Klar, am Weißen Sonntag, und natürlich evangelisch“, hat sie daraufhin schlagfertig geantwortet. In sein Büro in der Verbandsgemeinde-Verwaltung hat Jürgen Gundacker Cosmo noch nicht mitgenommen. „Ich habe bislang bei meiner Sekretärin noch keinen Antrag gestellt, dass ich ihn mitbringen darf“, scherzt Jürgen Gundacker. Und fährt fort: „Aber er wird zum Diensthund ausgebildet und bekommt dann ein Mäntelchen mit der Aufschrift „Steuerzahler“. Ausgebildet wird Cosmo tatsächlich, und zwar in der Hundeschule in Zweibrücken. Dort war er bislang in der ersten Klasse, wo er die Grundbegriffe des Gehorsams lernen sollte. Mittlerweile besucht er schon die zweite Klasse, da er dem Welpenalter zwar entwachsen ist, aber immer noch sehr spielerisch herumtollt und zu selten hört. Einmal ist er den Gundackers auf einem Spaziergang in Kirrberg ausgebüchst und schnurstracks zur Kirrberger Ski- und Wanderhütte gerannt, wo es warmes Essen gab. Mit den anderen Tieren der tierlieben Contwiger Familie versteht sich Cosmo prächtig. Mit den Goldfischen kann Cosmo zwar nicht viel anfangen, dafür versteht sich Cosmo Bonny Sparky Hector Gundacker, wie er mit vollem Namen heißt, prächtig mit Katze Simba, den Meerschweinchen Lemon, Herkules und Ylva sowie den beiden Kaninchen Hoppel und Cäsar. Mit Simba hat Cosmo sogar schon öfter einträchtig aus einem Napf gefressen. Allerdings zeigt ihm der Stubentiger auch die Grenzen und fährt die Krallen aus, wenn der Foxterrier-Mix allzu übermütig wird. „Wir sind sofort schwach geworden, als wir Cosmo das erste Mal gesehen haben. Trotzdem haben wir uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, weil wir wussten, wie wenig Zeit wir haben“, sagen die Gundackers. Während Jürgen Gundacker mit einem Hund groß geworden ist, war seine Frau nicht vorbelastet. „Sie hat gebremst“, gibt der Verbandsbürgermeister zu. Denn von vorneherein war klar, dass die Arbeit an Silke Gundacker und den Kindern hängenbleiben wird. Somit teilt die Familie alle Aufgaben rund um den Hund. Füttern, Gassigehen und so weiter werden von niemandem als Last empfunden, auch wenn Mutter Gundacker seit Cosmo später ins Bett kommt abends. Im Gegenteil. „Ich spiele mit Cosmo im Hof Fußball“, erzählt Jona. „Ich genieße den Hund sehr. Man ist gezwungen, rauszugehen, kommt an die Luft und hat Bewegung“, sagt Jürgen Gundacker. „Man sieht die Jahreszeiten und bekommt neue Ideen. Der Hund bereichert unsere Familie sehr“, zählt Silke Gundacker die Vorteile auf. Hergeben würden die Gundackers den kleinen Wilden mit dem markanten schwarz-weißen Gesicht jedenfalls nicht mehr. Ende August darf Cosmo dann sogar mit Frauchen und Herrchen in einen speziellen Tier-Gottesdienst. Beim RSV 2000 in der Maßweiler Straße halten Silke Gundacker und ein katholischer Kollege den „ökumenischen Gottesdienst für Mensch und Tier“ unter freiem Himmel. Da kann dann jeder sein Tier mitbringen. Pferde seien schon dabei gewesen, Kinder mit Kuscheltieren, aber auch einen Regenwurm hat laut Silke Gundacker schon mal jemand mitgebracht. Und diesmal ist Cosmo dabei. Wobei er als evangelisch getaufter Hund wohl auf die Segnung am Ende des Gottesdienstes verzichten wird.