Dahn / Reifenberg RHEINPFALZ Plus Artikel „Eigentlich war ich auf der Flucht“

Pfarrer Erich Schmitt hat im Ruhestand das Internet für sich entdeckt und arbeitet gerne am Laptop.
Pfarrer Erich Schmitt hat im Ruhestand das Internet für sich entdeckt und arbeitet gerne am Laptop.

2013 wechselte Pfarrer Erich Schmitt von Reifenberg nach Dahn. Eigentlich war er vor der sich anbahnenden Großpfarrei geflohen und dabei direkt in eine geraten. 2015 ging er dann in Ruhestand, er arbeitet aber weiterhin als Pfarrer in den umliegenden Ortschaften mit. Anfang diesen Jahres hat er das Internet für sich entdeckt und ist dort auch vertreten.

Das Garagentor ist zu, der schnelle BMW in der Garage geparkt. Für Autos interessiert sich Erich Schmitt schon lange nicht mehr, aus diesem Hobby ist er herausgewachsen. Aber er arbeitet weiterhin als Pfarrer in der Dahner Verbandsgemeinde. 2013 hatte Schmitt nach 30-jährigem Wirken als Gemeindepfarrer Reifenberg verlassen und war in sein Elternhaus nach Dahn umgezogen. Dort übernahm er die Aufgabe des Kooperators an der Seite von Pfarrer Bernd Schmitt, der mittlerweile in Waldfischbach-Burgalben arbeitet.

Als Seelsorger vom Regen in die Traufe:

„Eigentlich war ich auf der Flucht vor der Großpfarrei, zu der Reifenberg mittlerweile auch gehört. Unglücklicherweise kam ich aber vom Regen in die Traufe, wie man so schön sagt“, erzählt Erich Schmitt, während er in seinem himmelblauen Sessel sitzt. Denn auch Dahn und die umliegenden Ortschaften wurden zu einer Großpfarrei zusammengefasst. Nichts für Erich Schmitt. Schnell wird ihm klar: Unter diesen Umständen kann er gesundheitlich nicht weiterarbeiten – und er möchte es auch nicht, wie er betont. In Reifenberg hat er die Leute noch gekannt, „da fiel mir immer auf, wenn jemand im Gottesdienst fehlte oder ein Platz leer war“, sagt er. In einer Großpfarrei könne man das aber gar nicht leisten. „Ich kam mir vor wie ein Manager und nicht wie ein Seelsorger“, kritisiert Schmitt die Großpfarrei.

In aktiver Zeit rund 1000 Menschen beerdigt

Ungefähr 1000 Menschen habe er in seiner Zeit als Pfarrer beerdigt, das habe er aus Interesse mal ausgerechnet. Das ist etwas mehr als die Einwohnerzahl Reifenbergs. 2015 durfte Schmitt dann in den Ruhestand gehen. Er hält aber weiterhin Gottesdienste – außer Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen. Außerdem ist er geistlicher Leiter der Kolpingsfamilie in Dahn, hat einen Bibelgesprächskreis ins Leben gerufen, macht Krankenbesuche und erteilt die Krankenkommunion. So ganz im Ruhestand ist er also nicht. Das findet er auch gut so.

Gerade im letzten Vierteljahr habe er gemerkt, wie wichtig es ist, eine Aufgabe zu haben. Denn durch Corona wurden auch die Gottesdienste eingeschränkt. Die Dienstherren in Speyer hatten ihm fast schon untersagt zu arbeiten, denn Erich Schmitt gehört zur Risikogruppe, wie er selbst berichtet. Im Juni ist er 70 Jahre alt geworden, eine große Feier war wegen der Pandemie nicht möglich. Aber er habe viele Anrufe erhalten, auch aus Reifenberg.

„Die Kontakte bestehen noch, man müsste sie nur intensivieren“, sagt er lachend. Die Menschen der Sickinger Höhe sind ihm gut in Erinnerung geblieben, aber er hat sich mittlerweile in Dahn eingelebt. 2015 war er noch einmal für eine Predigt im Kapellchen in Reifenberg, seitdem ist er in Dahn kreativ.

Er lädt Predigten auf der Internetseite hoch

Anfang des Jahres hat er angefangen, seine Predigten digital auf der Internetseite der Kolpingsfamilie hochzuladen. Als hätte er, wie ein Hellseher, Corona vorausgedeutet. In Reifenberg hatte er nie mit einem Computer gearbeitet, „hier in Dahn läuft die Kommunikation über das Internet“, erklärt Erich Schmitt. So habe er mit 63 Jahren das erste Mal einen Computer bedient und schnell begriffen, wie das so funktioniert. Mittlerweile verbringt er täglich eine Stunde im Netz, liest Artikel und bestellt sich Bücher. „Das ist, denke ich, in Ordnung, es gibt ja keinen Buchladen mehr vor Ort“, wie er zu bedenken gibt.

Wird der BMW bald einem Elektroauto weichen?

Spazieren und Lesen, das sind seine neuen Hobbys. Als nächstes wird er „Christsein und die Corona-Krise“ von Walter Kardinal Kasper und George Augustin lesen. Corona ist ein Thema, das ihn beschäftigt. Nach den Sommerferien möchte er wieder anfangen, Gottesdienste zu halten. Denn das Virus wird wohl so schnell nicht verschwinden, wie er die Lage bewertet.

Aber Erich Schmitt akzeptiert die Einschränkungen. Er ist zukunftsorientiert. Der BMW könnte in den nächsten Jahren sogar einem Elektroauto weichen, zumindest ist das sein Ziel.

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