Waldfischbach-Burgalben
Ehrensache: Schüler retten Kröten in den Ferien
Kröten kennen keine Ferien, aber Temperaturunterschiede. Wenn die Temperaturen steigen, werden die wechselwarmen Tiere aktiv. Deshalb heißt es für die fünf Schüler im Alter zwischen 13 und 16 Jahren auch an einem unterrichtsfreien, sonnigen April-Tag aufstehen und Krötenhilfe leisten. „Ich interessiere mich für die Natur“, sagt Hannah Schlotthauer. Klima, Umwelt „sind Themen, die mich beschäftigen“, bestätigt Sarah Müller. Schlotthauer und Sina Heisel besuchen die elfte Klasse der IGS Daniel Theysohn in Waldfischbach-Burgalben. Das Ökosystem Wald war zuletzt Unterrichtsthema. Wichtig ist, um mitreden zu können, „sich so genau wie möglich zu informieren“.
Sie wollen wie Sarah Müller und die Cacano-Brüder nicht nur reden, sondern auch aktiv werden. Ehrenamtlich. Sich einsetzen für die Natur – in diesem Fall konkret für die Kröten. „Das macht doch auch Spaß“, unterstreicht Sarah Müller, die die siebte Klasse der IGS besucht. Sie weiß, dass ehrenamtliches Engagement zwar Einsatz fordert, aber auch viel zurückgibt. Mindestens ein gutes Gefühl.
„Wir hatten vorher noch nie etwas mit Kröten zu tun“, bekennen Ruben und Natan Cacano, Siebt- beziehungsweise Achtklässer an der IGS. Die warzigen Wesen anzugreifen, bedeutet zuerst einmal, sich zu überwinden, um dann mit Verwunderung festzustellen: Das sieht zwar glitschig aus, ist es aber nicht. Mit jeder Minute, mit jedem Meter, der hinter dem etwa 600 Meter langen Krötenschutzzaun an der K32 zurückgelegt wird, um den Kröten sicher über die Straße zu helfen, wird beherzter zugegriffen. So wie das die Krötenprofis tun, die auch in der Vergangenheit ehrenamtlich dabei waren.
Kröte um Kröte beziehungsweise Krötenknäuel um Krötenknäuel wird hinter dem Zaun eingesammelt und über die Straße gebracht. Dass den fünf jungen Krötenhelfern dabei selbst nichts passiert, darauf haben an diesem Ferientag unter anderem die Lehrer Stefan Zimmermann und Steffi Müller ein Auge.
Der Clausensee ist das Ziel der Kröten. Dort können sie laichen. Es ist ein gefährlicher und gerade für die Krötenweibchen ein beschwerlicher Weg. Sie bringen nicht nur sich ins Gewässer, sondern zum Teil auch mehrere Männchen, die sich am Weibchen festklammern. „Der tritt mich“, stellt Natan Cacano lachend fest, dass so ein Klammer-Männchen seine Hand als potenziellen Rivalen um die Gunst des Weibchens ausgemacht hat und versucht, den Daumen mit den Hinterbeinen wegzustoßen. Ehrensache macht wirklich Spaß.
„Tiere mögen wir.“ Da sind sich alle einig. Zu Hause finden sich eher Hunde und Katzen oder im Fall von Familie Heisel auch Bienen und Hühner. „Kröten haben wir noch nicht“, sagt Sina Heisel lachend. Aber die Beziehung zu den wandernden Kröten wächst.
In Eimern transportieren die fünf Krötenhelfer die Tiere von der Wald- auf die Uferseite. Ob die Kröten wissen, dass ihnen dadurch möglicherweise ein frühes Lebensende unter Auto- oder Motorradreifen erspart bleibt? Die Kröten werden auf den sicheren Weg Richtung Wasser gesetzt. „Manche laufen richtig schnell“, stellt Sarah Müller fest, während ihre Mitstreiter der ein oder anderen Kröte, die zurück Richtung Straße will, mit den Händen Orientierungshilfe geben. „Ab ins Wasser“, fordert Hannah Schlotthauer.
Die Kröten werden transportiert und gezählt. Getrennt nach Weibchen und Männchen. Bei manchem Krötenknäuel lässt sich die Frage, wie viele Krötenmännchen an einem Weibchen hängen, nicht immer gleich beantworten. Da heißt es schon mal, das Knäuel zu entwirren und Beine zu zählen. „Das sind vier“, zählt Ruben Cacano. Beine oder Kröten? „Männliche Kröten“, wird aufgeklärt. Christine Wintringer, Lehrerin an der IGS, führt eine Strichliste. Die Krötenanzahl hilft, wichtige Rückschlüsse auf das Ökosystem Pfälzerwald zu ziehen, für das sich die jungen Ehrenamtlichen interessieren und engagieren.
Seit 20 Jahren kümmern sich Schüler der IGS um einen sicheren Krötenweg. Dabei geben ältere Krötenretter regelmäßig den Staffelstab an jüngere Schüler weiter. „Wer sich konkret für die Natur einsetzt, bekommt fast immer einen ganz anderen Bezug zur Umwelt“, sagt Martina Stein, die das Projekt als Lehrerin von Anfang an betreut. Stimmt, bestätigen die fünf jungen Krötenträger, die sich auch mit Tierhaltung, Ernährung, Fleisch – ja, nein, wenn ja, wie viel? –, beschäftigen. Auch das wurde unter anderem ausgelöst durch den ehrenamtlichen Einsatz für Natur und Umwelt. „Der Einsatz ist ansteckend“, sagt Martina Stein. Die Schüler, die etliche Kilometer vom Einsatzort entfernt wohnen, wurden von ihren Eltern gebracht. Wichtige Unterstützung des ehrenamtlichen Einsatzes, verbunden mit Lerneffekten. Klar erzählen sie ihren Eltern, was sie erleben und sehen, bringen ihnen auf diese Weise die Umwelt näher, bestätigen alle fünf.
Die letzten Kröten – insgesamt 143 Männchen und 50 Weibchen sind es an diesem Vormittag – haben den See erreicht. Freizeit für die Krötenhelfer. Die Eltern-Taxis sind da. „Und seid ihr nächste Woche wieder dabei?“, fragt Martina Stein. „Selbstverständlich!“, sagt Sarah Müller, schließlich ist es für alle eine „Ehrensache“.