Obersteinbach RHEINPFALZ Plus Artikel Driwwe unn hiwwe: 200 Ziegen als Touristenattraktion in Käserei

Michael Sturtzer mit einem Teil der 200 Ziegen, die derzeit im Stall der Käserei leben und Milch produzieren.
Michael Sturtzer mit einem Teil der 200 Ziegen, die derzeit im Stall der Käserei leben und Milch produzieren.

Hofladen kann jeder. Die Ferme Steinbach im elsässischen Obersteinbach hingegen hat ihre Käserei zur Touristenattraktion ausgebaut. Ganze Busladungen werden im Sommer im Hof verköstigt. Angefangen hatte es als Hobby.

Vor 21 Jahren startete Pierre Sturtzer das Abenteuer der eigenen Käserei als Hobby in Obersteinbach. 14 Ziegen waren es am Anfang, erzählt Sohn Michael Sturtzer, der zusammen mit seinem Bruder Florian im Betrieb mitarbeitet. Aus dem Nebenerwerb ist ein Familienbetrieb mit bis zu zehn Mitarbeitern geworden, die hauptsächlich im Sommer alle Hände voll zu tun haben. Zu den 14 Tieren kamen wenige Jahre später 50 dazu, dann nochmal 100 und im vergangenen Jahr drängelten sich 250 Ziegen in dem geräumigen Stall neben der Käserei. Aktuell seien es noch 200 Tiere, sagt Michael Sturtzer. Die geben im Winter rund 400 Liter Milch am Tag. Im Sommer können es bis zu 700 Liter am Tag werden. Und die Milch werde komplett zu Käse, Joghurt oder Eis weiterverarbeitet, versichert der Ziegenhalter. Mehr als ein dutzend Variationen gibt es beim Frischkäse, ebenso viele bei den Joghurts und Eissorten. Dazu kommt Käse in Öl eingelegt und einige Hartkäsevariationen.

Das meiste werde im Geschäft direkt verkauft, erzählt Sturtzer stolz. Dazu hat sich die Familie ein Konzept überlegt, um Touristen und Ausflügler gezielt zu einem Besuch in Obersteinbach anzulocken. Im Sommer ist die Wiese an der Käserei ein riesiger Biergarten, in dem die Produkte der Käserei in Form von Käsetellern bei einem Bier oder Wein gereicht werden. Ganze Busse voller Ausflügler können so bedient werden. „Wir haben Platz für 250 Gäste“, sagt Sturtzer. Der Biergarten werde jedoch nur an den Wochenenden geöffnet. Die Käserei und er Hofladen hingegen sind das ganze Jahr von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Die Besucher können durch eine Glasscheibe bei der Arbeit in der Käserei zusehen und auch in den Stall gehen, wo die 200 Ziegen stehen, fressen und sich gelegentlich an einer elektrischen Bürste massieren lassen. Jeden Tag um 17 Uhr wird gemolken, was ebenfalls live mitverfolgt werden kann.

Tauschhandel mit Stroh und Mist

Das Futter baut Familie Sturtzer nicht selbst an. Das bezieht die Käserei von anderen Landwirten. Dazu kommt eine Art Kraftfutter aus Westfrankreich, das aus Klee und Luzerne besteht, eine alte eiweißreiche Futterpflanze. Soja komme den Ziegen auf der Ferme Steinbach nicht in den Trog, versichert Michael Sturtzer. Das gesamte Futter werde komplett in Frankreich angebaut. Für das Stroh hat sich die Familie einen Tauschhandel mit einem befreundeten Landwirt einfallen lassen. Der Landwirt, der selbst keine Verwendung für sein Stroh habe, liefere es nach Obersteinbach und bekomme im Gegenzug den Mist der Ziegen für seine Biogasanlage, womit Familie Sturtzer gleich noch die Entsorgung gespart hat.

Das Leben der Ziegen auf der Ferme beginnt in dem „Nursery“, also Kindergarten, genannten Stall, der in der Regel nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Hier leben die jungen Tiere und ein Teil der vier Böcke, die für den Nachwuchs zuständig sind. Hinten im Eck hat der größte und älteste Bock einen separaten Bereich. Das Tier könne nicht mehr zu den anderen Ziegen, da es zu groß ist, erklärt der Ziegenhalter. Nach der ersten Trächtigkeit kommen die Ziegen in den öffentlichen Stall, wo sie jeden Tag gemolken werden. Die ganz jungen Böcke, die nicht für die Nachzucht gebraucht werden, was die meisten sind, bekommen einen Milchersatz, bis sie schlachtreif sind und werden zu Zickleinfleisch verarbeitet. Das werde meist auf Vorbestellung im Hofladen verkauft und sei schnell weg, so Sturtzer.

Bald ein Stand auf dem Pirmasenser Wochenmarkt?

Um die Genetik auf ein gesundes Maß zu bekommen, werden öfter mal Ziegen und Böcke zugekauft. Sonst ist die Gefahr für Inzucht zu groß. Wenn die Ziegen immer weniger Milch geben, kommen sie erstmals auf die Weide unweit der Käserei. Dort dürfen sie noch ein Jahr lang ein Leben ohne Melken unter freiem Himmel genießen. Dann geht es zur Schlachtung und in Form von Ziegensalami in die Verkaufstheke der Käserei, schildert der Tierhalter den Zyklus auf dem Hof und die Komplettverwertung der Tiere. Auf der Ferme Steinbach leben nur Tiere der Rasse Alpine, die als Bunte deutsche Edelziege ab 1928 aus verschiedenen braunen Ziegen gezüchtet werden.

60 Prozent der Produktion gehen im eigenen Hofladen über die Theke. Der Rest werde auf Märkten in Hagenau, Soultz-sous-Fôrets, Straßburg-Neudorf und Landau verkauft. In Pirmasens würde Sturtzer auch gerne einen Stand auf dem Markt anbieten. Dafür brauche es aber noch einen weiteren Verkaufswagen, der bald gekauft werden soll. Außerdem beliefert die Ferme noch andere Hofläden und Restaurants. Im eigenen Hofladen finden sich die Produkte der befreundeten Hofläden – von Senf bis Nudeln.

Im Winter sind der Biergarten und die Verköstigung geschlossen. Die Ausnahme ist der große Obersteinbacher Weihnachtsmarkt, der früher immer auf dem Gelände eines Gastronomen war und nun rund um die Käserei stattfinden soll. Laut Sturtzer werden 40 Stände aufgebaut. Im vergangenen Jahr sollen mehr als 6000 Besucher gezählt worden sein. Der Weihnachtsmarkt am 22. Dezember hat von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Und so sieht der täglich, auch sonntags, produzierte Frischkäse aus. Joghurt und Eis werden auch noch hergestellt.
Und so sieht der täglich, auch sonntags, produzierte Frischkäse aus. Joghurt und Eis werden auch noch hergestellt.
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