Bottenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Dreimal so viele Windräder?

Windkraftanlagen im Stausteinerwald bei Kröppen.
Windkraftanlagen im Stausteinerwald bei Kröppen.

Windkraftenergie bleibt in Bottenbach ein schwieriges Thema. Denn um den Ort herum stehen schon etliche Anlagen, weitere könnten folgen. Und die Chancen, diese zu verhindern, sind gering.

Nachdem das Land das Ziel der Klimaneutralität weiter forcieren wird, muss laut Manfred Seibel, Projektleiter Klimaschutz bei der Kreisverwaltung, die Anzahl Windkraftanlagen verdoppelt, wenn nicht sogar verdreifacht werden. Um Bottenbach stehen bereits mehrere Anlagen, es könnten noch mehr werden.

Windkraft, so verdeutlichte Bottenbachs Bürgermeister Klaus Weber im Rat, ist seit mehreren Jahren ein bestimmendes Thema rund um den Ort. Die Anlagen bringen fürs Dorf Nachteile, etwa Lärm, Schattenschlag durch die Rotoren und eine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes. Allerdings gibt es auch Vorteile, vor allem finanzieller Art. Für Bottenbach gibt es aber ein Problem: Weil laut Weber im Flächennutzungsplan das Areal ums Dorf für Windkraft vorgesehen sei, könnte es schwierig werden, künftige Anlagen zu verhindern. Allerhöchstens, so der Ortsbürgermeister, könnten kommunale Grundstücke nicht verpachtet werden. Wenn direkt daneben jedoch private Grundstücke liegen, und der Eigentümer diese für neue Windräder verpachtet, könne die Gemeinde nichts dagegen tun. Manfred Seibel bestätigt dies: „Die Lage für Bottenbach ist schwierig.“

Eine Windkraft-Gemeinschaft gründen?

Laut Seibel gibt es eine zusätzliche politische Herausforderung: „Alle reden von Klimaneutralität.“ Das Land, so Seibel, wolle bis 2040 klimaneutral, bis 2030 bereis autark in Sachen Stromversorgung sein. In der Realität heiße das jedoch, dass die Anzahl aller Windräder mindestens verdoppelt, für die Klimaneutralität sogar verdreifacht werden müsste. Zudem rechnet Seibel damit, dass der Stromverbrauch in den kommenden Jahren rapid steigen wird, etwa weil bei den Autos der Trend vom Verbrennungsmotor hin zum E-Auto geht oder Ölheizungen gegen Wärmepumpen ersetzt werden.

Für Bottenbach und die umliegenden Dörfer könnten Windräder zumindest finanziell jedoch interessant werden. Im neuen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gebe es einen Paragrafen, nach dem pro erzeugter Kilowattstunde der Betreiber bis zu 0,2 Cent ohne Gegenleistung an die Kommune abgeben darf. Zudem schlägt Seibel vor, dass sich Bottenbach, Vinningen und Kröppen in Sachen Windenergie zusammenschließen, der finanzielle Ausgleich könnte gerechter verteilt werden und die Gemeinden könnten bei Verhandlungen mit Strombetreibern stärker auftreten.

Für Herbst eine Bürgersammlung geplant

„Wir kriegen das nicht weg. Wenn wir sagen, wir wollen es nicht, ist es dann wirklich vom Tisch“, fasst Weber zusammen. Die politische Lage sei eben so gestrickt, auf erneuerbare Energien samt Windkraft zu setzten.

Nichtöffentlich bestand dann Konsens, das Thema Windkraft weiter zu verfolgen – so dass für die Gemeinde finanziell das Beste rausgeholt wird. Zudem sei für Herbst eine Bürgerversammlung geplant, berichtet Weber. Eine Windkraft-Gemeinschaft bewertet er aber als unrealistisch. Denn jede Gemeinde wirtschafte so, um ihren eigenen Säckel zu füllen. „Die Kröppener bauen die Windräder auch nicht, weil sie damit das Klima retten wollen.“

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