Interview
DLRG-Jugendwartin: Warum das Freibad für Kinder besser ist als der heimische Pool
Frau Hüther, heute findet hier in Contwig das erste Mondschein-Schwimmen statt. Glück mit dem Wetter haben Sie. Wann kam die Idee das erste Mal auf?
Vor vier Wochen. Wir hatten ja einen Spendenmarathon für das Ronald-McDonald-Haus. Der war aber über Tag mit verschiedenen Spielstationen. Und dabei ist die Idee gekommen, dass wir auch wieder was für die Älteren machen sollten. Weil die Besucher in den Schwimmbädern sind nun mal rückläufig.
Der Juli war sehr kühl und verregnet. Waren dennoch Badegäste da?
Es sind immer Leute da. Wir haben unsere Stammgäste, die regelmäßig schwimmen kommen. Bei 32 Grad müsste hier die Hütte aber voll sein. Früher war das so. Heute leider nicht mehr.
Warum ist das so?
Die Leute haben andere Prioritäten. Auch die Jungen. Die sitzen lieber daheim.
Ist das seit der Corona-Pandemie so schlimm?
Nein, das war vorher auch schon so. Leider. Zum Leidwesen der Freibäder.
Freibäder sind ja nicht nur Becken, Wasser und Schwimmen. Es ist das Drumherum. Die Freibad-Pommes, das Gefühl eines unbeschwerten Sommers, einer unbeschwerten Kindheit ...
Das ist auf jeden Fall so. Auch der soziale Kontakt im Freibad spielt eine große Rolle. Heutzutage haben viele Leute zu Hause einen Pool. Das kann ja jeder so machen, wie er will. Aber ich bin der Meinung, dass es für die Kinder im Freibad einfach besser ist. Schauen Sie mal, wie viele Kinder nicht mehr schwimmen können. Damals ist in Binz die Brücke zusammengebrochen, die Leute konnten nicht schwimmen und daraufhin wurde die DLRG gegründet (Anmerkung der Redaktion: Hüther verweist auf die Tragödie von Binz am 19. Oktober 1913, bei der 16 Menschen starben. Gut ein Jahr später gründete sich daraufhin die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft DLRG). Da stehen wir jetzt wieder.
Beobachten Sie auch hier in Contwig, dass Leute nicht gut schwimmen können?
Ja. Das beobachten wir überall. Unsere Schwimmkurse sind gut besucht. Aber die Resonanz ist nicht mehr so wie vor zehn bis 15 Jahren. Damals hätten wir zehn Schwimmkurse veranstalten können. Wenn wir heute fünf haben, ist es gut.
Beim Begriff DLRG habe ich Rettungsschwimmer vor Augen, die am Strand aufpassen. In Contwig gibt es keinen Strand, aber eine DLRG-Ortsgruppe. Warum?
Wir haben hier ein Freibad. Wir müssen hier genauso aufpassen wie am Strand. Am Wochenende leisten wir unseren Wachdienst, bilden Rettungsschwimmer aus. Das geht noch ganz gut. Jeder der zur Polizei will, braucht mindestens einen Rettungsschwimmer in Bronze.
Wie oft passieren denn in Contwig Badeunfälle?
Sehr selten. Ertrunken ist seit Jahrzehnten keiner mehr. Meistens haben die Leute Platz- oder Stichwunden. Auch mit Blick auf das Klientel ist hier die Welt noch in Ordnung.
Aus anderen Freibädern hört man, dass dort die Lage schwierig ist: Schimpfen, Pöbeln und so weiter. Wie ist das hier?
Hier gibt es das nicht. Wir haben im Verein auch viele Mitglieder: 150 aktive Jugendliche, rund 350 aktive Mitglieder. Wir machen aber auch viel mit den Kindern, jedes Jahr fahren wir etwa nach Rust ins Rulantica. Und jetzt im Herbst, wenn das Schwimmbad zu ist, pressen wir Apfelsaft. Unser Schwimmtraining ist im Winter in Zweibrücken im Hallenbad und Hofenfels.
Wie sind Sie zur DLRG gekommen?
Ich war acht oder neun Jahre alt, als ich eingetreten bin. Und dann blieb ich hängen. Meine Eltern haben mich damals in den Schwimmkurs gesteckt.
...und haben seitdem dem Contwiger Bad die Treue gehalten?
Total. Die Leute sind toll. Hier im Verein bin ich mit dem Bad verwurzelt. Die Lage ist toll, ein 50-Meter-Edelstahlbecken. Das ist traumhaft.