Thaleischweiler-Fröschen RHEINPFALZ Plus Artikel Digital und nachhaltig gärtnern

Dass mit modernster Technik ökologisch und nachhaltig gegärtnert werden kann, beweist der OGV Thaleischweiler-Fröschen mit seine
Dass mit modernster Technik ökologisch und nachhaltig gegärtnert werden kann, beweist der OGV Thaleischweiler-Fröschen mit seinem Projekt Garten real-digital. Vorsitzender Martin Klausmann schaut aus der neuen Zentrale im Lehrgarten in Thaleischweiler-Fröschen. Von hier aus kümmern sich die digital interessierten Nachwuchsgärtner zum Beispiel um Projekte zur optimalen Bewässerung. Rechts das Gewächshaus, in dem demnächst ein Farmbot ein Beet selbstständig bearbeiten wird.

Technik und Natur – das lässt sich gut miteinander verbinden. Auch als Beitrag für nachhaltiges Handeln. Wie das funktionieren kann, macht der Obst- und Gartenbauverein Thaleischweiler-Fröschen vor. Mit einem Projekt, das für Gartenbesitzer interessant sein dürfte.

Im Sommer wachsen Tomaten, im Herbst der Grünkohl. Bienen sind hier zu Hause, es wird regelmäßig gewässert und geerntet. Auf den ersten Blick ist der Lehrgarten des Obst- und Gartenbauvereins Thaleischweiler-Fröschen (OGV) ein ganz normaler Garten. Auf den zweiten Blick zeigt sich, es ist ein Garten der Zukunft. Hier sind die Bots los, hier kümmern sich die OGV-IT-Kids, die Jugendgruppe des Vereins darum, dass sich Technik und Natur ideal miteinander verbinden lassen – mithilfe von Computerprogrammen, die manche Aufgaben automatisch wie ein Roboter erledigen können.

Brücke zwischen den Generationen

Garten real-digital nennt sich das Projekt des OGV, das es seit 2018 gibt. „Ziel ist die Digitalisierung des Gartens, um die Brücke zwischen der Jugend und den oft schon etwas älteren Mitgliedern im Obst- und Gartenbauverein zu schlagen“, sagt OGV-Vorsitzender Martin Klausmann. Erprobtes gärtnerisches Wissen soll mit modernem technischen Wissen kombiniert werden.

Der Garten in der Uferstraße soll zugleich auch die Arbeit im Garten sichtbar machen, den Blick auf die Natur, auf nachhaltiges Arbeiten für alle ermöglichen. Auf dem 400 Quadratmeter großen Gelände, das die Ortsgemeinde für den Lehrgarten zur Verfügung gestellt hat, gibt es viel entdecken. Ein ganz wichtiger Aspekt des Gartens ist aus Klausmanns Sicht, „dass es ein außerschulischer Lernort ist“. Den schätzen zum Beispiel die Kinder aus dem gegenüberliegenden Kindergarten. Sie sind seit Projektstart eifrig am Pflanzen, Hegen und Ernten. Dank des Gewächshauses mittlerweile über das ganze Jahr.

Erfolgreich beim Zukunftswettbewerb

Bereits 2018 wurde das Projekt Garten real-digital bei der „Google.org Impact Challenge“, einem bundesweiten Zukunftswettbewerb, mit 20.000 Euro Preisgeld bedacht. „Dieses Geld nutzen wir konsequent für die weitere Digitalisierung“, sagt Klausmann. Meteobot, Solarbot oder Farmbot sind digitale Helfer, um letztlich ein Ziel zu erreichen: den Garten auch in Zeiten des Klimawandels nachhaltig und ökologisch zu bewirtschaften. Die Technik, die für die jüngere Generation faszinierend ist, erleichtert die Arbeit und hilft den Ressourceneinsatz zu optimieren. „Wir haben eine Menge Ideen“, freut sich Klausmann sich über ein engagiertes Team.

Ziel: Vorausschauend bewässern und pflanzen

Seit Projektstart hat sich viel getan. Die neun Quadratgärten, die in einem ersten Schritt angelegt wurden, haben in diesem Jahr eine automatische Bewässerungsanlage erhalten. Diese soll künftig über eine App digital gesteuert werden können beziehungsweise sich selbst steuern. Notwendige Daten liefert der Meteobot, die Wetterstation, die in diesem Jahr installiert wurde und wichtige Daten wie Regenmenge oder Luftfeuchtigkeit erfasst. Der Solarbot hilft, die Solarstrahlung zu messen. „Auf lange Sicht ist es unser Ziel, besser planen, vor allem vorausschauend bewässern und pflanzen zu können“, sagt Martin Klausmann.

Gärtnern mit dem Klimawandel

In einem nächsten Schritt soll jedes der neun Pflanzquadrate unterschiedlich angelegt und bearbeitet werden. Bodenbeschaffenheit variieren, mal mulchen, mal nicht. Variablen ändern. Im Boden misst ein Sensor jeweils die Bodenfeuchte. Auch das ist ein wichtiger Messwert, um optimal gärtnern zu können. „Über die Daten der Wetterstation, des Bodenfeuchtesensors ermitteln wir, wie sich die unterschiedliche Bewirtschaftung und Beschaffenheit der einzelnen Quadratbeete auf den Wasserbedarf der Quadrate auswirkt. Im Zuge des Klimawandels werden wir mit Hilfe dieser Daten klare Handlungsanweisungen zum wassersparenden Gärtnern erstellen können“, skizziert Klausmann einen großen Nutzen des Projektes. Die Daten, die der Meteobot erfasst, sollen über das Internet für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Dieses System möchten die OGV-IT-Kids aber nicht nur im Lehrgarten nutzen. „Wir wollen es so optimieren, dass wir es zunächst den Mitgliedern in unserem Verein kostengünstig zur Verfügung stellen können“, sagt Klausmann. In einem nächsten Schritt soll es allen interessierten Gärtnern angeboten werden können, denn weniger Niederschlag, höhere Temperaturen und ressourcenschonendes Wässern betrifft alle.

Nachhaltiges Gewächshaus

Zwischen Quadrategarten und Gewächshaus steht mittlerweile die Zentrale der OGV-IT-Kids. Passend zum Gesamtkonzept des Gartens „ist das auch eine nachhaltige Geschichte, wie wir zu diesem Häuschen kamen“, erzählt Klausmann schmunzelnd. Gebaut wurde es im Rahmen eines Ausbildungsprojekte bei einer Reitschule in Biberach. Dort wurde es aber nicht gebraucht und fand im Gartenprojekt des OGV den optimalen Platz. Selbst abgeholt, selbst aufgebaut.

Länger als die IT-Kids-Zentrale steht bereits das Gewächshaus. Ermöglicht wurde sein Bau durch eine Förderung durch die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz, die 4900 Euro bereitstellte. Gefragt waren aber auch hier nachhaltige Ideen und gemeinsames Anpacken. In England habe er Gewächshäuser dieser Art gesehen, erzählt Klausmann, der von Beruf Agraringenieur mit dem Schwerpunkt ökologischer Landbau ist. Bewusst wurde das 25 Quadratmeter große Gewächshaus in den Boden gebaut, ragt nicht weit raus. „Das spart eine Menge Energie, weil wir im Winter nie das gesamte Haus heizen müssen, sondern immer nur den Bereich über den Beeten“, nennt Klausmann einen Vorteil. Die Beete sind als Hochbeete angelegt. Das ergibt eine optimale Arbeitshöhe. Lichtdurchlässige Doppelstegplatten bringen Licht ins Gewächshaus. Diese lassen sich so öffnen, dass auch von außen an den Beeten gearbeitet werden kann. Vier Arbeitsbereich gibt es, unter anderem ein Beet für die Ansaat. In der Mitte des Gewächshauses stehen Tische und Bänke. „Hier haben zehn Kinder problemlos Platz, um miteinander zu arbeiten“, sagt Klausmann.

Automatisch säen und bewässern

Und auch hier ist Digitalisierung in Form eines Farmbots ein wichtiges Thema. Im hinteren Bereich des Gewächshauses wird der Farmbot arbeiten, automatisch aussäen, bewässern und Unkraut entfernen. Der Farmbot, der eine Kamera integriert hat, sieht aus wie ein Miniatur-Hallenkran. Er fährt über das Beet, misst Werte wie die Bodenfeuchte und bewässert zum Beispiel exakt nach Bedarf. Drei Meter Beet wird der Farmbot der IT-Kids künftig als Gärtner bearbeiten. „Aber es gibt noch genügend Platz, um auch per Hand zu gärtnern“, sagt Klausmann schmunzelnd.

Die Natur steht mit im Zentrum des Projektes. Deshalb wurde der Phänologische Garten angelegt, um ein Projekt der Humboldt-Universität in Berlin zu unterstützen. Es wurden vorgegebene Pflanzen gesetzt, die so europaweit auch in anderen Gärten stehen. Wie sich welche Pflanzen in welchen Breitengraden unter welchen Bedingungen entwickeln, wird dadurch erfasst. Zwei Bienenvölker sind mittlerweile auf dem Gelände zu Hause. Für sie wurde eine Bienenweide angelegt. Und im Veredelungsgarten geht es um den Erhalt alter Obstbaumsorten.

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