Hauenstein RHEINPFALZ Plus Artikel Die letzten Schwestern verlassen am 9. Juli das Karmelkloster

Wenn sich die Karmelschwestern Anfang Juli aus Hauenstein verabschieden, soll die Klosterkirche erhalten bleiben.
Wenn sich die Karmelschwestern Anfang Juli aus Hauenstein verabschieden, soll die Klosterkirche erhalten bleiben.

Mitte Oktober hatte der Konvent der Unbeschuhten Karmelitinnen, der im Hauensteiner Karmelkloster seit 1958 zu Hause ist, der Öffentlichkeit mitgeteilt, dass das Kloster aufgegeben werden soll. Die Entscheidung löste im Ort und in der Region Betroffenheit aus, war das Kloster doch geistliches Zentrum und Segensort, der vielen Gläubigen Heimat und Geborgenheit vermittelte. Jetzt zeichnen sich Entwicklungen ab.

Sieben Ordensfrauen zählten zum Konvent, als die Priorin über den Beschluss des Kapitels informierte, das Kloster, das am Ortsrand und in unmittelbarer Nachbarschaft zur Katharinenkapelle liegt, aufzugeben. Der fehlende Nachwuchs, die Altersstruktur des Konvents – die jüngste Ordensschwester ist 55, die Älteste zählt 89 Jahre – und die großen Herausforderungen, die die Unterhaltung des weitläufigen Klosterareals stellen, „machten es sehr schwierig, unsere Berufung zu leben“, so Schwester Elia, die Priorin des Klosters im Herbst.

Vieles war damals noch unklar geblieben. „Für uns begann ja ein neuer Weg, dessen Richtung wir im Gebet und im Dialog suchen mussten. Dabei wollten wir uns von Gott führen lassen“, beschreiben die Ordensfrauen, deren Leben von einem tiefen Glauben und von unerschütterlichem Gottvertrauen geprägt ist, ihren Weg zur Entscheidungsfindung. Schwester Elia: „Im Vertrauen auf Gottes Führung, der einst die Schwestern nach Hauenstein berufen hat, um hier ihm und den Menschen zu dienen, lassen wir uns nun an neue Orte rufen.“

Abschied mit Pontifikalamt

Wohin werden die die Schwestern nun gehen? Die älteste Ordensfrau lebt bereits seit Mitte Dezember im Karmelkloster in Ikskile in Lettland. Sie war früher 30 Jahre lang Missionsschwester und fühlte sich zu dieser neuen Gründung, die vom Karmelkloster Essen ausging, hingezogen. Eine zweite Schwester wird ihr dorthin folgen. Eine Schwester wird in den Karmel in Essen übersiedeln. Zwei Schwestern werden in das Karmelkloster in Speyer gehen, das 1986 vom Karmel Hauenstein gegründet wurde, weil es damals sehr viel Nachwuchs gab. Zwei weitere werden im Karmel in Wemding im Donau-Ried-Kreis eine neue Heimat finden. Dieses Kloster war im Jahr 2000 vom Karmel Speyer gegründet worden, weil damals auch dieses Kloster wuchs und wuchs.

Bisher war ja auch noch offen, wann sich die Schwestern aus Hauenstein verabschieden werden. Hier gibt es jetzt eine belastbare Planung: „Für Sonntag, 9. Juli, 10 Uhr, laden wir ein zu einem Pontifikalamt, dem der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann vorstehen wird. Nach dem Gottesdienst soll es Gelegenheit zur Begegnung und zum Abschiednehmen für alle geben, denen der Karmel am Herzen liegt“, sagt Schwester Elia. Der Musikverein habe zugesagt, die Feier musikalisch zu begleiten. Die Pfarrei St. Katharina habe sich bereit erklärt, bei dem Fest mit einem kleinen Imbiss für das leibliche Wohl zu sorgen.

Kirche und Friedhof bleiben erhalten

Offen ist, was nach dem Auszug der Schwestern mit dem Klostergebäude und dem vorgelagerten weitläufigen Areal geschehen wird. Es war mit tatkräftiger Unterstützung durch die politische und die Kirchengemeinde der Klostergemeinschaft durch Tausch und Schenkung von Hauensteiner Bürgern übereignet worden. Den Bau des Klostergebäudes hatten die Hauensteiner mit privaten Spenden von 75.000 Mark mitfinanziert. Über das gesamte Ensemble werde nun ein Wertgutachten erstellt. Das Kloster ist eine Institution päpstlichen Rechts, die der römischen Kongregation für Ordensleute untersteht. Rom muss schließlich auch einem Verkauf zustimmen, wie Schwester Elia unterstreicht.

„Wir haben die Zusage von Bischof Wiesemann, dass sowohl die Klosterkirche als auch der Klosterfriedhof erhalten bleibt“, berichtet Schwester Elia. „Was mit dem Haus geschieht, liegt aber nicht mehr in unserer Hand“, sagt sie. „Am liebsten“ wäre es den Schwestern und „auch der Diözese“, wenn eine neue Gemeinschaft das Haus bezöge. Wenn das nicht gelänge, dann „wäre es vor allem unser Wunsch, dass das Kloster künftig einem gemeinnützigen Zweck dienen soll“, so die Priorin. Sie sieht sehr wohl die gewachsene enge Verbundenheit des Klosters mit Gemeinde, Dorf und Region: Das Kloster sei „ein Stück Hauenstein“, sagt sie. Deshalb wäre es „unser Wunsch“, wenn über die künftige Verwendung der Liegenschaft Diözese und Ortsgemeinde „in Kooperation“ beraten und entscheiden. Und: „Wo immer wir künftig sind: Wir bitten um Ihr Gebet und bleiben Ihnen in Dankbarkeit verbunden.“

Gemeinde mit Vorkaufsrecht

Für das Gelände existiert, wie Ortsbürgermeister Michael Zimmermann auf Anfrage informierte, kein Bebauungsplan. Die Gemeinde verfüge über ein Vorkaufsrecht. Über die künftige Verwendung des Areals werde im Dorf „viel spekuliert“. An den Spekulationen werde sich aber die Gemeinde „zum gegebenen Zeitpunkt“ nicht beteiligen. Man wolle zunächst abwarten, wie die weiteren Schritte von kirchlicher Seite aussehen werden.

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