Kreis Südwestpfalz Die IGS Contwig betritt Neuland

. Dass die Oberstufe kommt, da sind sich die Contwiger sicher: 51 Elftklässer brauchen sie, etwa die Hälfte der Schüler, die jetzt in die Zehnte gehen. Das dürfte alleine mit den eigenen Schülern zu schaffen sein. Aber anders als in der Unter- und Mittelstufe nimmt die IGS (Integrierte Gesamtschule) für die Oberstufe auch wieder Schüler von außerhalb auf. Laut der stellvertretenden Schulleiterin Dagmar Frank wird es sechs Leistungskurse geben: Deutsch, Englisch, Mathematik, Biologie, Gesellschaftswissenschaften und Sport. Weil nicht alle Schüler eine zweite Fremdsprache gelernt haben, wird es sogenannte Null-Kurse geben, in denen sie Französisch und – bei genug Nachfrage – später vielleicht auch Latein von Beginn an neu lernen können. Fünf Wochenstunden umfassen diese Null-Kurse. Seit Frühjahr 2013 trifft sich eine Planungsgruppe von neun Lehrern alle vier Wochen, um das Konzept zu erstellen. Ein Konzept, „das es in dieser Form möglicherweise noch nicht gibt“, sagt Schulleiter Thomas Höchst. Er betont zwar eindringlich, dass die Contwiger „das gleiche Abitur machen wie an jedem anderen Gymnasium“, und er sagt: „Da gibt es keine Unterschiede.“ Aber er ergänzt auch: „Was sich unterscheidet, ist der Weg zum Abitur.“ Ein Grundsatz: Auch in der Oberstufe sollen die Schüler eine Förderung erhalten, wie es sie schon in der Unter- und Mittelstufe gibt. Das Konzept, das auch in einem zehnseitigen Faltblatt vorgestellt wird, sieht – neben dem üblichen Kursunterricht mit Leistungs- und Grundkursen – Praktika, verpflichtende Exkursionen für die Leistungskurse und Zusatzangebote vor. Damit die Schüler auch lernen, Verantwortung zu übernehmen, wird es eine Projektwoche geben, in der sie in sozialen Einrichtungen helfen sollen. Oder sie werden Lernpate. Da helfen beispielsweise Zwölftklässer den Elftklässern, und zwar im Lernbüro, einem Raum, in dem es Computer zum Üben geben wird, Bereiche für Gruppen-, Partner- und Einzelarbeit, Ruhezonen, dazu Fachbücher und Lexika. Jeden Tag wird mindestens ein Lehrer eines Leistungskurses da sein, um den Schülern auch außerhalb des Unterrichtes zu helfen. Ein weiteres, zweiwöchiges Praktikum zeigt den Schülern Berufe, für die man das Abitur braucht. Möglich ist auch ein Schnupperstudium an einer FH oder einer Uni. Es wird auch in der zwölften Klasse einen sogenannten Boss-Tag geben, an dem Firmen in die Schule kommen, und die Schüler können den Europäischen Computerführerschein machen. Weil auch neue Schüler hinzukommen, wird es eine Einführungswoche geben, in der sie sich an drei Tagen im Schullandheim kennenlernen und danach eine Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten bekommen. Jeder Schüler wird ein Tablet bekommen, das er unter anderem zum Lernen auf der Lernplattform Moodle benutzen soll. Laut Hans-Peter Wolter, Stufenleiter für die Klassen neun und zehn, wird das Tablet zehn Euro im Monat kosten und am Ende der drei Jahre dem Schüler gehören. Die Schulbücher wird es noch nicht ersetzen, aber Wolter ist sich sicher: „In zehn Jahren wird keiner mehr Schulbücher haben.“ 650 Schüler hat die IGS derzeit, gut 200 werden in den nächsten drei Jahren in der Oberstufe dazukommen. Die Klassen 5 bis 10 sind vierzügig, wobei 80 Prozent der Neuntklässer den Sprung in die Zehnte geschafft haben. Das sehen die Schulleiter als Zeichen, dass ihr Konzept aufgeht. Denn in den Klassen der Gesamtschule sei jede Leistungsstufe zu je einem Drittel besetzt ist. Das heißt ein Drittel sind Schüler, die früher die Hauptschule besucht hätten und nach der Neunten aufgehört hätten; ein Drittel sind Realschüler, die mittlere Reife gemacht hätten; und ein Drittel sind Gymnasiasten. Wenn vier von fünf Schülern die zehnte Klasse packen – ohne dass die Anforderungen heruntergeschraubt wurden – spreche das für die gute Förderung an der Schule. 58 Lehrer unterrichten an der IGS, darunter sind 20 Gymnasiallehrer. Für die Oberstufe sollen in den nächsten drei Jahren jedes Jahr etwa sieben Lehrer hinzukommen. Das Platzproblem soll in zwei Jahren mit einem dreistöckigen Anbau südlich des Gebäudes gelöst sein, bis dahin werden die Schüler auch in Containern unterrichtet. Vier wurden dieses Jahr neu aufgestellt, vier sollen jedes Jahr hinzukommen, bis der Anbau fertig ist. Danach werden die gemieteten Container wieder abgebaut.