Hat die Partei Bärmann hängen lassen RHEINPFALZ Plus Artikel Dicke Luft bei der CDU

Karlheinz Bärmann, oft hemdsärmelig unterwegs, fühlte sich von seiner Partei zuletzt im Stich gelassen.
Karlheinz Bärmann, oft hemdsärmelig unterwegs, fühlte sich von seiner Partei zuletzt im Stich gelassen.

Bei den Christdemokraten brodelt es. Der Rücktritt des CDU-Urgesteins Karlheinz Bärmann lässt die Partei nicht zur Ruhe kommen. Zu viele Fragen über die Ursachen sind ungeklärt. Die RHEINPFALZ versucht, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.

Sind die Tränen echt, die die SPD über Bärmanns Rücktritt vergießt?
„Tränen lügen nicht“, heißt es in einem Schlager. Und in der Tat bedauert die SPD, dass Bärmann nicht mehr Bürgermeister von Contwig ist. Denn für die SPD war Bärmann berechenbar und verlässlich. Die CDU unter Bärmann arbeitete gut mit der SPD auf Verbandsgemeinde- und Ortsebene zusammen. Allerdings verdrückt die SPD jetzt auch ein paar Krokodilstränen. Als David Betz vor knapp zwei Jahren Karlheinz Bärmann das Amt als Bürgermeister abjagen wollte, da teilten die SPD und Betz kräftig gegen Bärmann aus, den sie jetzt über den grünen Klee loben.

Hätte sich die CDU Contwig früher hinter Bärmann stellen können?
Natürlich. Bärmann hatte nach eigener Aussage darum gebeten. Die CDU Contwig nahm Bärmann gegen seine Kritiker aber nicht in Schutz, jedenfalls nicht bis Weihnachten. Das mag daran liegen, dass der eine Kritiker, Markus Heinrichs, der CDU angehört und als deren direkter Nachbar der neuen CDU-Vorsitzenden und Bürgermeisterkandidatin Nadine Brinette täglich über den Weg läuft. Und daran, dass der andere Kritiker, Oliver Duymel, die Facebook-Seite der CDU Contwig angelegt hatte und seine Frau dem Vorstand der CDU Contwig angehört.

Hätte sich die CDU Contwig klarer hinter Bärmann stellen können?
Natürlich. Die CDU Contwig gab erst am 29. Dezember eine Erklärung zum Rücktritt des christdemokratischen Bürgermeisters ab, einen Tag später als die SPD. In der Erklärung der CDU heißt es, die Partei bedauere den Rücktritt „aufgrund der Meinungsäußerung zweier Bürger in den sozialen Medien“. Das ist wachsweich. Die CDU hätte auch schreiben können: „Die CDU distanziert sich in aller Form von der Kritik Markus Heinrichs’ und Oliver Duymels an Bürgermeister Karlheinz Bärmann. Sie haben in keiner Weise die Meinung der CDU Contwig wiedergegeben.“

Gehört Bärmann-Kritiker Markus Heinrichs der CDU an?
Aktuell ja. Der aus dem Saarland stammende Contwiger gehörte bis zum Frühjahr 2020 der CDU Contwig an. Dann trat er aus. Im Spätherbst 2020 trat Heinrichs wieder in die CDU ein, aber nicht in den Ortsverband Contwig, sondern in den CDU-Kreisverband Südwestpfalz.

Kann man einem CDU-Kreisverband angehören, ohne Mitglied eines Ortsverbands zu sein?
Christof Reichert, der Vorsitzende des CDU-Kreisverbands Südwestpfalz sagt: „Ja, das ist möglich.“ Es gebe einige Mitglieder, die aus verschiedensten Gründen keinem Ortsverband angehören wollen, sondern nur dem Kreisverband. Auch diesen biete die CDU eine Heimat.

Hätte die CDU Südwestpfalz Heinrichs Aufnahmeantrag ablehnen können?
Christof Reichert sagt: „Nein.“ Es gebe im Prinzip nur zwei Gründe, um einen Aufnahmeantrag abzulehnen: „Wenn die Person bereits einer anderen Partei angehört und diese auch nicht verlassen möchte. Oder wenn sie sich gegen die demokratische Grundordnung wendet.“ Beides sei im Fall Heinrichs nicht der Fall. Deshalb habe die Partei Heinrichs Aufnahmeantrag auch nicht widersprochen. Außerdem sei die CDU eine Volkspartei, die „ein breites Meinungsspektrum“ abbilde. Da gehöre es dazu, dass man auch innerparteilich mal mit deutlicheren Worten miteinander streite oder „Pfälzisch“ rede. Das sei nicht immer schön oder hilfreich, aber eben auch nicht verwerflich. Und wer in den sozialen Medien zugange sei, müsse auch mit Beschimpfungen rechnen und damit umgehen können. Davon könne er selbst ein Lied singen, so Reichert.

Welches Verhältnis hat Oliver Duymel zur CDU?
Als Oliver Duymel ein junger Recke war, da wohnte er in Mittelbach und galt als Jungstar der Zweibrücker CDU. Die Partei sagte ihm eine große politische Zukunft voraus. Duymel kandidierte bei der Stadtratswahl 1994 auf dem fünften Listenplatz, sehr weit vorn für einen jungen Mann wie ihn. Nach wenigen Jahren im Stadtrat gab er seinen Sitz auf – auf Druck seiner eigenen Partei. Die näheren Umstände wurden nie geklärt. Intern hatte es wohl mächtig Zoff gegeben. Seit ein paar Jahren wohnt Duymel in Stambach und ist dort mit Susanne Duymel verheiratet, die im Vorstand der CDU Contwig sitzt. Nach eigenen Angaben unterstützt er das politische Engagement seiner Frau. Die drei Kinder des Paares besuchen den Kindergarten Stambach.

Was sagt der Kindergarten Stambach zu den Vorwürfen Oliver Duymels?
Bisher nichts. Die RHEINPFALZ hat gestern, wie auch schon vor Weihnachten, versucht, den Kindergarten telefonisch zu erreichen und dazu zu befragen. Ohne Erfolg. Der Kindergarten war gestern geöffnet. Er hat der auf dem Anrufbeantworter hinterlassenen Bitte um Rückruf nicht entsprochen.

Wie wirkt sich der Streit in der CDU auf die Wahlchancen der Contwiger CDU-Bürgermeisterkandidatin Nadine Brinette aus?
Im Mai 2019 holte der politische Neuling David Betz von der SPD im katholischen, einst tiefschwarzen Contwig beachtliche 37 Prozent gegen den erfahrenen, leutseligen Amtsinhaber Karlheinz Bärmann von der CDU. Nadine Brinette, die Bürgermeisterkandidatin der CDU, ist ein Neuling im politischen Geschäft, und muss sich erst einmal beweisen. Und auf einmal ist der Sozialdemokrat David Betz der erfahrenere Kandidat. Immerhin amtiert Betz als erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde und arbeitet im Büro der Bundestagsabgeordneten Angelika Glöckner. Der Hauskrach bei der CDU dürfte Brinette Stimmen kosten. Ob diese dann auch Betz zugute kommen, darf bezweifelt werden. Enttäuschte Christdemokraten werden eher Stimmenthaltung üben. Entscheidend wird sein, wie sich das Bärmann-Lager verhält.

Wie wirkt sich der Hauskrach bei der CDU auf die Landtagswahl aus?
Wenn es der CDU gelingt, das innerparteiliche Zerwürfnis auf Contwig zu begrenzen, dann dürfte das der CDU und ihrem Wahlkreiskandidaten Christoph Gensch ein paar Stimmen kosten, mehr aber nicht. Wenn sich das Zerwürfnis auf die CDU im gesamten Zweibrücker Land ausweitet, dann darf sich die junge Wahlkreiskandidatin der SPD, Rebecca Wendel, Hoffnungen machen, dem Platzhirsch Christoph Gensch (CDU) einen engen Kampf zu liefern, zumal sie als Lehrerin in Contwig dort nicht unbekannt ist.

Handelt es sich bei dem Krach innerhalb der CDU tatsächlich um ein Wiederaufflammen des alten, eigentlich schon vergessenen Konflikts zwischen „den Bechhofern“ und „den Contwigern“, den beiden alten Machtzentren der CDU im Zweibrücker Land?
Dieser These, jüngst an dieser Stelle geäußert, wurde inzwischen widersprochen. Zum einen seien die Protagonisten des alten Zwists inzwischen fast alle nicht mehr politisch aktiv, manche sogar nicht mehr am Leben. Björn Bernhard, der neue starke Mann der CDU im Zweibrücker Land, verstehe sich, trotz seiner Herkunft, nicht als Bechhofer, außerdem könne er gut mit allen Gruppierungen und Gliederungen der CDU, vor allem mit dem politischen Nachwuchs, der ja jetzt auch in Contwig Verantwortung übernehme. Folglich handele es sich um einen Contwig-internen Streit. Die anderen hielten sich raus, auch die Bechhofer.

Nadine Brinette (33) führt die CDU Contwig und will bei der Wahl im März zur Bürgermeisterin gewählt werden.
Nadine Brinette (33) führt die CDU Contwig und will bei der Wahl im März zur Bürgermeisterin gewählt werden.
David Betz (39, rechts) tritt als Kandidat der SPD gegen Brinette an. 2019 verlor er gegen Karlheinz Bärmann mit 37 zu 63 Prozen
David Betz (39, rechts) tritt als Kandidat der SPD gegen Brinette an. 2019 verlor er gegen Karlheinz Bärmann mit 37 zu 63 Prozent.
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