Vinningen
Deutsche und französische Feuerwehr: Wie die große gemeinsame Übung lief
„Hurra, hurra, die Schule brennt“. Der Neue-Deutsche-Welle-Schlager von Extrabreit trifft auf das Geschehen am Samstagmorgen an der Konrad-Adenauer-Schule – fast – zu. Schulleiterin Sabine Hofmann filmt den Großeinsatz mit dem Handy und scheint so gar nicht aufgeregt.
Um 9.27 Uhr eilen Feuerwehrfahrzeuge aus der gesamten Verbandsgemeinde Pirmasens-Land, dem angrenzenden Frankreich und dem Saarland zur Schule. Qualm steigt auf, Feuer lodert aus dem Obergeschoss. Was ist passiert? Bei Arbeiten auf dem Dach war es zu einer Explosion gekommen. Ursache unbekannt. Ein schwerverletzter Arbeiter steht auf einer Brüstung. Er blutet stark. Im Sekundentakt treffen Feuerwehrautos auf dem Schulhof ein. Einige Schaulustige filmen das Geschehen vom hinteren Bereich des Schulhofes aus.
Deutsche und französische Wehren üben gemeinsam
Der Brand und die Explosion sind fingiert. Es handelt sich um ein Übungsszenario. Der Einsatz von Feuerwehren der Verbandsgemeinde mit anderen Löscheinheiten wird geübt. Rund 150 Einsatzkräfte aus dem Bitscher Land, Brenschelbach im Saarland, und der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land sowie der ASB und das THW sind beteiligt. „Wir sind mit 21 Einsatzkräften aus Schweyen, Walschbronn, Meisenthal und einem Drohnenführer von der Bitscher Wehr vertreten“, informiert Bernard Müller von der Feuerwehr Schweyen. Der erfahrene Floriansjünger berichtet von gemeinsamen deutsch-französischen Übungen seit 1975.
Verbandsbürgermeister Klaus Weber hebt die Notwendigkeit solcher Großübungen hervor: „Die Koordination und Taktik abzustimmen und die deutsch-französische Freundschaft mit Leben zu füllen, das sind wesentliche Aspekte dieser Übung.“ Die Pirmasenser Bundestagsabgeordneten Angelika Glöckner und Florian Bilic sowie Kommunalpolitiker aus Frankreich und den Landkreisen gehören ebenfalls zu den interessierten Beobachtern.
Pyro 200 sorgt für Rauchschwaden und simulierte Brände
Der Verursacher der „Explosion“ hat ganze Arbeit geleistet. Helmut Hörig mit seinem Team von Pyro 2000 haben sich einiges einfallen lassen. Von Rauchschwaden im Gebäude über Geräuschentwicklung und simulierten Bränden innerhalb des Gebäudes reicht die Palette der Effekte. „Hat jemand von Ihnen etwas gesehen?“, fragt der Vinninger Wehrführer Maurice Müller an die Adresse der Schaulustigen gerichtet.
Eine Gruppe der Schweyener Wehr kümmert sich um die Erstversorgung des Schwerverletzten auf der Brüstung, bis wenige Minuten später die Drehleiter der Feuerwehr der Stadt Hornbach eintrifft. Die Bergung des jungen Mannes, der inzwischen nicht mehr ansprechbar ist, erfolgt im Korb der Drehleiter. ASB-Angehörige und First Responder übernehmen ihn. Beim Versuch, das Feuer zu löschen, wurde er schwer verletzt. Er leidet an Brandverletzungen zweiten Grades.
Papa und Tochter gemeinsam beim Einsatz
Der vermeintlich Schwerverletzte ist der Eppenbrunner Lyan Hartmann. Er kommt kurz zu Bewusstsein, um unsere Zeitung über seine Person zu informieren, und fällt dann wieder ins „Koma“. Derweil ist eine Drohne aufgestiegen, die der Einsatzleitung Fotos und Videos liefert, wie es um den Brand steht. Ein Angriffstrupp mit Atemschutz durchsucht die Schule, um darin befindliche Personen herauszuholen. Stefanie Heuss, Mia-Sophie Hunsicker, Helene und Melissa Nafziger gehören zu denen, deren Aufgabe es ist, unter Schock zu stehen und sich aus dem brennenden Schulgebäude retten zu lassen. „Mein Papa ist auch Feuerwehrmann“, erzählt Mia-Sophie. Auch Papa Julian Hunsicker ist im Einsatz, um die Tochter zu retten. Die Lage ist letztlich schnell bereinigt.
Wo noch Verbesserungsbedarf besteht, das wird in der Übungsnachbereitung angesprochen. Zeit für den geselligen Austausch bleibt bei dieser Übung mit internationalem Flair ebenso. Lehrer und Schüler können sich freuen: Hurra, hurra, die Schule brennt nicht mehr.