Kreis Südwestpfalz „Der wird mit der Zeit morsch“

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CONTWIG. Der Contwiger Freizeitclub FC Moas hat gestern, am 1. Mai, zum 16. Maibaumfest vors Rathaus eingeladen. Um 11 Uhr haben Moas-Mitglieder einen neuen Maibaum an der Kreuzung Haupt- und Bahnhofstraße aufgestellt, was so eigentlich nicht geplant war. Denn ein Gutachter hat empfohlen, den seit drei Jahre stehenden Maibaum aus Sicherheitsgründen zu ersetzen. Auch die Ausrichtung des Maibaumfestes sollte ursprünglich jemand anderes übernehmen: die Contwiger Feuerwehr. Weil aber der FC Moas die Maibaum-Tradition vor 16 Jahren startete und Patenverein für den Maibaum ist, kam gestern alles anders. Unser Mitarbeiter Mario Moschel unterhielt sich mit dem stellvertretenden Vorsitzenden des FC Moas, Walter Hüther.

Walter Hüther, der FC Moas hat mit dem Quatsch hier, also dem Maibaum, 1998 angefangen. Wie sind sie auf die Idee gekommen damals?

Wir haben damals in den Archiven geschaut, was früher alles so gemacht wurde im Ort. Um 1900 wurde noch ein Maibaum in Contwig gestellt, stand dort. Und das haben wir dann wieder aufleben lassen. Der Contwiger Moas-Maibaum war ja schon von Anfang ein ein ziemlich großer Kamerad? Das war 1998 ein Kamerad, der noch acht Meter höher war als der jetzige Maibaum, also 28 Meter lang war. Und der ist irgendwann einmal umgefallen? Ja, der ist umgefallen. Der ist beim Sturm abgeknickt. Das war nach etwa zwei Jahren. Seitdem wird der Maibaum in Contwig gutachterlich begleitet. Jedes Jahr kommt ein Gutachter und schaut nach, wie stabil der noch ist. Das muss so sein? Das muss so sein. Das ist einer vom Tüv. Der Baum darf zwischen fünf und maximal sieben Jahre lang stehen, im Regelfall steht ein Baum drei bis vier Jahre, dann wird er ausgewechselt. Der wievielte Baum ist das jetzt? Das dürfte der fünfte Contwiger Maibaum sein. Und alle hat der FC Moas gestellt? Ja, wir haben praktisch die Patenschaft über den Baum, hatten bis vor kurzem sogar eine eigene Versicherung dafür. Aber die Gemeinde hat ja auch eine, und die deckt das ab. Die Schilder der Zünfte und Vereine bleiben? Ja, die werden für einen neuen Baum gestrichen, restauriert und poliert. Warum muss eigentlich der Baum getauscht werden? Der wird mit der Zeit morsch. Durch die Bohrstellen, die für die Schilder im Stamm sind, dringt natürlich auch Wasser ein. Der fault dann von innen. Der Gutachter nimmt jedes Jahr Probebohrungen am Stamm und geht lieber auf die sichere Seite. Deshalb hat er uns empfohlen, einen neuen Baum zu stellen. Was ist das für ein Baum? Das ist eine Fichte aus dem Schwarzwald. Der aktuelle ist 21 Meter hoch. Am Stamm hängen das Wappen von Rheinland-Pfalz und das von Contwig oben, darunter an beiden Seiten die Schilder der 30 Contwiger Vereine. An Auslegern hängen dann außerdem 16 Tafeln mit den Zeichen der Zünfte, die in Contwig vertreten sind. Heute ist der 1. Mai. Außer, dass heute Morgen bekanntwurde, dass Heinz Schenk mit 89 Jahren starb, was bedeutet dieser Tag für sie? Der 1. Mai ist für mich immer ein Feiertag. Die Betonung liegt auf feiern. Entweder sind wir am wandern, oder wir machen ein Fest. Noch ist es trocken, die Leute wandern mit Bollerwägen herum. Sie schenken auf dem Rathausplatz Bier aus. Haben Sie nichts Besseres zu tun? Ja, einer muss es ja machen, sonst hat man keine Anlaufstelle als Maiwanderer. Unser Fest wurde von Anfang an gut angenommen, es macht richtig Spaß und ist vom Aufwand her überschaubar, weil es nur ein Tag ist, und es ist Freds Hochzeitstag (Alfred Sefrin, Moas-Vorsitzender, Anmerkung der Redaktion), deshalb ist er heute auch nicht da, weil er 30 Jahre verheiratet ist … Das verbinde ich auch noch mit dem 1. Mai. Fred ist aber nicht mit Ihnen verheiratet, weil Sie seinen Hochzeitstag so gut kennen? Nein, Gott sei Dank nicht. Aber der Tag ist eben so markant. Fred war der erste von uns, der heiraten ging, deshalb merkt man sich das. Was ist der FC Moas? Ein Saufclub? Nein. Einen trinken tun wir auch mal ganz gerne. Das gehört in guter Gesellschaft dazu. Aber wir sind ein Freizeit- und Kulturverein. Wir schauen regelmäßig, was im Dorf fehlt, was man organisieren könnte, was es schon lange nicht mehr gegeben hat. Beispielsweise die Kerwe wieder aufleben lassen. Die Aufgabe unserer 60 Mitglieder ist, sich immer wieder was Neues einfallen zu lassen. Kerwe ist ein Stichwort. Die gab es schon lange nicht mehr in Contwig? Ja, leider. Unsere Kinder sind zwischen 18 und 21 Jahren, dass wir in unserer Jugendgruppe überlegen, ob die das nicht übernehmen können. Wir versuchen, sie dafür zu gewinnen. Ist das ein Versprechen? Nein, das nicht. Die sind in aller Herren Länder verteilt, studieren und sind vermutlich zu weit entfernt. Und die älteren Moas-Mitglieder wollen nicht noch mal übernehmen? Als wir vergangenes Jahr die vielen 50er-Geburtstage hatten – wir sind fast alle 62er und 63er Jahrgänge –, ist das Thema hoch gekommen. Aber wir sind in einem Alter, in dem Straußbub wirklich nicht mehr sein muss. Dann lieber Maibaum stellen. Ja, und Oktoberfest feiern, das haben wir ja auch etabliert. Früher hatten wir eine legendäre Faschingsveranstaltung, die zu aufwendig wurde. Aber wir haben neue Ideen, beispielsweise einen Alm-Abtrieb. Die Gemeinde hat ja ein paar Rindviecher herumrennen, also jetzt nicht den Bürgermeister, sondern richtige Rindviecher. Da haben wird überlegt, wenn die im Herbst in den Stall getrieben werden durch die Dorfmitte, könnten wir ein Fest draus machen. Das hat es hier noch nie gegeben.

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