Dietrichingen RHEINPFALZ Plus Artikel Der Wald leistet Widerstand

Förster Uli Osterheld (links) zeigt den Dietrichingern ihren Wald.
Förster Uli Osterheld (links) zeigt den Dietrichingern ihren Wald.

Der Dietrichinger Wald bietet ausgezeichnete Voraussetzungen, auch zukünftig Angriffe durch Schädlinge, aber auch Trockenheit zu verkraften. Eine Fläche so groß wie ein Sportplatz ist allerdings dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen. Seit Oktober 2020 bewirtschaftet eine Privatfirma den Wald mit einem eigenen Förster. Im Juli steht ein Wechsel an.

„Der Dietrichinger Wald ist insgesamt gut aufgestellt“, sagt Bürgermeisterin Ulrike Vogelgesang. Dies ist das Ergebnis einer Waldbegehung, zu der sie zusammen mit Förster Uli Osterheld für Montag eingeladen hatte und der nahezu 20 Dietrichinger mit drei Hunden gefolgt waren. Neben der Bürgermeisterin und Mitgliedern des Gemeinderates waren auch Jäger und der Vorsitzende der Dietrichinger Jagdgenossenschaft, Christoph Wolf, sowie interessierte Bürger dabei. Zweieinhalb Stunden war die Gruppe ab dem Camp Dietrichingen teilweise bei strömendem Regen im Wald unterwegs, stellte Fragen und hörte Osterhelds Ausführungen zu. Der erklärte zuerst die generelle Funktionsweise des Waldes, wie Holz überhaupt wächst, und dann die Philosophie seines Arbeitgebers, der auch den Wald in Großsteinhausen und Hornbach betreut.

Buchen an Straße gefällt

Direkt nach Vertragsunterzeichnung im Oktober mussten die Mitarbeiter der Firma Schmitz an der L 478 Richtung Großsteinauser Mühle aktiv werden. Die Trockenheit der vergangenen drei Jahre hatte zusammen mit starker Sonneneinstrahlung die Buchen am Waldrand so stark geschädigt, dass sie gefällt wurden, weil sie nicht mehr stabil standen. Alleine durch diese Notmaßnahme war laut Förster Osterheld bereits knapp die Hälfte des geplanten jährlichen Einschlags erreicht, rund 180 Festmeter.

Insgesamt ist der Dietrichinger Wald ein Mischwald, der zwar auch sehr alten Baumbestand hat, aber mit seiner laut Vogelgesang „ausgleichenden Mischung“ gut aufgestellt ist. Laut Förster Uli Osterheld hat der Wald mehr als nur eine Nutzfunktion als Holzlieferant. Der Gemeindewald biete Erholung, habe eine Wasser- und Klimaschutzfunktion und schütze vor Bodenerosion. Wo andere Wälder, besonders solche mit wenigen unterschiedlichen Baumarten oder gar Monokulturen, gerade durch die starke Trockenheit der vergangenen Jahren Probleme haben, ist der Dietrichinger Wald durch viele verschiedene Arten relativ gut gerüstet. Weiterer Grund für den Optimismus von Osterheld und Vogelgesang ist auch die Lage. Muschelkalk und Sandstein böten eine gute Grundlage. „Hier kann man fast alles machen“, sagte Förster Uli Osterheld bezogen auf die Artenvielfalt.

Guter Boden, gute Grundlage

Eher trostlos sieht es dagegen in der Nähe des Camps in einer Ecke des Waldes aus, wo der Borkenkäfer einen Fichtenhain von der Größe eines Sportplatzes komplett zerstört hat. „Vor 50 Jahren hätte man das noch im Ansatz bekämpfen können, da ist der Förster noch täglich durch den Wald gelaufen. Das ist heute nicht mehr möglich und auch nicht mehr bezahlbar“, erklärte Osterheld. Allerdings wachsen dort auf dem Boden bereits neue Nachkömmlinge heran.

Dies sei besser als eine Aufforstung durch den Menschen, weil sich diese jungen Pflanzen besser an die Gegebenheiten vor Ort anpassten als hingepflanzte Bäume. Für Ortsbürgermeisterin Ulrike Vogelgesang ist die Aufforstung auch eine finanzielle Frage. „Aufforstung kostet viel Geld, und man weiß nie, was am Ende davon bleibt“, sagte sie.

Neuer Förster ab Juli

Insgesamt 1580 Festmeter Holzeinschlag hat die Firma Schmitz im Dreijahresplan für Dietrichingen vorgesehen – ein Teil davon in sehr altem Baumbestand an einem Steilhang in Richtung Großsteinhauser Kläranlage. Buchen und Eichen wachsen dort auf eher schlechtem Boden. Dort ist eine Lichtung durch Minimaleinschlag geplant, sodass die gesunden Bäume mehr Licht bekommen. Uli Osterheld wird das aber nicht mehr machen, denn die Firma Schmitz hat einen neuen Mitarbeiter eingestellt und für Dietrichingen eingeteilt. Ab 1. Juli wird Alexander Mayer für die Firma Schmitz im Dietrichinger Wald verantwortlich sein.

Positiv bewertete die Ortsbürgermeisterin, die im Namen des Gemeinderates im Oktober 2020 einen unbefristeten Bewirtschaftungsvertrag mit der Firma Schmitz geschlossen hat, die unkomplizierte Brennholzvermarktung mit Schmitz. „Das klappt prima. Wenn beispielsweise mal ein Baum umfällt, muss nicht gleich die Firma anrücken, dann rufen die einige Dietrichinger an, die sie auf einer Liste von Selbstwerbern haben, und fragen, ob sie das Holz haben wollen. Und dann ist der Baum ruckzuck weg“, so Bürgermeisterin Vogelgesang.

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