Rodalben RHEINPFALZ Plus Artikel Der Pfälzerwald kommt ins Kino

Auf seinem Fahrrad hat er sämtliches Equipment zum Filmen. Filmemacher Stefan Erdmann hat unter anderem am Rodalber Bärenfelsen
Auf seinem Fahrrad hat er sämtliches Equipment zum Filmen. Filmemacher Stefan Erdmann hat unter anderem am Rodalber Bärenfelsen gedreht für seinen neuen Kinofilm »Die Seele des Waldes«.

Eine zufällige Begegnung bringt manchmal Besonderes ans Tageslicht. So geschehen kürzlich auf dem Felsenwanderweg. Dort kreuzten sich die Wege eines Joggers und eines Radfahrers mit ungewöhnlicher Ausrüstung. Gut, dass der Jogger ein RHEINPFALZ-Mitarbeiter war.

„Wie weit ist es noch zur Bärenhöhle?“, fragt ein Radfahrer, der mir auf dem Felsenwanderweg entgegen kommt. Auf dem Gepäckträger seines Tourenrades ist eine große graue Kiste befestigt. Für Proviant deutlich zu groß, für ein Zelt ungeeignet. „Ihr Ziel ist noch gut anderthalb Kilometer entfernt“, sage ich ihm, verbunden mit dem Appell, gut aufzupassen, denn nach anhaltendem Regen ist es sehr rutschig. „Ich schiebe“, sagt mir der Mann mit bayrischem Dialekt und wir kommen ins Gespräch. In der grauen Kiste ist eine Filmkamera und der „Radtourist“ entpuppt sich als freischaffender Filmemacher Stefan Erdmann aus Übersee am Chiemsee. „Ich bin seit einigen Tagen in der Südwestpfalz und mache Filmaufnahmen für einen Kinofilm, der im kommenden Jahr erscheinen wird“, sagt er und blickt immer wieder in die inzwischen grünen Baumwipfel des Buchenbestandes. „Die Seele des Waldes“, soll der neue Film heißen, und eine Hauptrolle wird auch die Bärenhöhle bekommen.

Die Natur in vielen kleinen Nuancen zeigen

„Eine große Rolle im Film spielt der Pfälzerwald“, sagt Erdmann. Mehr als das: Zu sehen, zu fühlen und zu hören. Stefan Erdmann erklärt mir: „Es gibt viele schöne Filme über Wälder, dieser Film soll anders werden, er soll die Natürlichkeit der Natur zeigen mit all ihren Facetten.“ Es geht ihm bei seinen Filmaufnahmen nicht um wissenschaftliche Fakten, nicht um technische Kniffe, wie beispielsweise aufgehende Blüten im Zeitraffer zu zeigen oder Pilze beim Wachstum zu filmen. Es geht ihm um die Natur selbst, um die vielen kleinen Nuancen einzelner Waldregionen. „Da fließt ein kleiner Bach, hier wächst gerade ein Farn und dort fliegt ein Schmetterling.“ Die Dinge so zu filmen, wie sie die Natur zeigt, das ist sein Anspruch. Dafür braucht es Zeit. „An einzelne Filmorte komme ich mitunter zig mal, bis alle Details passen“, erzählt er. Fast eine halbe Stunde lang filmt er die obere Bärenhöhle. Kein Besucher stört die Aufnahmen, das Wetter am Dienstag ist allerdings launisch. Vom Sonnenschein über Gewitter bis Graupelschauer bietet Petrus alle Wetterkapriolen.

Das Drehbuch gibt die Natur vor

„Das Display des Monitors hat gelitten“, stellt er fest und zeigt mir einen Kratzer, während er sein Filmequipment auspackt und achselzuckend feststellt: „Ich hab’ den Weg hierher tatsächlich unterschätzt, sonst wär’ ich gelaufen anstatt zu fahren.“ Dass irgendwelche „Vollpfosten“, wie er sagt, an diesem Naturdenkmal Abfall wie leere Bierflaschen, Coladosen und Plastiktüten hinterlassen, sei ein Phänomen, das häufiger festzustellen sei. „Missachtung der Natur“, nennt er das. Nach Beendung der Aufnahme helfe ich, das gefühlt tonnenschwere Vehikel den steilen Pfad von der Bärenhöhle hinunter zum Talweg zu schieben.

Die meisten seiner Ziele erwandert der Filmemacher, heute ist er mit seinem Tourenrad schon in der Hexenklamm bei Gersbach unterwegs gewesen. „Wenn ich einen Wald betrete, breitet sich in mir sofort diese besondere Ruhe aus.“ Sogenannte „Fotospots“, wie viele Orte von Instagram-Fotografen bezeichnet werden, mit allen Geodaten und Beschreibungen veröffentlicht werden, meide er aber, erzählt er. „Oder ich besuche solche Orte antizyklisch, dann bin ich dort alleine.“

Das Drehbuch gibt die Natur vor. Regie, Produktion und Vermarktung betreibt der gelernte Typograph und Grafiker selbst. Die Filmmusik schreibt er gemeinsam mit einem Filmkomponisten, ebenfalls größtenteils in Eigenregie. „Gerade die Filmmusik nimmt viel Zeit in Anspruch, sie unterstreicht akustisch, was visuell gezeigt wird, die Symbiose rundet einen Film ab“, erzählt er.

Von Kind an dem Wald verbunden

Seit Kindesbeinen an hegt Stefan Erdmann eine große Affinität zu Wäldern. „Während meine Freunde an Mofas herumschraubten, streifte ich im Wald umher“, erinnert er sich. Als junger Mann machte er Musik, war Gitarrist, Keyboarder und Schlagzeuger. Dabei drehte der Musiker auch Videos. Inzwischen hat der 55-jährige Bayer einige Filmproduktionen veröffentlicht, darunter ein Film über Island und die Inselgruppe der Kanaren. Den Pfälzerwald hat Erdmann zum ersten Mal gesehen und kriegt gar nicht genug davon. „Ich werde heute Abend noch in der Gegend bei Busenberg in der Nähe des Drachenfels filmen, gegen 20 Uhr reißt meist der Himmel noch mal auf, der Nebel steigt in Säulen hoch, das gibt wunderschöne Filmaufnahmen“, sagt er voller Enthusiasmus.

Einzige Einnahmequelle sind die Eintrittsgelder, die sich der Filmemacher mit den Kinobesitzern teilt. Die Pandemie macht ihm finanziell schwer zu schaffen. Keine Kinobesuche, null Einnahmen, lautet seine einfache Rechnung. Dennoch lässt er sich seinen Optimismus nicht nehmen. Heute im Pfälzerwald, nächste Woche in der Lüneburger Heide und übernächste Woche in einem Wald an der Ostsee, das sind die nächsten Ziele Stefan Erdmanns.

Zu Filmer und Film

Erste Ausschnitte von den Aufnahmen sind auf dem Youtube-Kanal von Stefan Erdmann zu sehen. Der neue Film soll Anfang 2022 fertig sein. Weitere Infos gibt es auf der Homepage unter www.erdmannfilm.de.

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