Hauenstein RHEINPFALZ Plus Artikel Der Pfälzer Keschdemarkt in Hauenstein feiert 25. Jubiläum

Zum 25. Mal wird am Sonntag der Hääschdner Keschedmarkt gefeiert.
Zum 25. Mal wird am Sonntag der Hääschdner Keschedmarkt gefeiert.

Beinahe kam es um die Jahrtausendwende zu einem Keschdekrieg an der Grenze von Süd- und Südwestpfalz. Hauenstein rief den ersten Pfälzer Keschdemarkt ins Leben – Annweiler folgte auf dem Fuß. Um die Kastanie herrscht heute eine regelrechte Euphorie.

Hauenstein kreierte vor einem Vierteljahrhundert den ersten Keschdemarkt in der Pfalz. Am Sonntag, 20. Oktober, findet also der 25. Hääschdner Jubiläums-Keschdemarkt statt. Zu diesem Markt kommen alljährlich viele Tausend Besucher aus der ganzen Region ins Schuh- und Wanderdorf.

Der Markt läutet die Herbst- und Kastanienwochen in der Keschde-Hochburg im Wasgau ein. Da gibt es beispielsweise auf der Sonder-Speisekarte des Landgasthofes „Zum Ochsen“ 23 Angebote mit Kastanien. Diese wird auch in Produkten der Metzgerei Braun und mehrerer Bäckereien verarbeitet. Dabei mit Kastanienprodukten ist etwa auch das Weinlädchen Feith, dessen Besitzer Christof Feith (55) zu den Ideengebern des Keschdemarkts im Millennium-Jahr 2000 zählt.

Auf der Suche nach einem Alleinstellungsmerkmal

Damals hätte es an der Nahtstelle zwischen Südwest- und Südpfalz beinahe einen handfesten Keschdekrieg zwischen Hauenstein und Annweiler gegeben. Im Schuh- und Luftkurort suchte man nach einer neuen Marketingstrategie mit Alleinstellungsmerkmal. Und die Macher wurden bald im 1996 eröffneten Deutschen Schuhmuseum fündig, wo es den deutschlandweit einzigen noch erhaltenen Kastanienschuh aus der Ardèche in Frankreich gibt. Beim weiteren Nachsinnen stellten die pfiffigen Hääschdner fest, dass es doch in der Tat in der gesamten Pfalz nicht ein einziges Kastanienfest oder einen Kastanienmarkt gab – eigentlich kaum zu glauben, werden doch in der kastanienreichen Pfalz die Feste sonst gefeiert, wie sie fallen.

So waren die Hauensteiner doch tatsächlich die ersten in der Pfalz, die um die Jahrtausendwende die Keschde-Euphorie als eine glänzende Marketingidee in die Tat umsetzten. Schon beim ersten Pfälzer Keschdemarkt war der Besucherzulauf bei herrlichem Oktoberwetter enorm.

Der gemeinsame Keschdeweg wird kreiert

Schon im Folgejahr kam es zu ersten Fehden mit den Annweilerer Nachbarn, die just im Jahre 2001 für das gleiche Wochenende ein eigenes Keschdefest ankündigen. Da glühten die Telefondrähte in den Rathäusern. Aber wie es so kommt, wenn man lange streitet: Man sucht unter guten alten Nachbarn einen Kompromiss, mit dem alle leben konnten.

Die touristische Streitaxt wurde bald begraben – und gemeinsam der Premium-Wanderweg Pfälzer Keschdeweg aus der Taufe gehoben. Er führt vom Hauensteiner Schuhmuseum über Annweiler und Edenkoben nach Neustadt, mitten durch die schönsten Kastanienwälder und die herbstlichen Fluren der Südpfalz. Außerdem gibt es heute an der Schwelle von der Südwestpfalz zur Südpfalz wunderbare Keschdefeste im Oktober.

Was auf dem Weg zu entdecken ist

Der Pfälzer Keschdeweg führt nicht von ungefähr weiter über Edenkoben. Denn dort sang schon vor 200 Jahren der Bayernkönig Ludwig I. (1786-1868) eine Lobeshymne auf die Kastanie. Er war ein Förderer der „südlichen Frucht“, der Castanea Sativa, die die alten Römer vor 2000 Jahren über die Alpen in die Pfalz mitgebracht haben. Mehr als einmal sprach Ludwig I., wenn er in seine seit 1816 zu Bayern gehörende Pfalz kam, von der „schönsten Quadratmeile meines Reiches“. Seine Sommerresidenz ließ er am Waldrand bei Edenkoben inmitten von Kastanienhainen bauen. Seine Liebe zu den vollen braunen Herbstfrüchten soll der Bayernmonarch in die verklärenden Worte gekleidet haben: „Die Kastanie ist des südlichsten Klimas bester Zeuge.“

Die Kastanie war auch schon immer ein gerne gemaltes Objekt. Wer in Annweiler einen Seitenzweig des Pfälzer Keschdeweges erwandert, der kommt am Slevogthof an einer der schönsten Stellen der Pfalz: Der große Pfälzer Maler Max Slevogt, der von 1914 bis zu seinem Tod 1932 dort lebte, malte immer wieder den Pfälzer Herbst. Eines seiner berühmten Herbstbilder hängt in den opulenten Wohnräumen mit Wald- und Deckenfresken hoch über Leinsweiler und zeigt Slevogts Frau Nini im Kastanienwald.

Info

Der 25. Jubiläums-Keschdemarkt wird durch den neuen Ortsbürgermeister Steffen Mellein am Sonntag, 20. Oktober, um 11 Uhr auf dem Johann-Naab-Platz eröffnet. Es spielt der Hauensteiner Musikverein. Die Geschäfte sind geöffnet. Der Markt endet um 18 Uhr.

Beim ersten Pfälzer Keschdemarkt kreierte der Hauensteiner Verkehrsverein den original Hääschdner Keschdeflammkuchen.
Beim ersten Pfälzer Keschdemarkt kreierte der Hauensteiner Verkehrsverein den original Hääschdner Keschdeflammkuchen.
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