Lemberg RHEINPFALZ Plus Artikel Der neue Pfarrer geht unter die Leute

Kevin Gutgesell ist der neue protestantische Pfarrer in Lemberg.
Kevin Gutgesell ist der neue protestantische Pfarrer in Lemberg.

Voller Elan will sich der neue protestantische Pfarrer in Lemberg der schwindenden Zahl an Mitglieder entgegenstemmen. „Ich bin nicht der Insolvenzverwalter“, betont Kevin Gutgesell, der seit wenigen Tagen im Pfarrheim lebt und viel in der Gemeinde unterwegs ist, um zuzuhören.

29 Jahre alt ist Kevin Gutgesell und vielleicht hat der ein oder andere ihn schon gehört. Von September bis Dezember absolvierte er ein Vikariat beim Saarländischen Rundfunk, spricht theologische Texte für den SR, BigFM oder RPR1. „Das macht mir richtig Spaß“, erzählt der gut gelaunte Pfarrer im früheren Büro seines Vorgängers Klaus Westenweller, das sichtbar noch nicht neu bezogen wurde. Mit Westenweller habe er gleich nach seiner Ankunft einen Kaffee getrunken. Das würde er auch gerne noch mit vielen anderen tun. Coronabedingt müsse das aber noch warten. Entsprechend lang sei auch die Liste an abzuarbeitenden Taufen, Trauungen und anderen Anlässen, bei denen ein Pfarrer zugegen sein sollte. „Das ist alles aufgeschoben worden und kommt jetzt“, meint Gutgesell lachend und freut sich auf die Gelegenheiten, sich den Gemeindemitgliedern zu präsentieren.

„Ich finde es hier großartig“, so sein erster Eindruck von Lemberg. In der Region war er schon länger. In der Pirmasenser Pauluskirche hat er sein Vikariat absolviert, davor war er in Lambrecht in einer Kindertagesstätte als Hilfserzieher. „Ich wollte mal sehen, was es bedeutet, als Erzieher zu arbeiten.“ Die Wälder rund um Lemberg haben es dem jungen Mann angetan. „Ich wandere gerne“, sagt er und das Laufen im Wald nutze er auch nach einer besonderen Beerdigung oder anderen Ereignissen, die ihn beschäftigen, um sich den Kopf freizulaufen, wie er es nennt.

„Das müsste man besser machen“

Seine Jugend verbrachte er in Hintersteinau bei Fulda. Zum Studium ging es nach Bayern nach Neuendettelsau an die dortige kirchliche Hochschule. Ein längerer Aufenthalt in den USA folgte sowie ein weiteres Studium in Mainz, bevor er den Abschluss in Neuendettelsau machte. Als Jugendlicher habe er mit Kirche nicht viel anfangen können, gesteht er. Bei Sommerfreizeiten sei er der Kirche näher gekommen, obwohl er damals auch Pfarrer erlebt habe, die ihren Job nicht gut gemacht haben. „Das müsste man besser machen können“, dachte sich der junge Mann und schrieb sich für Theologie in Neuendettelsau ein. Eine Hochschule, die weltweit wegen der vielen dort ausgebildeten Missionare einen hervorragenden Ruf genießt. „Ich wollte wissen, was die Welt im Innersten zusammen hält.“

Inzwischen sei er ganz begeistert von dem Beruf mit Berufung. „Ich sehe nichts, was besser wäre“, betont er und erzählt vom Vikariat in Pirmasens, als er mitten in der Corona-Pandemie zu Sterbenden im Krankenhaus gehen durfte. Zu einer Zeit, als niemand sonst Zutritt hatte. „Ich hatte das Privileg da zu sein“, sagt Gutgesell, und das wolle er auch bei vielen anderen Anlässen in Lemberg und seinen Annexen. „Ich will hingehen und präsent sein bei der Kerwe oder dem Weihnachtsmarkt.“

Den Austritten entgegenwirken

Die früher praktizierte „Komm-Struktur“ der Kirche, bei der Pfarrer im Pfarramt auf die Schäfchen gewartet haben, könne nicht mehr weiterhelfen angesichts der auch in Lemberg steigenden Zahlen von Austritten. 1800 Mitglieder habe die protestantische Kirche noch in Lemberg und den Annexen. Es sei eine der wenigen, die sich noch auf eine Gemeinde beschränkten.

Gutgesell wird jetzt, wie in der protestantischen Kirche üblich, erstmal drei Jahre in Lemberg bleiben. Dann kann das Presbyterium sagen, ob er weiter machen soll. Ob er so lange wie sein Vorgänger Klaus Westenweller bleiben wird, will er heute noch nicht sagen. Ausgeschlossen sei es nicht.

Seine Ordination ist am 24. April, bis dahin stehen natürlich noch viele Begegnungen an, wenn er rausgeht ins Dorf.

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