Kreis Südwestpfalz Der Mann, der Benno Fürmann Aufträge erteilt

REIFENBERG/MARTINSHÖHE. Ob sein Name im Abspann auftaucht, weiß Markus Laininger nicht, denn er hat den Film noch nicht gesehen. Als die Einladung zur Premiere kam, hatte er gerade den Arbeitgeber gewechselt, und die E-Mail ging an die alte Adresse. Aber der 36-Jährige, der aus Martinshöhe stammt und jetzt in Reifenberg wohnt, glaubt schon, dass irgendwann am Ende von „Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss“ – weit unter den Namen Benno Führmann und Mavie Hörbiger – auch Markus Laininger steht: „Ich hab’ den Trailer gesehen, da sieht man schon bisschen was von meiner Arbeit.“
Seine Arbeit, das waren vor allem zwei Dinge: Er sollte ein modernes Smartphone so programmieren, dass alles aussieht, als sei es zehn Jahre alt, aber für damals topmodern. Und es ging um eine riesigen Monitor, auf dem Landkarten zu sehen sind – samt blinkender Punkte. Die musste man auch umschalten können vom Raum Köln auf Europa. In sich richtig funktionieren musste das Ganze nicht, „aber es muss halt gut aussehen“, erzählt er und ergänzt: „Nicht billig nach Photoshop.“ Dabei hat Markus Laininger, der in Zweibrücken auf die Realschule ging und die Fachhochschule besuchte, mit Film gar nichts zu tun. Er arbeitete an einer Kölner Hochschule und half dort, eine Computer-Lern-Plattform aufzubauen, als ihn ein Freund ansprach, der vom Kabelträger bei Stefan Raab zur Requisite beim Film kam und auch schon Aufträge für Filme des Regisseurs Lars von Trier übernommen hatte: „Die brauchten ein paar Sachen digital; ob ich da nicht was machen könnte.“ Am Ende programmierte er Apps für eine der wichtigsten Requisiten des Films: das Smartphone, das aussehen musste, als wäre es im Jahr 2005 seiner Zeit weit voraus gewesen. Die Geschichte: Die EU hat Agenten als Profikiller ausgebildet, aber es mangelt an Aufträgen. So sitzt Killer Koralnik (Benno Fürmann, der auch die Hauptrolle in „Nordwand“ spielte) jahrein, jahraus gelangweilt in seiner Bude. Just als er überraschend eine Frau kennenlernt, erhält er nach Jahren des Wartens den ersten Auftrag – über jenes Telefon, mit dem seine Vorgesetzten Kontakt aufnehmen. „Das Ding ist schon zehn Jahre alt und wurde nie benutzt. Es sollte schon einen Touch von altmodisch haben“, erklärt Markus Laininger. So nahm er sich ein Android-Handy und sorgte erst einmal dafür, dass die Statusleiste und der Home-Button auf dem Display verschwinden. Dann schrieb er ein Programm, das so aussah, als liefen wichtige Nachrichten ein. Das alles so, dass man es auch auf der Leinwand lesen konnte. Wie in einer der Schlüsselszenen des Films: Koralnik, der acht Jahre lang immer wieder aufs Handy gestarrt hatte und „0 MISSIONS“ (0 Aufträge) lesen musste, kann es nicht glauben: „1 MISSION“. Ausgerechnet an dem Abend, an dem er sein erstes Date seit Jahren hat. Sechs Wochen hat Markus Laininger in seiner Freizeit an den Programmen gearbeitet, viel Geld hat er nicht dafür bekommen, eher eine Aufwandsentschädigung. Denn die Tragikomödie, die 2014 im Sommer beim Filmfestival in Locarno gezeigt wurde (Kinostart war am 14. November 2014, DVD-Start ist am 27. Juni 2015), ist eher eine Low-Budget-Produktion. In der Pfalz war sie gar nicht im Kino, im Saarbrücker Camera Zwo lief sie eine Woche. Aber ums Geld sei es auch nicht gegangen: „Es hat auf jeden Fall Spaß gemacht.“ Zwar hätte Markus Laininger weitere Aufträge bekommen können, aber dafür hätte die Zeit nicht gereicht. Denn er arbeitet mittlerweile bei einer Firma, die Berechnungs- und Simulationssoftware für Planer und Handwerker herstellt und programmiert, der Hottgenroth GmbH mit Sitz in Köln – und seit einer Woche auch Zweibrücken. Das mit Zweibrücken liegt aber nicht an Markus Laininger, sondern an einem Kollegen, der vor ihm in der Firma war, aus Wallhalben kommt und dort eine Zweigstelle aufgebaut hat. Die hat nun den Sitz an den Hallplatz verlegt. Von dort sind die Rechner über eine Standleitung mit dem Hauptsitz in Köln verbunden, was noch nicht zufriedenstellend ist: Die Telekom kann derzeit nur eine Geschwindigkeit von zwei Mbit/s bereitstellen – DSL 2000. Zum Vergleich: Wer in Biedershausen nah genug am Verteiler wohnt, erreicht die 50-fache Geschwindigkeit. Die geringe Geschwindigkeit ist zum Beispiel dann problematisch, wenn man große Dateien herunterladen muss: „Für alles braucht man halt ne dicke Leitung.“ Mit der Arbeitsstelle in Zweibrücken kehrt Markus Laininger in die Stadt zurück, in der er zwei Studienabschlüsse gemacht hat: sein Diplom in Digitale Medien 2008 und den Master in Informatik 2010. Außerdem forschte er am DFKI (Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz) in Kaiserslautern und an einer Universität in Barcelona. In Spanien überlegte er, wie man das System der Musikempfehlungen verbessern kann. Hier gebe es zwei grundsätzliche Möglichkeiten, erklärt er. Entweder man schaut auf den Musikgeschmack eines Internetnutzers und empfiehlt ihm eine neue Band, die jemand mit sehr ähnlichem Geschmack mag. Oder man analysiert ein Lied anhand von über 200 Parametern – wie Höhen, Beats pro Minute und dem Klangspektrum – und empfiehlt eins mit ähnlichen Werten. An der Zweibrücker Fachhochschule wiederum hat er an etwas gearbeitet, das nichts mit dem Hören, sondern mit dem Sehen zu tun hat: Es ging darum, Computergrafiken herzustellen, in denen das Licht möglichst echt zurückgeworfen. Solche Grafiken werden beispielsweise in der Werbung verwendet. Der Fernsehzuschauer sieht ein Auto auf einem Hügel, und auf dem Lack spiegelt sich das Sonnenlicht. Alles echt, bis auf genau das, worum es geht: „Das Auto war nie da.“