Kreis Südwestpfalz „Der fährt erstmal nicht weiter“
«Waldmohr.» Sonntag, 19 Uhr. Beamte der Autobahnpolizei Kaiserslautern, unterstützt von der Bundespolizei, beginnen ihren Rundgang auf dem Rasthof in Waldmohr an der A 6. Ihr Ziel: alkoholisierte Lastwagenfahrer an der Weiterfahrt zu hindern, die sonntags ab 22 Uhr erlaubt ist. Dienststellenleiter Heiko Thum hat sein Team kaum eingewiesen, da vermeldet Steffen Sandmeier den ersten Erfolg. „Da hinten hat einer schon 0,76 Promille. Um zehn fährt der mal nicht weiter“, sagt der Beamte. Sandmeier ist seit 40 Jahren im Polizeidienst. Er kennt die Tricks der Fahrer, wie sich später noch zeigen wird. „Die Fahrer knallen sich jedes Wochenende voll, wenn sie nicht fahren dürfen“, erzählt er: „Das kann man anders nicht sagen.“ Langeweile spielt eine Rolle, aber auch, dass sie sich nicht von ihren Trucks wegbewegen dürfen. Sandmeier schildert einen Extremfall: „Da gab es mal einen, den wir mit 2,94 Promille aus dem Laster geholt haben. Und das war ein Gefahrguttransporter.“ Da müsse der Fahrer generell 0,0 Promille haben. Der nächste Lasterfahrer kann – oder will – nicht richtig ins Testgerät pusten. „Der will mich jetzt veräppeln“, meint Sandmeier und ergänzt in Richtung Fahrer: „Wenn da jetzt gleich 2,8 Promille rauskommen, haben wir ein Problem.“ Schließlich gelingt es dem Mann nach einigen Fehlversuchen, in den Alkoholtester zu blasen. Und siehe da: 1,86 Promille Atemalkohol im ersten Test, beim zweiten im Polizeibus etwas weniger. Bei so vielen Dienstjahren auf dem Buckel kann Sandmeier mit vielen Geschichten aufwarten. Einmal seien er und seine Kollegen auf den Autobahnrasthof Waldmohr gerufen worden. Eine Schlägerei unter Truckern, hieß es. Alkohol sei natürlich auch im Spiel gewesen. An Ort und Stelle fanden sie prompt den geschädigten Brummifahrer. „Er sah mit seiner gebrochenen Nase und dem Blut im Gesicht auch aus wie nach einer Schlägerei“, erzählt der Polizist. Schnell habe es sich aber herausgestellt, dass der Fahrer mit über drei Promille aus dem Führerhaus seines Lasters gestürzt war und sich dabei verletzt hatte. Inzwischen scheint sich die Polizeikontrolle unter osteuropäischen Fahrern herumgesprochen zu haben. Einige spazieren nun über das Gelände. Dabei fällt den Beamten ein auffälliger Mann ins Auge. Auf Nachfrage, ob er Lkw-Fahrer sei, antwortet er, dass er Tourist sei. Allerdings schwankt der „Tourist“ ziemlich, und seine Alkoholfahne ist kaum zu verbergen. jetzt soll er den Polizisten zeigen, wo sein Auto steht. „Von wegen“, sagt Steffen Sandmeier, „da steht sein 40-Tonner.“ Auch dieser Mann hat getrunken, das Testgerät zeigt den Wert von 0,78 Promille an. Der Polizist reagiert verärgert, denn es handelt sich hier um einen Gefahrguttransport. Allerdings hat der Fahrer, wie jeder andere an diesem Abend auch, keine Konsequenzen zu befürchten. Die Männer dürfen lediglich nicht weiterfahren, sondern erst dann, wenn sie wieder nüchtern sind. Nach einiger Zeit hat sich die Aktion offensichtlich derart herumgesprochen, dass immer mehr Brummifahrer gar nicht mehr auf das Anklopfen der Polizisten reagieren. Da hilft nichts: keine grelle Taschenlampe ins Führerhaus halten und kein noch so festes Klopfen. Die Schotten bleiben dicht. Denn in diesem Fall dürfen die Beamten nicht weiter vorgehen. „Die richtigen Granaten machen den Lkw nicht mehr auf oder gehen auf die Toilette und kommen erstmal nicht mehr“, weiß Steffen Sandmeier. Er hat aber noch einen Geheimtipp für seine Kollegen: Etwas abseits stehen viele Kleintransporter, Sprinter genannt. Bei deren Fahrern gehe es häufig besonders hoch her. An diesem Sonntagabend jedoch nicht: Die Fahrer sind laut Alkohol-Schnelltest sauber, auch gibt es keinen ernsthaften Verdacht auf Drogenkonsum. Für Dienststellenleiter Heiko Thum sind solche öffentlichkeitswirksamen Kontrollen sehr wichtig. „Wir haben im vergangenen Jahr zirka 200 Fahrer überprüft, und bei jedem Fünften wurde erfolgreich auf Alkohol getestet“, erzählt er. Dabei erhoffe er sich durch solche Vorbeugungsmaßnahmen, bei denen den Fahrern lediglich das Weiterfahren verwehrt wird, dass der Ernstfall nie eintritt. Im Polizeibus sind inzwischen alle Informationsblätter für die Fahrer mehrsprachig, sodass die Trucker Bescheid wissen, wo sie vor der Weiterfahrt ihre Papiere wiederbekommen. „Wir wollen in Zukunft dann auch weitere Aktionen starten, bei denen nicht nur die Prävention im Vordergrund steht, sondern die Fahrer auch mit Konsequenzen rechnen müssen“, erklärt Heiko Thum. „Insgesamt wurden an beiden Kontrollstellen, in Waldmohr und Ramstein, 72 Lkw überprüft und bei 14 Fahrern wurde eine so hohe Alkoholisierung festgestellt, dass die Ab- und Weiterfahrt untersagt werden musste“, fasst der Dienststellenleiter abschließend zusammen. Der „Spitzenwert“ habe dabei bei 1,84 Promille gelegen. Außerdem habe man noch vier Verstöße gegen das Sonntagsfahrverbot und zwei Verstöße gegen die Sozialvorschriften festgestellt.