Kreis Südwestpfalz Der Baum, der seinen Kameraden vermisst

„Mir hat das sehr gut gefallen,“ strahlte der zwölfjährige Jonas Kruck nach dem Weihnachtskonzert des Zweibrücker Kinderchores am Montagabend in der protestantischen Kirche in Contwig. „Und dass sich die Kinder auch getraut haben zu singen, besonders die Kleinen, das fand ich toll.“
Klassische Weihnachtslieder, aber auch Neukompositionen standen auf dem Programm. Das Konzert gestaltete der Zweibrücker Kinderchor unter Leitung von Helmut Hofmann, der auch die Klavierbegleitung übernahm, zusammen mit Sopranistin Sabrina Sewohl, Altistin Alina Schrems, Tenor Jörg Franz, Bariton, Björn Busch-Geertsema, Flötistin Tatjana Flickinger und Erzählerin Silvia Bervingas. Etwa 150 Besucher in der hell erleuchteten Kirche mit dem großen, festlich geschmückten Weihnachtsbaum waren begeistert. Nach dem munteren „Advent“-Lied der Kinder zur Begrüßung brachte Tatjana Flickingers ätherisch-schwebender und doch so warmer Flötenton in Benedetto Marcellos (1686-1739) Allegro eine besinnliche Note in den Abend. Die griff das Sängerquartett (Sabrina Sewohl, Alina Schrems, Jörg Franz und Björn Busch-Geertsema) auf mit einer Neukomposition auf Rainer Maria Rilkes „Es treibt der Wind im Winterwald“. Einen kritischen Blick aus ungewohnter Perspektive warf die Zweibrücker Schauspieleirn Silvia Berlingas auf den mit dem Christfest verbundenen Konsum in ihrer Lesung über eine Linde, die Weihnachten aus der Sicht eines Baumes beschrieb, der seinen Kameraden vermisst: Draußen ist es bitterkalt, im warmen Zimmer dagegen strahlen die Kindergesichter rund um den Tannenbaum, es duftet nach Äpfeln, aber auch nach der harzenden Wunde des abgeschlagenen Baumes – stille Tränen inmitten der Feststimmung. Auch das Loblied auf den Tannenbaum, das das Quartett ganz im Stil der bürgerlichen Salonkultur anschließend sang, erhielt in diesem Kontext trotz des zart-schwebenden Sopransolos von Sabrina Sewohl melancholische Untertöne. Doch die Stimmung heiterte sich schnell wieder auf, als der Kinderchor frisch und frohgemut forderte: „Einen Engel, Gott, den brauch′ ich jetzt!“ Und da stehen ja bekanntlich einige zur Auswahl, um die Weihnachtswünsche zu erfüllen, wie zum Beispiel Michael, Gabriel, Raphael und Uriel. Zu der munter hüpfenden, ausdrucksvollen Flötenmelodie von Tatjana Flickinger kommt es zu einem kecken Streit nach Noten, welches Kind denn nun welchen Engel bekommt. Ihre souveräne Gestaltungskunst auch in kleinen, feinen Stücken stellte Tatjana Flickinger mit ihrer Blockflöte im Allegro aus Antonio Corellis (1653-1713) op. 5 überzeugend unter Beweis: In virtuosen Trillerketten formte sie ein ausgewogenes Klangbild, in dem dank ihrer stilsicheren Phrasierungskunst die Ausschmückungen kein musikalischer Selbstzweck waren, sondern freudige Erwartung verklanglichten und auch Echo- und Nachhalleffekte in eine rundum stimmige Interpretation integrierten. Ruhig soll es dann werden zur Weihnachtsnacht, das forderte das Quartett in dem romantischen Wiegenlied aus dem Salzkammergut „Still, weil′s Kindlein schlafen will,“ das durch die bezaubernden Dialoge zwischen Sopranistin Sabrina Sewohl und Flötistin Tatjana Flickiner faszinierte. Mit unbeschwert-kesser Anmut und in wundervoll einheitlichem Vortrag fragten die Kinder dann: „Wer klopfet an?“ Und sie baten die Hirten frohgemut, doch nur zu kommen; eine Aufforderung, die Tatjana Flickinger mit Benedetto Marcellos Ciaccona Allegro in einer munter hüpfenden Flötenweise unterstrich. Die Frage „Wann fängt Weihnachten an?“ beantwortete das Quartett in einem spannenden musikalischen Dialog: wenn sich die Gegensätze begegnen und verstehen! Und dann ist überall „Fröhliche Weihnacht“ und „Friede auf Erden!“