Kreis Südwestpfalz Das geschulte Auge der Motorradpolizisten

Überhöhte Geschwindigkeit, mangelhafter Sicherheitsabstand, übermüdete und alkoholisierte Fahrer oder unzureichend gesicherte Ladung – die Gründe für Unfälle mit Lastwagen sind vielfältig. Mit einer landesweiten Kontrollaktion wollte die rheinland-pfälzische Polizei gestern solche Gefahren aufdecken und ausmerzen. Unter anderem kontrollierte sie auf dem A8-Parkplatz „Kornberg“ bei Walshausen Laster.
Über 14 000 Unfälle, knapp 1400 verletzte und 38 getötete Menschen – so lautet nach Angaben des Polizeipräsidiums Westpfalz die Bilanz für Verkehrsunfälle mit Lastwagen im Jahr 2014 in Rheinland-Pfalz. Rund 200 Beamte der fünf Polizeipräsidien waren gestern auf neun Parkplätzen im Einsatz, um für mehr Sicherheit auf deutschen Autobahnen zu sorgen. Bei Walshausen kontrollierten Polizei und Zoll, und die Sonderabfall-Management-Gesellschaft Rheinland-Pfalz (SAM) war an der Kontrolle von Gefahrguttransporten und Abfallfahrzeugen beteiligt. „Die Kontrolle beginnt mit dem Herauswinken der Lkw durch unsere Motorradpolizisten“, erklärte Markus Baumgärtner, Polizeihauptkommissar und Leiter der gestrigen Schwerverkehrskontrolle. Die Motorradpolizisten warten kurz vor dem Rastplatz und achten auf augenscheinliche Sicherheitsmängel wie ausgebeulte und aufgeblähte Planen oder offensichtliche Defekte. Bei der eigentlichen Kontrolle werden dann die Ladepapiere mit der tatsächlichen Ladung abgeglichen, das Fahrzeug auf Beschädigungen und die Ladung auf Sicherungsmängel untersucht. „Bei etwa drei von vier Fällen haben wir Beanstandungen zu machen, erläuterte Baumgärtner. Das sei auch dem geschulten Auge der Motorradpolizisten bei der Vorauswahl zu verdanken. Häufigster Grund für eine Beanstandung sei unzureichend gesicherte Ladung. So auch gestern bei einem polnischen Laster, der Shampooflaschen transportierte. „Schon beim Aufmachen der seitlichen Planen sind uns die Steckbretter entgegengefallen“, berichtete Andreas Jung, Kontrolleur für Fahrzeugtechnik bei der Polizei. So sei die Funktion der Bretter natürlich gleich null, zumal auch keine Gurte vorhanden seien. Dies stelle eine enorme Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer dar. „Die Ladung könnte bei einer Bodenwelle herauskippen, und man stelle sich mal vor, das wären keine Shampooflaschen, sondern Backsteine“, erklärte Jung. Aber nicht nur bei der Ladungssicherung gab es Beanstandungen. Auch am Fahrzeug selbst stellte Jung technische Mängel fest. So war der Hauptrahmen unter dem Fahrzeug verbogen, an dem auch noch Teile fehlten. „Das ist eine gängige Reparaturmaßnahme in manchen Ländern. Man schneidet einfach ab, was überflüssig ist“, erläuterte der gelernte Nutzfahrzeugtechniker mit 24 Jahren Berufserfahrung. Der Grund, weshalb der Laster trotz derart gravierender Sicherheitsmängeln über die Autobahn fuhr, ist laut Jung das liebe Geld. So hätten Unternehmen, die sich wenig um die Sicherheit ihrer Fahrzeuge kümmern, natürlich geringere Ausgaben. Und unterstützt werde das Ganze auch noch von uns selbst. „Wir wollen unsere Produkte im Supermarkt doch immer so billig und so schnell wie möglich kaufen können“, so Jung. Dem polnischen Lastwagenfahrer wurde die Weiterfahrt verwehrt. Er muss nun darauf warten, dass sein Arbeitgeber ein anderes, geeignetes Fahrzeug schickt, und muss umladen. „Das ist sicher die gravierendste Maßnahme“, erläuterte Baumgärtner. Das könne unter Umständen schon mal Wochen dauern. Zudem wird er Geld zahlen müssen – und zwar den Teil des Gewinns, den er erzielte, indem er die Ladung nicht richtig sicherte. Markus Baumgärtner ging von rund 1500 Euro aus. Verärgert seien übrigens nicht alle Fahrer über die Kontrollen, selbst wenn es etwas zu beanstanden gebe, verrieten Christine Bechtloff und Ulrich Jeltsch von der SAM. „Manche Fahrer freuen sich sogar und bitten, die Mängel der Firma mitzuteilen, da sie dort nichts zu melden haben“, erklärte Bechtloff. Der Kontrolltag dauerte bis gestern Abend. Eine Bilanz ziehen Innenministerium und Polizei erst, wenn er vorbei ist.