Höheischweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Damit sich getrenntes Elternteil und Kind nicht fremd werden

Steven Hellmann setzt sich dafür ein, dass die Eltern-Kind-Entfremdung bei getrennt lebenden Eltern verhindert wird. Dazu sollen
Steven Hellmann setzt sich dafür ein, dass die Eltern-Kind-Entfremdung bei getrennt lebenden Eltern verhindert wird. Dazu sollen rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Wenn Eltern sich trennen, kann das zur Folge haben, dass ein Kind den Kontakt zu einem Elternteil verliert. Weil der zweite Elternteil den Kontakt be- oder verhindert. Das bundesweite Aktionsbündnis „Genug der Tränen. Kinder brauchen beide Eltern“ fordert gesetzliche Grundlagen, um diese Eltern-Kind-Entfremdung zu beenden. Steven Hellmann aus Höheischweiler ist einer der Organisatoren der sogenannten Süd-Tour des Aktionsbündnisses.

Herr Hellmann, was ist das Aktionsbündnis „Genug der Tränen. Kinder brauchen beide Eltern“?
Das Aktionsbündnis „Genug der Tränen“ möchte auf die Situation aufmerksam machen, dass die Eltern-Kind-Entfremdung große psychische Auswirkungen auf alle Betroffenen hat. Es setzt sich mit der gestarteten bundesweiten Kampagne, die auch über die soziale Medien läuft, dafür ein, dass wie bereits mehrfach angekündigt und sogar schon in Koalitionsverträgen vereinbart, die gesetzlichen Rahmenbedingungen so geändert werden, dass Eltern-Kind-Entfremdung verhindert wird. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat die Eltern-Kind-Entfremdung bereits als psychischen Missbrauch eingestuft. Hinter dem Aktionsbündnis stehen Vereine wie der Väteraufbruch und Initiativen wie PapaMamaAuch und die Bundesinitiative Großeltern.

Wie viele Betroffene gibt es?
Genaue Zahlen gibt es nicht. Es sind wohl jährlich mehrere tausend Fälle. Betroffen sind in diesen Fällen nicht nur das Kind und in den meisten Fällen der Papa, sondern ganze Familien. Die Großeltern, Geschwister, neue Lebenspartner und, und, und ...

Sie haben gerade gesagt, in den meisten Fällen der Papa. Mütter sind aber auch betroffen?
Ja, die Eltern-Kind-Entfremdung trifft auch Mütter. Ich engagiere mich im Verein Väteraufbruch. Bei uns sind etwa zehn Prozent der Mitglieder Frauen. Das spiegelt ziemlich genau das Verhältnis der Betroffenheit wider. Die deutsche Rechtssprechung geht zunächst immer mal davon aus, dass Kinder bei der Mutter leben sollten. Es greift das Residenzsystem. Das Elternteil, bei dem das Kind lebt, hat im Prinzip die Macht, kann entscheiden, wann, wo, in vielen Fällen auch ob überhaupt das Kind das andere Elternteil sieht.

Hilft die Rechtssprechung da nicht? Zum Beispiel durch Sorgerechtsvereinbarungen, in denen festgelegt ist, wann und wo das Kind seine Zeit verbringt?
Das verhindert nicht, dass das Kind zum Beispiel zu diesen festgelegten Zeiten immer wieder krank ist. Das ist nur ein Beispiel. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, um den Kontakt zwischen Kind und getrennt lebendem Elternteil zu erschweren oder ganz zu verhindern. Das kostet Betroffene Nerven, kostet Zeit, kostet Geld. Um meine Tochter sehen zu können, war ich schon mehrmals bei Gericht, bei der Polizei. Das überflüssig zu machen, darum geht es dem Aktionsbündnis. Es soll Gleichberechtigung hergestellt werden. Bislang ist es so, dass das Elternteil, bei dem das Kind lebt, automatisch die Macht hat. Ich sage immer, ich bin zu 150 Prozent Papa, darf aber nur 20 Prozent mein Kind betreuen.

Was erwartet die Besucher an den Aktionsständen in der kommnenden Woche? Was ist ihr Ziel?
Wir sind mit dem Auto des Aktionsbündnisses am Montag in Kaiserslautern, am Dienstag in Zweibrücken, am Mittwoch in Pirmasens und am Donnerstag in Bad Bergzabern und am Freitag in Landau. Jeweils auf zentralen Plätzen. In Pirmasens auf dem Schlossplatz. Dort wird uns auch Pony Scarlett begleiten, das in Zweibrücken schon mal am Aktionsstand dabei war und die Kinder immer wieder begeistert. Logistisch ist es schwierig, das Pony zu den anderen Standorten mitzubringen. Wir wollen informieren und bitten die Menschen, unsere Petition zu unterschreiben. Die Unterschriftenlisten gehen dem Deutschen Bundestag zu. Darin fordern wir, dass die rechtlichen Bedingungen geschaffen werden, um die Eltern-Kind-Entfremdung zu beenden.

Gibt es auch Beratung für Betroffene?
Die rechtliche Beratung ist Anwälten vorbehalten. Wir können höchstens Anwälte nennen, die auf Familienrecht spezialisiert sind. Genug der Tränen möchte informieren und bittet um Unterstützung bei der Petition. Wer nicht von dieser Problematik betroffen ist, wird sich darüber keine Gedanken machen. Aber wer sich mal genauer in seinem Umfeld umschaut, wird feststellen, dass er mit großer Wahrscheinlichkeit auch Betroffene kennt. Beim Väteraufbruch gibt es einen Erfahrungsaustausch Betroffener. Das hilft. Ich war zum Beispiel nicht verheiratet und hatte, als meine Tochter mal im Krankenhaus lag, kein Besuchsrecht. Ich habe dann sofort das gemeinsame Sorgerecht beantragt. Darüber hatte ich mir im Vorfeld nie Gedanken gemacht. Das Sorgerecht juristisch einwandfrei zu klären, würde ich aufgrund dieser Erfahrung zum Beispiel allen unverheirateten Paaren mit Kindern empfehlen.

Sie haben in der kommenden Woche einiges zu tun. Warum engagieren Sie sich in diesem Maße?
Ich mache das alles für meine Tochter. Sie soll wissen und verstehen, dass ihr Papa immer alles getan hat, um sie zu sehen, um Zeit mit ihr zu verbringen, um für sie da zu sein.

Zur Person

Steven Hellmann ist 40 Jahre alt. Seit zwei Jahren engagiert sich der Berufssoldat, der in Höheischweiler lebt, beim Verein Väteraufbruch. Der Verein setzt sich dafür ein, dass Kinder nach einer Trennung zu beiden Elternteilen Kontakt und eine Beziehung haben. Hellmann ist Betroffener, kämpft um den Kontakt zu seiner Tochter aus einer früheren Beziehung.

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