Südwestpfalz
Damit mehr Grundwasser gebildet wird: Langzeitprojekt der Daniel-Theysohn-Stiftung
Seit vielen Jahren ist die Daniel-Theysohn-Stiftung gemäß ihren Stiftungszwecken ein großer Förderer der Region. Aktuell wird ein Projekt auf den Weg gebracht, bei dem die Stiftung Neuland beschreitet: Grundwasser-Stabilisierung und Quellen-Renaturierung. Es vereint mehrere Stiftungszwecke: Umweltschutz, Naturschutz und Landschaftspflege, Tierschutz sowie Heimatpflege und Heimatkunde.
Die inzwischen erkennbaren Zeichen des Klimawandels, der Waldzustandsbericht, der Rückgang der Grundwasserneubildung und die Diskussion über die Zukunft der Gewässer haben den Vorstand der Stiftung zu dem Entschluss gebracht, dass man mit diesem Projekt dem Stifterwillen gerecht werde, sagte der Vorstandsvorsitzende Hans G. Pieper bei der Vorstellung des Projekts. Die Wassersituation für Grund- und Oberflächengewässer soll mit verschiedenen Maßnahmen verbessert und die Quellen aufgewertet werden. Ziel sei die Förderung der Grundwasserneubildung. Pieper machte klar: Das ist ein Langzeitprojekt.
Auf vier Quellen verständigt
Über die deutliche Abnahme des Grundwasserspiegels sprach Gewässerbiologe Holger Schindler: „Grundwasser wird im Winter gebildet. Durch die höheren Temperaturen und die längere Vegetationszeit sind die Winter kürzer geworden und damit auch die Möglichkeit, Grundwasser neu zu bilden.“ Starkregenereignisse und niederschlagsreiche Sommer könnten keinen Ausgleich schaffen, „weil Grundwasser eben nur im Winter gebildet wird“.
Pieper erläuterte: „Neu ist für uns, dass wir nicht Fördergelder an Dritte vergeben, sondern ein Projekt in eigener Regie durchführen.“ Dabei hofft der Vorstandsvorsitzende, dass das Projekt Schule macht und von anderen Regionen aufgegriffen werden wird. Das Quellenprojekt ist schon angelaufen. Man habe Wert darauf gelegt, handeln zu können, ohne jahrelange Genehmigungsverfahren durchlaufen zu müssen. „Wir haben also alle Beteiligten wie Forst, Gemeinde, Behörden und Sachverständige an einen Tisch gebracht und uns auf zunächst vier Quellen verständigt, bei denen wir beginnen wollen“, sagte Pieper. Das sind der Saarbrunnen bei Ludwigswinkel, der Rossbrunnen nördlich von Fischbach und zwei Quellen im Magazineck in Seitentälern des Litschbaches auf der Gemarkung Niederschlettenbach.
Saarbrunnen soll an die Oberfläche geholt werden
Begonnen wird mit dem Saarbrunnen, aus dem der Saarbach entspringt. Dies ist die größte der vier Maßnahmen. Nach dem Durchfluss durch den Saarbacherhammer heißt der Bach dann „Sauer“. Die Quelle liegt direkt neben der L478, die von Ludwigswinkel nach Eppenbrunn führt. Im 19. Jahrhundert wurde die Quelle von den französischen Truppen aus dem Lager Schöntal mit einer Brunnenstube mit Deckel eingefasst. Ein Teil des Brunnenwassers versorgte damals über eine Leitung zunächst das Lager, später auch Ludwigswinkel. Die Wasserleitung nach Ludwigswinkel ist schon lange Zeit nicht mehr in Betrieb. Das darin fließende Wasser versickert irgendwo unterwegs. Der Rest fließt unter der L478 hindurch und steht dem Saarbach zur Verfügung.
Die Quelle schüttet ungefähr 20 Liter Wasser pro Sekunde aus und gehört damit zu den größeren Quellen der Region. Ziel ist es, die Quelle wieder an die Oberfläche zu holen. Schindler rechnet damit, dass sich die Schüttung der Quelle damit noch erhöhen wird. Dazu wird die Brunnenstube, ein zum Teil betonierter Aufbau im Erdreich, entfernt. Die Rohre unter der Straße sollen entfernt und durch ein halbrundes, sogenanntes Kuhmaulprofil ersetzt werden.
100.000 Euro zum Start
Damit wird das komplette Wasser der Quelle dem Saarbach wieder zur Verfügung stehen. Auch die unterhalb der Quelle liegenden Gewässer könnten durch den erhöhten Durchfluss profitieren. Um die Quelle soll ein etwas 500 Quadratmeter großes Quellbiotop entstehen, das geeignet sei, die natürliche Biodiversität zu entwickeln und zu stärken. Viele teils seltene Arten wie beispielsweise die Quellschnecke oder zahlreiche seltene Köcherfliegenarten und der Feuersalamander kommen an den ausgewählten Quellen vor, erläuterte der Gewässerbiologe vom Büro „ProLimno“. Das Büro wurde von der Stiftung mit der Konzeption und Umsetzung betraut sowie mit der Koordination mit den Verwaltungen.
Gerhard Andras, Geschäftsführer der Stiftung, bekräftigte: Das Projekt werde in der Stiftung in Zukunft ein Dauerthema sein. Es wird wissenschaftlich begleitet und ausgewertet, um mit den gesammelten Daten festzustellen, ob es Wirkung zeigt. Bisher sind 100.000 Euro für das Projekt eingeplant. „Wenn wir feststellen, dass sich die gewünschten Erfolge einstellen, ist das aber kein finanzieller Deckel, sondern ein Startpunkt“, sagte Pieper.
Nadelhölzer gegen Laubbäume tauschen
Am Rossbrunnen sollen die Fichten entfernt und dafür 100 standorttypische Schwarzerlen gepflanzt werden. Auch bei den Quellen im Magazineck geht es vor allem darum, Nadelhölzer durch Erlen und möglicherweise auch Weiden, Eschen und Ulmen zu ersetzen. Laubbäume sind typisch für das Umfeld von Gewässern. Im Gegensatz zu Nadelbäumen lassen sie den Niederschlag durch, das Wasser kann versickern und steht der Grundwasserneubildung zur Verfügung.