Dahn RHEINPFALZ Plus Artikel Dahn: Warum das Café am Markt bald schließt

Am 14. Dezember öffnen Mira und Patrick Lacher zum letzten Mal das beliebte Café in der Dahner Stadtmitte.
Am 14. Dezember öffnen Mira und Patrick Lacher zum letzten Mal das beliebte Café in der Dahner Stadtmitte.

Seit 32 Jahren gibt es im Café am Markt Kuchen, Dampfnudeln und Heimatgefühl. Zurück bleiben Erinnerungen, die sich nicht einfach abschließen lassen.

Wenn am Abend des 14. Dezember im Café am Markt die Lichter ausgehen, geht auch eine Ära zu Ende. Seit 32 Jahren kochen und backen Mira und Patrick Lacher für ihre Gäste. Mit Leidenschaft und Engagement und einer ehrlichen Küche haben beide ihre Gäste über die Jahre begeistert. Seinen Lebensmittelpunkt hat Patrick Lacher inzwischen in Ludwigshafen bei seiner Familie, er pendelt täglich nach Dahn. Die Kuchen backt Lacher alle selber und obwohl er kein Konditor ist, seien sie weithin beliebt. „Ich benutze keine Fertigzutaten, bei mir wird alles frisch gemacht“, betont er.

Um 7.30 Uhr ist Arbeitsbeginn, außer freitags, da geht es schon um 3.30 Uhr los, denn Freitag ist Dampfnudeltag. So wie Patrick Lacher in der Backstube hält es seine Mutter Mira Lacher in der Küche: alles wird frisch und von Hand zubereitet. Bis zu dreißig Essen täglich schafft sie.

Es begann mit dem Familienessen

Dabei hat alles klein angefangen. „Früher hat sie für Papa und mich mittags gekocht, dann war mal was übrig und ein Stammgast durfte mitessen. Das hat sich herumgesprochen, sodass wir immer mehr Gäste zu Mittag hatten“, erzählt Lacher. Stammgäste gebe es viele im Café am Markt, da es im ersten Stock liegt und von Fremden leicht übersehen werde. Eine Gruppe von Klassenkameraden kommt einmal im Monat hierher und das seit dem ersten Tag. Viele Essen werden auch abgeholt und mit nach Hause genommen. Es gibt (fast) nichts, was Mira nicht gerne kocht. „Nur so vegetarische Sachen, das ist nicht so meins“, sagt sie lächelnd.

Das Lieblingsessen der Gäste, neben den Dampfnudeln, ist Gulasch mit Kartoffel-Karotten-Stampf. „So wie man es früher zu Hause gemacht hat“, betont Mira Lacher. Mit knapp 18 Jahren kam sie aus dem damaligen Jugoslawien nach Deutschland. „Ich stand schon mit sechs Jahren auf dem Feld zum Kartoffeln hacken, wir waren bettelarm“, erinnert sie sich an ein hartes Leben in der ehemaligen Heimat zurück. Sie und ihr Mann wollten schon immer ein Restaurant und als dann das Café am Markt zur Miete frei wurde, hätten sie nicht lange gezögert und seien spontan eingestiegen. Bereut hat sie es nie. Ein Einschnitt sei vor 17 Jahren der Tod ihres Mannes Winfried gewesen. Doch Mira Lacher ist dem Café treu geblieben, sie ist mit Leib und Seele Gastgeberin. Der Gedanke, nicht mehr jeden Morgen ins Café zu gehen, falle ihr schwer. Auch mit den Gästen habe es in den vergangenen Tagen schon den ein oder anderen tränenreichen Abschied gegeben. „Aber ich bin jetzt 72 Jahre alt und es ist für mich Zeit, aufzuhören. Die Knochen machen nicht mehr so ganz mit“, sagt sie.

Flohmarkt zum Abschied

Mira blickt dankbar auf die erlebnisreiche Zeit im Café zurück. „Wir haben tolle Gäste und einen tollen Vermieter, mit dem es nie Schwierigkeiten gab, und ich bin dankbar, dass ich in Dahn so gut aufgenommen wurde.“ Sohn Patrick will sich nach der Schließung eine Weile neu orientieren. „Vom 16. bis 22. November machen wir noch unseren Urlaub, was schon lange geplant war, und dann geht es in den Endspurt. Was danach kommt, weiß ich noch nicht, es wird sich finden“, sagt er. Ohne Mutter weitermachen, das will er nicht. „Für Mama müsste ich drei Leute einstellen, damit das geleistet wird, was sie geschafft hat, das rechnet sich nicht. Es wäre auch nicht mehr dasselbe.“ Der letzte Tag ist der 14. Dezember, um 17 Uhr ist dann Schluss. Danach gibt es vom 15. bis 17. Dezember jeweils von 11 Uhr bis 16 Uhr einen Flohmarkt nach dem Motto „alles muss raus“. Dann beginnt für Mira und Patrick ein neues Kapitel ohne das Café am Markt und für die Stadt Dahn ebenfalls. „Man soll ja bekanntlich aufhören, wenn es am schönsten ist. Von daher ist jetzt ein guter Zeitpunkt dafür“, sagt Patrick Lacher, nicht ohne Wehmut in der Stimme.

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