Kreis Südwestpfalz „Da wackeln alle Häuser“

Die Sickingenstadt scheint in ihren Grundfesten erschüttert: Das Rathaus muss für eine runde Million Euro statisch gestützt werden, das Großprojekt Kanalneubau in der Ludwigstraße war schon länger absehbar. Weil aber die laufenden Großprojekte an allen Ecken und Enden den Verkehr ausbremsen, ist ein Besuch in Landstuhl derzeit gar kein Vergnügen. Eindrücke aus dem morgendlichen Berufsverkehr.
Ludwig Brödel ist gut gelaunt und offenbar schon von Berufs wegen optimistisch: „Wann ist Stadtfest? Zweites Septemberwochenende? Jo, dann werden wir das Stück hier schon fertig haben“, prognostiziert der Baustellenleiter. Das sei keinesfalls ins Trübe orakelt. Peter Degenhardt gibt sich nicht minder zuversichtlich: „Wir liegen in der Ludwigstraße sehr, sehr gut im Zeitplan“, versichert der Bürgermeister der Verbandsgemeinde. Und hat prompt Lob für Brödel und seine Leute parat. „Die leisten sehr, sehr gute Arbeit“, stellt der Verwaltungschef der Firma F.K. Horn und ihren Beschäftigten schon mal ein Zwischenzeugnis aus. „Hut ab“, sagt Degenhardt vor allem mit Blick auf die fast komplett verregneten Frühsommer-Wochen. Und wenn es noch so gegossen hatte: „Es gab nur ein oder zwei Tage, an denen die nicht gearbeitet haben.“ Die Baufirma Horn aus Kaiserslautern stemmt das Großprojekt Kanalerneuerung. Allerdings sind zurzeit noch eine ganze Reihe weiterer Arbeiter in Landstuhl unterwegs. „Die buddeln an jeder Ecke ein Loch“, sagt Degenhardt. Darüber sei er aber froh; schließlich versorgt die Telekom die Sickingenstadt gerade mit Breitbandkabel. Da nehme man doch gerne mal für eine Weile Unannehmlichkeiten in Kauf. Dass in Landstuhl gefühlt mehr Sperrbaken als Autos an den Straßen stehen, löst keine ungeteilte Freude aus. Die Kanalerneuerung aber müsse sein. Und die Straßensperrung sei unabdingbar – und damit auch die Umleitung durch sonst ruhige Straßen, deren Anlieger auch schon mal von Lastwagen-Gedröhn aus dem Schlummer gerissen werden. „Da wackeln manchmal alle Häuser“, schildert Hagen Scherer die Situation, wie sie in der Vorderen Fröhnstraße herrsche. Scherer hat nach eigenem Bekunden schon einiges miterlebt, seit die Ludwigstraße dicht ist. Wer zum südlichen Stadtrand will, hat keine andere Wahl, will er nicht eine weiträumige Ausweichstrecke wählen. „Wenn wenigstens die Straße hier in Ordnung wäre!“, klagt Scherer und deutet auf Löcher im Asphalt. „Vielleicht hätte man erst das mal erledigen sollen, ehe man die Autos hier durchschickt“, gibt er zu bedenken. Vor allem über sich durchzwängende dicke Laster schüttelt er den Kopf. „Von wegen 3,5 Tonnen höchstens. Die Polizei hat schon dreimal Sattelschlepper rückwärts hier rausschleusen müssen, die vorne steckengeblieben sind.“ „Wir haben ein weiteres Schild aufgestellt. Vielleicht hilft das ja“, sagt der Bürgermeister. Den Unmut der Anwohner kann der Verwaltungschef verstehen. „Einiges hat sich ja auch verbessert“, erinnert er daran, dass die Verwaltung Wünsche der Bürger erfüllt habe. So blinkt zum Beispiel eine Tafel, die das Tempo vorbeifahrender Autos anzeigt.