Kreis Südwestpfalz Chaotische Kassenführung: Armin Knerr gibt Ämter ab

Die Mitgliederversammlung des Fördervereins Dorfgemeinschaft Bottenbach war am Dienstagabend keine reine Formsache. Kleinlaut bescheinigte sich Armin Knerr, Vorsitzender und Kassenwart des Vereins, eine chaotische Kassenführung und zog sich von allen Ämtern zurück. Die Kassenprüfer sprachen von einigen Beanstandungen, doch nach einer Nachprüfung sei der Kassenstand nun nachvollziehbar und anhand der Kontoauszüge zu belegen. Entlastet wurde Knerr, auf eigenen Wunsch, jedoch nicht.
„Die Kassenführung war absolut nicht so, wie man sich das vorstellt, und keine Glanzleistung von mir. Auf dem Konto wurden Transaktionen getätigt, die nichts mit dem Förderverein zu tun haben. Es war aber nie meine Absicht, jemanden zu betrügen oder zu schädigen“, erklärte Knerr, der den Verein seit der Gründung 2003 führte und auch Ratsmitglied ist. Die anderen Vorstandsmitglieder hätten damit nichts zu tun. „Das ist allein meine Verantwortung, die ich auch übernehme. Das Ganze war mir eine Lehre und wird nicht mehr passieren“, sagte Knerr, der sich bei den Mitgliedern entschuldigte und bei den Neuwahlen nicht mehr antrat. Die Kassenprüfer, Manuela Scholl und Armin Knerrs Bruder Andreas Knerr, nannten die Kassenführung unübersichtlich. Knerr habe bis zur Nachprüfung jedoch Ordnung geschaffen, „und ich gehe nicht davon aus, dass noch gravierende Punkte auftauchen“, sagte Scholl. Vereinsmitglied Monika Knerr waren die Angaben zur Kassenführung und -prüfung zu vage. „Ich wüsste schon gerne genauer, was da mit der Kasse los war“, forderte sie. Aus der Erklärung von Bürgermeister Helmut Schmitt ging hervor, dass Rechnungen nicht beglichen wurden. Diese Rechnungen, so Schmitt, habe er dann privat bezahlt, das Geld sozusagen vorgestreckt, um Schaden vom Verein abzuwenden. „Außerdem wollte ich vermeiden, dass zum Beispiel ein Mahnbescheid kommt, nur weil Rechnungen nicht bezahlt sind. Es geht nicht darum, irgendjemanden an die Wand zu fahren und zu vernichten“, betonte Schmitt. Sein Ziel sei gewesen, Schaden für den Verein zu verhindern, „und das ist gelungen“. Weshalb die Rechnungen nicht bezahlt wurden, erklärte Bürgermeister Schmitt, der zum neuen Vorsitzenden gewählt wurde, nach der Sitzung so: Zu bestimmten Zeitpunkten habe kein Geld zur Verfügung gestanden. Weshalb das so war, wisse er nicht. Laut Kassenbericht von Armin Knerr verfügte der Verein von 2009 bis 2014 stets über eine Summe zwischen 15 000 und 23 000 Euro. Geld wäre also da gewesen, „aber mir wurde gesagt, es sei angelegt und man komme da nicht so schnell ran“, so Schmitt. Als es um die Entlastung der Vereinsführung ging, verzichtete Armin Knerr auf eine Entlastung. Juristisch gesehen bedeutet eine Entlastung, dass der Verein auf Schadensersatzansprüche gegen den Vorstand verzichtet. Gibt es keine Entlastung, kann der Verein diese Schadensersatzansprüche noch stellen. „Wenn noch irgendwelche Punkte auftauchen, stehe ich zur Klärung bereit“, sagte Knerr. Die zweite Vorsitzende, Beate Schnur, wurde mit 15 Ja-Stimmen und einer Enthaltung entlastet. Die Satzung des Vereins sieht bei der Entlastung eine öffentliche Abstimmung per Handzeichen vor. Auf Antrag von Helmut Schmitt wurde jedoch geheim abgestimmt. Schmitt erklärte gegenüber der RHEINPFALZ, er habe jedem ermöglichen wollen, unbeschwert und ohne Druck abzustimmen. Es sei nicht um Heimlichtuerei gegangen. Bei den Neuwahlen stimmten die Mitglieder wieder per Handzeichen ab. Sie wählten Bürgermeister Schmitt zum ersten Vorsitzenden, Beate Schnur bleibt zweite Vorsitzende, Schriftführer ist Klaus Weber. Damit stellt die politische Ortsspitze den Vorstand: Weber ist erster Beigeordneter der Gemeinde, also Vertreter von Bürgermeister Schmitt, Schnur ist zweite Beigeordnete. Besonderes Augenmerk lag auf der Wahl des Kassenwarts. Den Posten übernimmt Matthias Massar, der sein Amt mit dem Vereinseintritt während der Sitzung antrat. Massar arbeitet bei der Sparkasse in Rodalben. Beisitzer sind Helmut Müller und Wolf-Dieter Dzemski, Kassenprüfer bleiben Manuela Scholl und Andreas Knerr. Knerr bleibt auch, weil sich trotz Nachfragen kein anderer für das Amt fand. Weber hätte sich gewünscht, dass regelmäßig ein neuer Prüfer gewählt wird, damit immer ein erfahrener und ein neuer Prüfer im Amt sind. Doch den Posten wollte niemand.