Driwwe unn hiwwe
Bitsch: Ein Besuch im Garten für den Frieden
Unterhalb der Zitadelle liegt der „Jardin pour la Paix“, der Garten für den Frieden. Wo früher Soldaten marschierten, bietet sich dem Besucher heute ein Meer an Blumen, unterteilt in verschiedene Gartenzimmer. Doch nicht nur Erwachsene sollen etwas von einem Besuch haben: Über das Gelände verteilt gibt es verschiedene Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten.
„Der Garten ist die Verbindung zwischen der Zitadelle und der Stadt“, sagt Mélanie Muller. Die Gärtnerin betreut neben dem Jardin pour la Paix auch das Pflanzkonzept der Stadt Bitsch. So manches, was zuerst die Stadt geschmückt hat, dann aber aus den Töpfen herausgewachsen ist, findet sich im Anschluss im Jardin wieder.
Die „Jardins en Troc“
Die vielfältigen Erfahrungen, die im Garten gesammelt wurden, flossen 2006 in das Konzept „Jardins en Troc“, die Tauschgärten. Seither gibt es nicht nur im Jardin pour la Paix selbst, sondern auch an mehreren Stellen in der Stadt verschiedene Gartenkreationen. So erwarten den Besucher im Stadtzentrum unter anderem große, rostrote Metall-Figuren, in der Straße Général-Stuhl ist ein Kreisverkehr farbenfroh zum Thema Bienen gestaltet. Das lautmalerische Motto „Bee’tche“ spielt mit dem Stadtnamen und dem englischen Begriff für Biene.
Der größte Teil der „Jardins en Troc“ liegt im Garten für den Frieden selbst. Das Motto hier sei konstante Erneuerung, umschreibt es Gärtnerin Muller. Jedes Jahr werden neue Themenbilder gestaltet, kommen neue Ideen, Pflanzen und Farbschemata auf das rund 500 Meter lange Grundstück.
Verschiedene Gartenbilder
Gleich am Eingang ist mit dem Garten „Saint-Barth-lès-Bitche“ eine Hommage an den französischen Sänger Johnny Hallyday entstanden. Er hat 1964 einen Teil seines Militärdienstes in Bitsch absolviert, erzählt Muller. Ein Motorrad inmitten großer Palmen weckt das Gefühl von Freiheit. Das Eingangsgebäude aus Holz mit begrüntem Dach sei so konstruiert worden, dass es sich möglichst unauffällig in die Landschaft integriere, sagt Muller. Im Garten gebe es regelmäßig verschiedenen Veranstaltungen, die nach Möglichkeit unterschiedliche Interessen und Zielgruppen bedienen sollen.
Bei den Pflanzen wechseln sich mehrjährige und einjährige Exemplare ab. Manche von ihnen werden zum Überwintern aus den Beeten genommen. Der Garten liege in einem Windkorridor. Weil es dadurch sehr kalt werden könne, sei Bitsch in Frankreich als „Klein-Sibirien“ bekannt.
Ökologischer Grundsatz
Seit 2003 kämen im Garten keine Chemikalien mehr zum Einsatz, schildert Muller. Stattdessen werden ein ökologischer Ansatz verfolgt, der sich auch in der Bepflanzung wiederfindet. Das meiste davon ist attraktiv für Bienen und Insekten, nur wenige Blumen dienen allein der Optik. Beim Gang durch den Garten lässt sich dieses Konzept klar erkennen. Überall summt und brummt es, Schmetterlinge flattern über die Wiese.
Während sich die Gärtnerin über diese tierischen Besucher freut, sieht es bei den vielen Schnecken anders aus. „Aber wir haben ein Geheimmittel dagegen“, sagt sie mit einem Lachen und zeigt einen Stall, in dem zwei junge Laufenten in einem Becken schwimmen. Sind die Besucher weg, dürfen die Laufenten aus dem Gehege und sich durch den Park futtern.
Ein großes Schaukelpferd
Ganz neu im Jardin ist ein Bereich, der der Kindheit gewidmet ist. Ein großes Schaukelpferd, ein Windrad und ein großer Stuhl erinnern daran, wie groß alles aus der Perspektive eines kleinen Kindes aussieht, erläutert Amandine Rat, Pressesprecherin der Stadt Bitsch.
Ein paar Meter weiter wartet ein Bereich, der mit einem Staketenzaun eingefasst ist. Verschiedene Obstbäume und viele, viele Kräuter und Blumensorten sollen die Erinnerung an Gärten von früher wecken, schildert Muller. Genau gegenüber liegt eine Freiluftküche, die an die Zeit der Großeltern erinnert. Gemeinsam erweckt das Ensemble frühere Zeiten zum Leben, in denen angebaut, geerntet und eingemacht wurde.
Der Garten wird von drei Quellen gespeist, eine davon wird für eine Installation verwendet und fließt durch ein verzweigtes System offener Wasserleitungen. Fährt ein Besucher auf einem Fahrrad, kann er einen Springbrunnen erzeugen. Das spielerische Element zieht sich durch den ganzen Garten, überall gibt es Dinge zu entdecken, kann etwas ausprobiert werden. Ruhigere Bereiche im Schatten wechseln sich mit Rasenflächen ab. Für Kinder gibt es gleich mehrere Stellen, an denen sie spielen können sowie einen Barfußpfad. Am Ende des Grundstücks können Holzhütten erkundet werden, darin finden sich unter anderem eine Schaukel und eine Hängematte.
Der Garten verzeichne pro Jahr rund 22.000 Besucher, sagt Cyrill Fritz, verantwortlich für Zitadelle und Garten. Während rund 50 Prozent der Besucher der Zitadelle aus Deutschland stammten, seien es im Garten etwas weniger als 30 Prozent. Die meisten davon kämen aus der Pfalz, Baden-Württemberg und dem Saarland, doch auch Besucher aus Bayern und Hessen seien darunter. Der Jardin ist Teil des Netzwerks „Gärten ohne Grenzen“.
Öffnungszeiten
Der Garten ist im Juli und August laut Homepage täglich ab 11 Uhr geöffnet, letzter Einlass ist um 18.30 Uhr. Im September und Oktober ist montags geschlossen, letzter Öffnungstag ist der 13. Oktober.
Die Serie „Driwwe unn hiwwe“
Über eine Länge von rund 50 Kilometern grenzt der Landkreis Südwestpfalz von Hornbach im Westen bis Bobenthal im Osten an Frankreich. Während „hiwwe“ alles Südwestpfalz ist, ist es „driwwe“ im Westen Lothringen, im Osten das Elsass. Alle 14 Tage donnerstags wollen wir über unsere französischen Nachbarn, über Land und Leute, über deutsch-französische Themen aus dieser Region berichten. Wenn Sie ein interessantes Thema kennen oder Vorschläge für uns haben, schreiben Sie uns doch eine E-Mail an redpir@rheinpfalz.de. Wir greifen das gerne auf.