Kreis Südwestpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Bernhard Matheis: „Der Wolfsriss ist ein Vorbote“

Bernhard Matheis ist Vorsitzender der Jägerschaft Pirmasens-Zweibrücken.
Bernhard Matheis ist Vorsitzender der Jägerschaft Pirmasens-Zweibrücken.

Dauerhaft Wölfe im Pfälzerwald: Aus Sicht von Bernhard Matheis ist das nur eine Frage der Zeit. Konflikte sind da vorprogrammiert, ist sich der Vorsitzende der Jägerschaft Pirmasens-Zweibrücken sicher.

„Der Wolfsriss bei Hinterweidenthal ist ein Vorbote“, sagt Bernhard Matheis. Er geht davon aus, dass sich der Wolf über kurz oder lang auch im Pfälzerwald ansiedeln wird. Wenn er sich mit Jägern aus Rheinland-Pfalz oder aus anderen Bundesländern unterhalte, in denen der Wolf schon vor längerer Zeit Einzug gehalten hat, stelle er fest: Der Anfang ist immer gleich. Zuerst gebe es vereinzelte Nutztierrisse und Wildkameras zeichneten immer wieder Wölfe auf. „Das gab es bei uns auch schon alles“, sagt Matheis.

Der Pfälzerwald stelle eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Deutschlands dar, hier sei perspektivisch mit einer größeren Wolfspopulation zu rechnen, ist Matheis überzeugt. Unter der Jägerschaft seien Wölfe ein Thema, das sehr differenziert betrachtet werde. Keiner der Jäger, die er kenne, würde den Wolf ins Jagdgesetz aufnehmen wollen, nur um die Tiere dann bejagen zu können.

Konfliktpotenzial bei Nutztierhaltung

Bei einer möglichen Ansiedlung von Wölfen in der Region sieht Matheis jedoch bei der Nutztierhaltung ein größeres Konfliktpotenzial. Der Fall in Hinterweidenthal, wo ein Wolf zwei Schafe und eine Ziege getötet und zwei Schafe verletzt hat, zeige das Problem: „Wenn ein Wolf in eine Herde eindringt, kann er hohes Tierleid verursachen.“

Denn der Wolf töte in der Regel nicht nur ein Tier, um zu fressen, sondern töte oder verletze meist mehrere wehrlose Tiere. „Die Tiere in den Gehegen können ja nicht flüchten“, sagt Matheis. Das widerspreche absolut dem jagdlichen Grundgedanken, unnötiges Tierleid zu vermeiden. „Ein Wolf kann erhebliche Schäden anrichten und lässt sich nicht immer durch Zäune abhalten“, fasst es der Jäger zusammen.

Die Frage, wie sich die Ausbreitung des Wolfes mit der Nutztierhaltung vereinbaren lasse, müsse die Politik beantworten. Hierbei müsse sie klare Worte finden. Die Umschreibung, einen Wolf „zu entnehmen“, wenn es zu massiven Schäden bei Nutztieren gekommen ist, lehnt Matheis ab. Das bedeute nichts anderes, als dass der Wolf am Ende doch geschossen werde – und das Töten von Wölfen sei mit viel öffentlicher negativer Wahrnehmung verbunden. Diese Lösung sei keine, die die Jägerschaft vorziehen würde.

Wandernde Herden schlecht zu schützen

Zudem sieht Matheis Konfliktpotenzial mit dem Naturschutz im Biosphärenreservat Pfälzerwald. So gebe es Wanderschäfer, die mit ihren Herden in den Tälern unterwegs sind und dort die Kulturlandschaft pflegen. „Die Schafe erfüllen dabei eine wichtige Funktion“, beschreibt Matheis. Zum einen halten sie die Täler frei von hohem Bewuchs, zum anderen transportieren sie in ihrer Wolle Pflanzensamen von Tal zu Tal. Doch wie soll ein Wolfsschutz im Fall von ziehenden Herden funktionieren, fragt Matheis. Das sei nicht einfach zu beantworten.

Anders verhält es sich aus seiner Erfahrung mit dem Luchs. „Wir haben eine größere Luchspopulation in der Region“, sagt Matheis. Fast jeder, der im Umkreis ein Jagdrevier habe, habe bereits selbst einen Luchs gesehen oder mit einer Wildkamera aufgenommen. „Es ist einfach ein tolles Naturerlebnis“, berichtet der Jäger. Im Vergleich zu Wölfen richteten Luchse keine so großen Schäden an. Anders als der Wolf töte der Luchs in der Regel ein Tier, das er dann über einen längeren Zeitraum auffresse.

Ein Blick ins Internet zeigt: Die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz verzeichnet für den Zeitraum zwischen 2016 und 2021 elf bestätigte Übergriffe von Luchsen auf Nutztiere in der Pfalz.

Noch sei das Konfliktpotenzial bei der Diskussion um den Wolf nicht so hoch wie beispielsweise in Brandenburg, wo sich die Tiere bereits fest etabliert haben. Doch die ersten Anzeichen dafür seien bereits da, so Matheis.

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