Heltersberg
Bei Hager-Tehalit arbeitet mancher sogar länger als notwendig
Im September waren es genau 50 Jahre, seitdem Klaus Vatter seine Ausbildung zum Werkzeugmacher in dem kunststoffverarbeitenden Betrieb begonnen hat. Einer der ersten Azubis war der junge Mann aus Geiselberg damals, hat den Unternehmensgründer Daniel Theysohn noch persönlich erlebt. Jeden Dienstag sei dieser noch durch den Betrieb gegangen, erinnert sich Vatter. Er habe die Leute angesprochen, sei bei den Lehrbuben stehengeblieben und habe gefragt, was sie gerade machten. Die Lehrbuben blieben manche Antwort schuldig, zu beeindruckt war wohl mancher vom bodenständigen Chef.
Auch danach gingen Chefs durch den Betrieb, doch mit deren Aufgaben wuchs auch der Abstand zwischen den Visiten in der Produktion. Dennoch schätzt Klaus Vatter bis heute vor allem eines an seinem Arbeitsplatz: eine große Verbundenheit innerhalb der „Tehalit-Familie“, die mit Hager längst zur Großfamilie geworden ist.
Mit Spaß ins 51. Berufsjahr
Eigentlich, sagt er und lacht, wollten die verbliebenen vier Kollegen des gleichen Azubi-Jahrgangs zur gleichen Zeit in Rente gehen. Dass das aber nicht klappte, versteht er gut. Denn wer etwa lange im Schichtbetrieb arbeitet, ist anders beansprucht als jemand, der im Büro sitzt. Und er, sagt Klaus Vatter, habe ja nicht körperlich schwer arbeiten müssen. Außerdem mache ihm seine Arbeit Spaß – weswegen er als Letzter seines Jahrgangs nun im 51. Berufsjahr steht.
Als einer von sieben Lehrlingen hat Klaus Vatter, der aus Geiselberg stammt und nun in Heltersberg lebt, bei Tehalit angefangen. Damals wollten viele zu Schön & Sandt in Pirmasens, erzählt er, Tehalit war weniger bekannt. Doch dem jungen Mann gefällt es in Heltersberg. Er arbeitet erst im Sondermaschinenbau, der gerade neu aufgebaut wird. Bis etwa 2000 hat Tehalit Maschinen für die Fertigung selbst gebaut, bis die Anlagen zu komplex wurden. Durch die Nähe zur Produktion hätten sie direkt gesehen, wie ihre Maschinen funktionierten, sagt Vatter. Ein weiterer Vorteil: Die erfahrenen Älteren hätten ihnen genau gesagt, was nötig sei – ein Arbeiten Hand in Hand. 1989 wechselt er in die Instandhaltung, dann in die Werkzeug-Konstruktion, übernimmt die Werkstatt-Steuerung. Rund um Maschinen hat er viel Wissen erworben, kennt sich aus mit der Beschaffung von Ersatzteilen.
Wertvolles Wissen einer ganzen Generation
Es ist Wissen, das aus Sicht des Betriebsratsvorsitzenden Ronald Keller gar nicht hoch genug geschätzt werden kann - und schnell verloren gehen kann, wenn junge Mitarbeiter nicht frühzeitig damit vertraut gemacht werden. Vor allem angesichts der Ruhestandswelle, die in der Generation der Babyboomer allerortens anrollt. Davon ist auch der Hager-Standort Heltersberg nicht ausgenommen. Dort arbeiten viele langjährig Beschäftigte – gerade erst sind wieder etliche für ihre 25-, 40- und 50-jährige Betriebszugehörigkeit geehrt worden.
Oft seien ganze Generationen im Betrieb, stellt Keller fest. Bei Klaus Vatter ist das nicht anders: Ein Sohn und eine Tochter arbeiten ebenfalls dort, außerdem ein Cousin. Viele sind außerdem über Vereine in Kontakt. So über den Fußball. Auch Klaus Vatter: Er ist seit Jahren im Vorstand des Fußballvereins (FV Geiselberg), war als Trainer aktiv und ist nach wie vor oft auf dem Sportplatz unterwegs.
Gute Kollegen und gute Vorgesetzte
Keine Frage: An Beschäftigung wird es ihm im Ruhestand nicht mangeln. Dafür dürften auch die sechs Enkelkinder sorgen. Einige Monate müssen die Kleinen aber noch warten auf den Opa. Denn der hat es nicht so eilig, seine „Tehalit-Familie“ zu verlassen. Seine Arbeit mache ihm immer noch Spaß, sagt der 64-Jährige – etwas, was nicht jeder am Ende seines Berufsleben sagen kann. Für Vatter hat eben alles gepasst: Er habe gute Kollegen und Vorgesetzte gehabt, sagt er. Die Entscheidung für Tehalit hat er nie bereut – und er glaubt, dass es anderen auch so geht. Das bestätigt selbst der Betriebsratsvorsitzende: Bei Tehalit werde etwas für die Mitarbeiter getan – „es wird sich gekümmert“.
Über 75 Jahre Tehalit
Corona hat 2021 eine Geburtstagsfeier bei Hager-Tehalit in Heltersberg verhindert. Diese wurde aber 2022 mit einem Familienfest nachgeholt. Denn „die Tehalit“ ist im vorigen Jahr 75 Jahre alt geworden. Das Tehalit Kunststoffwerk wurde 1946 als Schwester der Schuhfabrik Teha von den Brüdern Albert und Daniel Theysohn in Pirmasens gegründet. Der Name entstand aus „Teha“ in Verbindung mit dem Weich-PVC Igelit, aus dem die Theysohns als Pioniere Zubehör für Schuhe und zeitweise gar Sandalen fertigten. 1953 begann Tehalit mit der Produktion von Wasserleitungsrohren; der „Hula-Hoop-Reifen“ kam hinzu und wurde zum Verkaufsschlager. Das Unternehmen wuchs, ein neuer Standort wurde gesucht. 1956 wurden die Theysohns in Heltersberg fündig, bauten dort eine Fabrik, in die 1957 der Betrieb umzog. Die Teha-Schuhfabrik in der Pirmasenser Glockenstraße verkauften die Brüder 1957 an den Schuhhersteller Salamander.
Tehalit wuchs, die Produktpalette änderte sich – hin zu Kabelkanälen und kompletten Systemen für die Installation von Elektro- und Elektronikkabeln, die europaweit verkauft werden. Seit 1996 gehört Tehalit zum weltweit tätigen Elektrokonzern Hager (Blieskastel). Aktuell beschäftigt das Unternehmen, das der größte produzierende Arbeitgeber im Landkreis Südwestpfalz und dort seit Jahren eine stabile Größe ist, in Heltersberg 745 Mitarbeiter (inklusive 69 Leiharbeitnehmern und 35 Azubis). Auch die Folgen der Pandemie haben sie in Heltersberg gut überstanden: Ganze drei Tage wurde dort Anfang Juni 2020 in manchen Bereichen kurz gearbeitet. Arbeit sei auch jetzt genug da, stellt der Betriebsrat heute fest. Und: Ihnen gehe es gut.